Die Verwandlung des Sebastian Vettel

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Sebastian Vettel ist bei Ferrari wieder ganz der Alte. Wie das in Bahrain aussah und was enge Vertraute über die Verwandlung des Sebastian V. sagen, lesen Sie hier.

 

Wer sich wohlfühlt, geht schneller auch mal Kompromisse ein. Die Szene am Donnerstag in Bahrain war typisch für die neue Leichtigkeit des Seins des Sebastian Vettel (27) bei Ferrari. Ein Doppel-Interview mit Weltmeister Lewis Hamilton (30) für BBC und RTL führen? Warum nicht? Aber, so gab der Deutsche vorher die Richtlinie aus: „Wir müssen auf die Sekunde pünktlich sein.“ Um keine unnötige Zeit zu verschwenden. „Schweigen ist Silber“, witzelte er deshalb im kleinen Kreis, „aber Siegen ist Gold!“

Vor einem Jahr noch war alles ganz anders. Vettel war schlecht gelaunt, haderte bei Red Bull mit dem Auto, dem Team und sich selbst. Er gab den Motzki und Trotzki und zeigte ganz offen, dass er den Spaß an der Formel 1 verloren hatte. Insidern bleibt die Vettel-Verwandlung zum Guten nicht verborgen. „Sebastian ist wieder ganz der Alte“, bringt es Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger (55) im Fahrerlager-Gespräch mit F1-insider.com für AUTO BILD MOTORSPORT auf den Punkt. „Er lacht wie früher, blödelt herum und du spürst mit jeder Geste: Da fühlt sich einer nicht nur wieder richtig wohl – da weiß einer auch ganz genau, was er will und wie er alle dazu bringen kann, dass das, was er will, auch getan wird.“

Vettel gibt Berger recht: „Letztes Jahr war in vielerlei Hinsicht ein schwieriges Jahr. Wir hatten viele technische Defekte oder andere Probleme mit dem Auto. Es war auch für mich persönlich nicht die beste Saison. Ich war irgendwie immer einen Schritt hintendran.“

Bei Ferrari ist er jetzt wieder den entscheidenden Schritt voraus, der ihm von 2010 bis 2013 vier WM-Titel in Folge eingebracht hat. Durch die Liebesheirat mit der Scuderia kam die gute Laune zurück, die Fähigkeit ein Team zu motivieren und als logische Konsequenz auch der Erfolg. „Es ist faszinierend zuzuschauen, wie Sebastian alle mitreißen kann“, analysiert Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene (58) schon nach vier Monaten. Und Berger ergänzt: „Seb sorgt auch dafür, dass da keiner abhebt. Dass immer weiter gepusht wird. Er tut das auf eine ganz clevere Art: Er gibt allen das Gefühl, dass sie die Chefs sind. In Wirklichkeit ist er es schon.“

Berger weiß aber auch: „Ferrari hat mit Vettel über den Winter einen Riesenschritt gemacht. Ob es schon zum Titel reicht, bezweifle ich. Dafür erscheint mir der Vorsprung von Mercedes noch zu groß.“ Dessen sei sich auch Sebastian bewusst. „Deshalb wird er dafür sorgen, dass keiner abhebt und das Entwicklungsprogramm penibel durchgezogen wird.“

Das heißt: Beim nächsten GP in Barcelona (10. 5.) gibt es ein großes Aerodynamik-Update, in Montreal (7. 6.) eine neue Motor-Ausbaustufe. Mit neuem Sprit und verbesserten Kolben soll sie 20–30 Zusatz-PS bringen. Vettel: „Vor uns liegt noch ein langer Weg. Aber wenn es eine Chance gibt den Titel zu holen, werde ich sie ergreifen.“

Davon ist sein Ex-Chef Helmut Marko (71) mehr als überzeugt: „Sebastian wird dieses Jahr schon ernsthaft um die WM fahren.“ Einen Schuss Freude und Stolz kann der Red-Bull-Motorsportchef dabei nicht verbergen. „Vettel hat es jetzt schon allen Kritikern gezeigt“, sagt er, „die in der vergangenen Saison auf ihm rumgeprügelt und behauptet haben, er hätte das Autofahren verlernt. Er sagt es zwar nicht offen, aber wer ihn kennt, spürt seine Genugtuung darüber.“ 

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