Villeneuve: Alonso fehlte der Respekt

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Ex-Weltmeister und Sohn von Ferrari-Legende Gilles Villeneuve, Jacques, über die Liebe und den Hass der italienischen Ferrari- Fans – und welche Fehler Sebastian Vettel niemals machen darf. Ein Auszug des Interviews aus dem SPORT BILD Sonderheft Formel 1

SPORT BILD: Herr Villeneuve, Sie sind in Maranello aufgewachsen und Sohn der Ferrari-Legende Gilles Villeneuve. Erklären Sie uns doch bitte, was auf Sebastian Vettel jetzt zukommt!
Jacques Villeneuve (44): Wenn Sebastian die Liebe der Italiener gewinnt, werden sie ihn adoptieren. Das geht von heute auf morgen. Und es wird dann ganz Italien sein, das ihm zu Füßen liegt. Das ist ein großartiges Gefühl. Ich glaube sogar, Sebastian wird mit seiner lockeren und humorvollen Art die Tifosi sehr schnell für sich gewinnen. Er kommt als Retter ins Team, als der Messias.

Und als erster Deutscher nach Michael Schumacher …
Er ist der legitime Erbe von Michael. Was den Italienern ganz wichtig ist: Sie wollen, dass sich ein Fahrer für das Team aufopfert. Man gewinnt zusammen und verliert zusammen. Darin ist Sebas­tian eigentlich ziemlich gut.

Fernando Alonso hat das nicht geschafft?
Nein. Alonso haben die Italiener geliebt, aber die Liebe ist sehr schnell gestorben. Weil man sich eben nicht gegen das Team stellen darf. Wenn man 30 Millionen Dollar im Jahr verdient, hat man als Fahrer nicht das Recht, seine Liebe für das Team aufzugeben.

Das hat Alonso vergangenes Jahr getan.
Man stellt sich einfach nicht gegen das eigene Team! Wo bleibt der Respekt? Ich habe nie mein Team kritisiert. Egal, wie schlecht das Auto war. Aber Alonso macht das immer, schon damals bei McLaren war das so. Ich nenne das den Gott-Komplex, wenn du denkst, du stehst über den Dingen. Aber als Vettel letztes Jahr angekündigt hat, Red Bull zu verlassen, hat Alonso plötzlich den Boden unter den Füßen verloren.

Wie kann es Vettel besser gehen als Alonso?
Er ist ganz anders, ein echter Teamplayer. Sebastian hat Red Bull 2014 nicht einmal richtig kritisiert, obwohl er es hätte tun müssen – so schlecht war der Wagen. Sebastian ist mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben. In seiner Einstellung erinnert er an Michael Schumacher: Konzentriere dich aufs Fahren und zeige Respekt gegenüber deinem Team. Mach keine Probleme, wenn keine da sind! Das ist besonders wichtig bei Ferrari, weil der Druck sonst schnell übermächtig wird. In Italien haben sie den Papst, und sie haben Ferrari. Wenn du gegen Ferrari kämpfst, hast du ganz Italien zum Feind.

Wie speziell ist die Atmosphäre in Maranello?
Das kann ich Ihnen gar nicht ­sagen. Ich bin in Maranello von 1977 bis 1982 aufgewachsen. Deshalb ist das Leben dort für mich normal, für Sebastian ist das jetzt einzigartig. Er wird schnell merken: Etwas Größeres, als mit Ferrari Weltmeister zu werden, gibt es nicht.

War es für Sie bei Ihrem Titelgewinn 1997 etwas Besonderes, Ferrari zu besiegen?
Nein. Bei mir ging es nicht um Ferrari. Ich war stolz darauf, mit Michael Schumacher den ultimativen Fahrer besiegt zu haben. Ein WM-Titel gegen Mika Häkkinen hätte mir nicht so viel bedeutet.

Kann Vettel an Schumachers ­Erfolge anknüpfen?
Nein. Die Jean-Todt-Tage sind vorbei. Diese volle Konzentration auf den einen Fahrer, das ist Vergangenheit. Natürlich kann er konkurrenzfähig sein, aber nicht so dominant wie Michael. Das hat aber nichts mit Sebastians Talent zu tun, es liegt nur an den Umständen.

Wann wird Vettel aus Ferrari ein Siegerteam machen?
2015 definitiv noch nicht. Das Team muss sich erst einmal finden. Aber er wird gleich schneller sein als Kimi Räikkönen Das wird den Druck von ihm nehmen.

Das ganze Interview gibt’s im SPORT BILD Sonderheft Motorsport.

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