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Vettel: Ein Selfie für Ferrari

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Es ist schon erstaunlich, wozu Sebastian Vettel bereit ist, um Ferrari zu gefallen. Selfies waren ein absolutes No-Go für den Heppenheimer. Er hasste sie regelrecht. Sie waren für ihn der oberste Abschaum der neuen Medienbewegung. Wichtigtuerisch, nichtssagend, einfach nur dämlich. Frei nach dem Motto: „Niemand fragt, aber Idioten antworten!“ Twitter, Facebook und auch alle anderen neuen Medien kamen für ihn nicht in Frage. Hörte er nur davon, sträubten sich seine Nackenhaare, als hätte er eine Katzenallergie und er müsste gerade in einem Katzenhaus für die Fütterung sorgen. „Das sollen andere machen, nicht ich! Es ist nicht mein Ding!“

Selbst bei einem Abschiedsinterview, das wir mit ihm in Abu Dhabi zusammen mit Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko geführt haben, weigerte er sich, ein Selfie mit dem von ihm sehr geschätzten und sogar verehrten Grazer Ex-Formel-1-Piloten und Le-Mans-Sieger zu machen. „Nein, das verstößt gegen meine obersten Prinzipien“, war seine knappe und endgültige Antwort. Man konnte ihm ansehen: Selbst die Frage hat ihn genervt.

Diese Prinzipien hielten bis in die zweite Januar-Woche. Da konnten wir einen fröhlichen Sebastian Vettel sehen mit Ferrari-Jacke, der stolz ein Foto von sich und Ferrari-Mitarbeitern machte, die im Hintergrund lächelten. Für seinen Besuch in Maranello verstiess er sogar gegen das oberste seiner zehn Gebote. Wer ihn kennt, fragt sich jetzt natürlich: Warum? Die Antwort ist einfach: Für den Erfolg ist ihm jedes Mittel recht, sogar der Verrat an sich selbst. Vettel muss der Meinung sein, dass er alle Mitarbeiter von Ferrari auf seine Seite ziehen muss. Wenn die ein Selfie gut finden, warum also nicht?

 Die Verwandlung zeigt auch, wie Herr V. im Moment tickt und wieviel Druck er verspürt, seit er sich entschieden hat, Ende 2014 Red Bull zu verlassen und bei Ferrari anzuheuern. Es ist mehr als ein Traum, der ihn treibt. Es ist ein Trieb. Vettel, der Triebtäter, der auf den Spuren Michael Schumachers Ferrari wieder auf die Erfolgsspur führen will. Ob er sich dabei aber nicht verspekuliert? Denn Vettel-Insider wie Gerhard Berger sind der Meinung, dass Vettels Stärke gerade bei der Treue zu sich selbst lag. Dass er er eisern seinen ureigenen Weg ging und seinen Prinzipien folgte.

Berger, der bei Vettels erstem Sieg in Monza 2008 als Teilhaber von Toro Rosso mit dem Heppenheimer mit auf dem Podium stand, sagt: „Er war immer er selbst und setzte sogar das oberste Gebot ausser Kraft, dem sogar Ayrton Senna und Michael Schumacher immer folgten: Du musst auf der Piste und in der Firma manchmal ein Drecksack sein und sogar dich selbst verleugnen können. Vettel war sich aber immer selbst treu und hatte trotzdem Erfolg. Er muss bei Ferrari jetzt einen immensen Druck verspüren, dass er jetzt anfängt, Kompromisse einzugehen!“

Der Tiroler glaubt, dass sich Vettel im Moment noch in der Ferrari-Romantik-Phase befände, aber spätestens nach einigen Rennen aus dem Traum erwachen werde. „Das Auto wird nicht besser sein als die vergangenen Jahre. Ich kenne das aus meiner Ferrari-Zeit. Du hast dann als Fahrer das Gefühl, dass das Potential im Team nicht reicht, mit den besten mithalten zu können. In meinem Fall war das McLaren damals, bei Vettel ist es jetzt Mercedes.“

Besonders den Vergleich mit Alonso müsste er sich dann gefallen lassen. Der Spanier, der von 2010 bis 2014 bei Ferrari fuhr, gewann mit unterlegenem Material zwar keinen Titel – aber er wurde zweimal Vizeweltmeister und gewann in seinem ersten Rennen für Ferrari 2010 sogar den GP von Bahrain, damals den Opener der Saison. Berger: „Es gab nur wenig Piloten, die mit unterlegenem Auto solche Leistungen vollbringen konnten. Ein Ayrton Senna, ein Michael Schumacher und ein Fernando Alonso. Das muss Vettel jetzt auch schaffen. Deshalb wird das Fernduell Vettels mit dem zu McLaren-Honda gewechselten Alonso extrem interessant sein zu beobachten. Wenn Alonso bei McLaren-Honda aus irgendwelchen Gründen sogar vor Vettel und Ferrari herfährt, wird es in Italien richtig Druck geben.“

Allein: Es wird ebenso interessant sein zu beobachten, ob die Verwandlung Hernn Vettels eine momentane Phase ist oder ein Dauerzustand.

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