Motoren oder nicht? Märchenstunde um Red Bull

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Die Nerven liegen blank bei Red Bull und im ganzen Fahrerlager von Sotchi. Mit welchem Motor fährt das Ex-Weltmeisterteam 2016? Und fahren Sie überhaupt? Die Meldungen überschlagen sich. Realistisch oder nicht? Egal.

Allein die Auswahl der Nachrichten zeigt deren Unsinnigkeit. Eine Variante: Ferrari hat Red Bull abgesagt, bietet Toro Rosso aber 2015er-Motoren. Oder: Red Bull bettelt nun doch wieder bei Renault um Antriebseinheiten. Noch besser: Christian Horner soll das Team übernehmen und à la Ross Brawn 2009 zu weiteren Erfolgen führen.

Klar ist nur, dass nichts klar ist. Und bei genauer Analyse der verschiedenen Gerüchte weiß man, dass selbst die Protagonisten nichts wissen.

Fakt ist trotzdem: Red Bull befindet sich weiterhin in Verhandlungen mit Ferrari – auf oberster Ebene. Nachdem die Roten zunächst sogar aktuelle Aggregate zugesagt hatten, kam der Rückzieher per SMS nach Japan: „Sorry, aber wir können doch nur 2015er-Motoren bieten“, war da auf dem Handy von Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko zu lesen. Absender: Sergio Marchionne höchstpersönlich. Die Techniker rund um Teamchef Maurizio Arrivabene haben solange Druck gemacht auf den Italo-Kanadier, bis der dem Flehen seiner Truppe nachgab. Das heißt aber nicht, dass Ferrari derzeit gar keine Motoren liefern will. Nur eben keine neuen.

Eine Rückkehr zu Renault ist dagegen mehr als unwahrscheinlich. Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz will konkurrenzfähige Motoren. Deshalb akzeptiert er auch die B-Ware von Ferrari nicht. A-Qualität bekommt er aber nicht von Renault, die selbst mit ihren aktuellen Antrieben hinterherhinken. Das weiß er aus eigener Erfahrung.

Red Bull Racing also schließen und nur mit Toro Rosso und alten Ferrari-Motoren antreten? Für Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost war das ein akzeptables Szenario, das er auch im Fahrerlager von Russland an den Mann und die Frau brachte. Allein: Für Oberboss Mateschitz ist das keine Alternative. Wozu ein Juniorteam finanzieren, wenn die Junioren nur noch für Mercedes oder Ferrari ausgebildet werden? Für den Milliardär ist die Formel 1 eine Marketingübung. Mit Toro Rosso und Ferrari-B-Motoren hinterherzufahren ist da nicht gerade zielführend, wenn Red Bull Racing als A-Team fehlt. Das wurde auch Herrn Tost bereits mitgeteilt.

Nur wenig realistisch ist auch eine Übernahme von Red Bull Racing durch Teamchef Christian Horner. Der Brite könnte das Team zwar für einen symbolischen Euro kaufen. Aber wie will er 300 Millionen Euro auftreiben, um den Rennstall weiter konkurrenzfähig zu halten? Auch diese Variante kann also nicht im Sinne von Mateschitz sein.

Für den Energy-Drink-Boss bleiben zwei Alternativen: Entweder Ferrari-Präsident Sergio Marchionne hat doch noch ein Einsehen mit der Formel 1 oder Red Bull wird den Stecker ziehen. Für die Königsklasse wäre das der Supergau. Denn mit Red Bull Racing würde auch eine der größten Marketingplattformen für die Formel 1 verschwinden. Und der Wettbewerb an der Spitze würde nicht gerade spannender.

Alles liegt jetzt in der Hand von FIAT-Präsident Sergio Marchionne. Er müsste seinen Teamchef Arrivabene zurückpfeifen, der seine Absage mit fehlenden Kapazitäten begründet. „Wenn sie uns im Juni gefragt hätten, hätten wir über eine Belieferung nachdenken können“, erklärt der Teamchef von Sebastian Vettel. „Aber erst nach Monza damit anzukommen, geht nicht.“ Was Arrivabene nicht verrät: Sein Boss hatte Red Bull bereits in Kanada Antriebseinheiten angeboten. Das war im Juni… 


 

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