So wurde Ferrari zum Mercedes-Jäger

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Der Ferrari SF15-T ist mindestens zweite Kraft im Feld. So hat die Scuderia Vettels Eva flott gemacht.

Man hätte es schon Anfang Februar in Jerez wissen müssen. Da hat Sebastian Vettel seinen ehemaligen Red Bull-Kollegen nach seinem ersten Tag im Ferrari verraten, wie zufrieden er mit seinem neuen roten Renner schon sei. Knapp zwei Monate später hat der Heppenheimer seinen ersten Ferrari-Sieg längst in der Tasche. Weil der SF15-T, von Vettel Eva genannt, einen Riesensprung gemacht hat im Vergleich zum Vorjahr. Da war die Scuderia nur vierte Kraft.

Jetzt sind Vettel und Ferrari die ersten Mercedes-Jäger. In Schlagdistanz der Silberpfeile und mit Siegchancen, wenn – wie in Malaysia – der Mercedes mal schwächelt.

Auf einer einzigen schnellen Runde in der Qualifikation ist der Mercedes zwar bis zu einer Sekunde schneller – weil er mehr Anpressdruck hat und die Reifen besser auf Temperatur bringt. Über eine gesamte Renndistanz von 300 Kilometern sieht das anders aus. Je höher die Temperaturen und je größer der Reifenabbau, desto näher ist Ferrari an Mercedes dran. Denn der SF15-T schont die Reifen, hat stabile Abtriebswerte und glänzt durch hohen Topspeed.

Aber woher kommt diese plötzliche Wandlung des roten Renners? F1-insider.com erklärt, was den neuen Ferrari so flott macht!

Erstens: der Antrieb. Der Motor ist stärker, fahrbarer und spritsparender als im Vorjahr. Weil Ferrari den Turbo vergrößert und nach Informationen dieser Website auch dessen Anordnung verändert hat. Die gleicht jetzt angeblich der beim Silberpfeil. Die gesamte Antriebseinheit leistet Schätzungen zufolge schon etwas mehr als 800 PS und ist damit die zweitkräftigste im Feld.

Damit nicht genug. Die Scuderia hat außerdem das Kühlsystem revolutioniert (u.a. mit vergrößerten Kühleinlässen) und mittlerweile das effektivste in der Königsklasse. Folge: Bei hohen Temperaturen müssen weniger Kühlöffnungen in die Außenhaut geschnitten werden. Das hilft der Aerodynamik und verringert den Luftwiderstand.

Noch wichtiger aber für die Fahrbarkeit des SF15-T: Das Ingenieursteam um Technikchef James Allison hat die Vordachse so umgebaut, dass das Auto anders als im Vorjahr präzise einlenkt. Sowohl Sebastian Vettel als auch Kimi Räikkönen brauchen dieses Fahrverhalten, um ihre speziellen Fahrstile durchziehen zu können. Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko: „Unser Auto hat im Vorjahr einfach nicht zu Sebastian gepasst, weil er damit seine kleinen Tricks nicht ausspielen konnte. In diesem Ferrari kommt sein ganz besonderes Können wieder stärker zur Geltung. Verlernt hat er das Fahren aber nie. Das beweist seine Leistung in diesem Jahr.“

Zwei besondere Techniktricks an der Fahrzeugfront: Die Vorderradaufhängung ist ähnlich wie bei Mercedes wie ein Flügelprofil geformt und generiert so zusätzlichen Abtrieb. Außerdem wird die Luft zur Bremsbelüftung anschließend durch die Radmuttern nach außen geleitet und sorgt so für eine bessere Umströmung der Seitenkästen, die nach hinten hin schmaler zulaufen als im Vorjahr. Der Effekt: weniger verwirbelte Luft, saubere Strömung in Richtung Heckflügel, mehr Haftung im Heck. Mit dem Konzept der „durchströmten Achse“ hat Ferrari schon 2014 gearbeitet, aber noch ohne großen Erfolg.

Am Ende von „Evas“ Entwicklung ist Ferrari aber noch lange nicht. Technikchef Allison sagte nach dem Sieg in Malaysia: „Wir haben einige aerodynamische Neuerungen in der Hinterhand und werden die so schnell wie möglich ans Auto bringen. Die Aerodynamik-Regeln sind noch jung, deshalb ist noch viel Potenzial vorhanden.“

 

Auch die Antriebseinheit wird während der Saison weiter verbessert. Dabei hat Ferrari gegenüber Mercedes sogar einen Vorteil. Denn die Scuderia darf noch zehn der sogenannten Token – das sind einzelne Ausbaustufen – verwenden, drei mehr als Mercedes. Allison: „Das klingt nicht viel, ist es aber, denn damit könnte man zum Beispiel die gesamte Verbrennung verbessern, was viel ausmachen kann.“

Fakt ist: Auch wenn die Strecke am kommenden Wochenende in Shanghai den Mercedes dank niedriger Temperaturen entgegenkommen dürfte, holt Ferrari weiter auf. Kimi Räikkönen glaubt sogar, dass die Scuderia auch bei niedrigen Temperaturen dran ist an Mercedes. “Es mag schon stimmen, dass uns die Hitze von Sepang entgegen gekommen ist”, so der Weltmeister von 2007. “Aber die Leute vergessen, dass wir vom Rennverlauf in Australien nicht begünstigt waren. Hätten wir dort hinter den Mercedes freie Fahrt gehabt, wären also nicht aufgehalten worden, dann hätten die Silberpfeile nie einen solchen Vorsprung herausfahren können.”

Räikkönen weiter: “Jede Strecke hat aufgrund ihrer Charakteristik und der äusseren Bedingungen ihre eigenen Gesetze. Aber für mich steht fest, dass wir ein konkurrenzfähiges Auto auch dann haben, wenn es nicht so brütend heiss ist wie in Sepang.”

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