Ferrari: So tickt Vettels neuer Chef

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Er gilt als coolster Teamchef im Fahrerlager: Sebastian Vettels neuer Ferrari-Boss Maurizio Arrivabene. F1-insider.com stellt den Italiener aus Brescia vor.

Sein erstes Ziel hat der neue Ferrari-Teamchef schon erreicht. „Hoffentlich nennen sie mich nach den ersten Rennen nicht Arriva-MALE“, hatte Maurizio Arrivabene (58) vor Saisonbeginn gejuxt. „Arrivamale“ heißt übersetzt „schlecht angekommen“ und ist das ganze Gegenteil von dem, was man nach den ersten drei Rennen über den Italiener sagen kann. Denn sein Name ist Programm. In Italien würde man sagen. „Arrivabene arrivabene.“ Der Mann ist tatsächlich gut angekommen in seinem neuen Job.

Seit Ende November leitet Maurizio Arrivabene die Geschicke der Scuderia Ferrari. Er ist Sebastian Vettels (27) neuer Teamchef und so ganz und gar kein typischer Italiener. Nach dem ersten Sieg des Traditionsteams seit 35 Rennen hockte der Mann aus Brescia ganz ruhig auf seinem Stuhl im Vorgarten der Ferrari-Hospitality und warnt im Gespräch mit ABMS: „So ein schneller erster Sieg kann auch Nachteile haben. Wir müssen jetzt mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und unser Programm weiter konsequent durchziehen.“

Ferrari-Teamchef Arrivabene. Copyright: Ferrari

Ferrari-Teamchef Arrivabene. Copyright: Ferrari

Arrivabene, der als Philip-Morris-Manager über 20 Jahre mit Ferrari zu tun hatte, kennt seine italienischen Pappenheimer nur zu gut, die nach dem Erfolg oft dazu neigen sich erstmal auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Seine Führungsphilosophie: „Ich will nah an der Mannschaft dran sein und einen Teamgeist heraufbeschwören.“ Der Italiener kann ruhig und zurückhaltend auftreten, aber auch bestimmt den Chef raushängen lassen. „Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Keine Abteilung darf mehr mit dem Finger auf eine andere zeigen. Auch beide Fahrer gehören gleichberechtigt zum Team. Der Star ist die Mannschaft.“

Solche Aussagen machen Arrivabene zu Sebastian Vettels Bruder im Geiste. Der Deutsche ist auch lieber Realist und hält – gemäß einer seiner Lieblingsfloskeln – den Ball flach. Der emotionale Ausbruch, als Arrivabene Vettel nach dessen Sieg in Malaysia herzlich in die Arme nahm, war eher eine Übersprungshandlung zweier Sportler am Gefühlslimit.

Überhaupt: Wer wissen will, was das Wichtigste ist im Leben vom neuen Ferrari-Teamchef, der sollte auf seinen Unterarm schauen. Da steht es, in ausländischen Schriftzeichen, als Tattoo. Arrivabene verrät: „Es sind die Namen meiner Frau, meiner Tochter und von mir.“ Vettels neuer Boss ist einer, der sich zwar der Verantwortung bewusst ist für das heilige Pferd Italiens zu arbeiten, aber er weiß auch: „Man kann überall Angst haben, seinen Job zu verlieren,“ sagt er. „Aber Druck macht einen auch stärker.“

Eine Schwäche hat der neue Ferrari-Capo allerdings. Und die heißt Michael Schumacher. Als Marlboro-Europachef war er bei den meisten seiner Ferrari-Erfolge Teil des Teams. Deshalb musste er weinen, als Schumacher-Managerin Sabine Kehm ihm per SMS zum ersten Sieg gratuliert hat. Und deshalb vergleicht er auch Sebastian Vettel immer wieder mit dem Rekordweltmeister.

Schlusswort Arrivabene: „Die Art, wie Sebastian an die Arbeit herangeht, wie er sich in jedes Detail vertiefen kann, wie er sich konzentrieren kann, wie er alle motiviert, wie er konstruktiv kritisiert, das erinnert mich in der Tat an Michael. Beide verbindet dieselbe kulturelle Herkunft und die deutsche Ordnung, die sie mit zu Ferrari gebracht haben.“ Und jetzt auch die Siege.

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