Hamilton Victory Canada 2019
2019 Canadian Grand Prix, Sunday - LAT Images

Rennkommissare klauen Vettel den Sieg

Sebastian Vettel bekommt nach Fahrfehler fünf Strafsekunden, Lewis Hamilton erbt den Sieg. Alle Infos zum Großen Preis von Kanada in Montreal:

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Kanada gewonnen – obwohl Sebastian Vettel die Schwarz-weiß-karierte Flagge als Erster sieht. Der britische Mercedes-Star bekommt den Sieg nach einer Fünf-Sekunden-Strafe für den Deutschen geschenkt. Vettel war nach einem kurzen Ausritt in die Wiese nach Meinung der Rennkommissare „unsicher“ zurück auf die Piste gefahren.

„Nein, nein, nein“, kann Vettel es nach dem Rennen am Funk nicht glauben. „Man muss ein absolut blinder Mann sein, wenn man glaubt, das Auto im Gras kontrollieren zu können“, wettert er gegen die Rennkommissare.

Danach schiebt er seinen Ferrari aus dem Parc Fermée, verweigert die Wiegeprozedur und marschiert mit Helm durchs Fahrerlager in die Ferrari-Hospitality.Vettel on fire! Dann überlegt er es sich doch noch anders, kommt zurück in Richtung Podium. Auf dem Weg dorthin nimmt er Hamiltons Mercedes im Parc Fermée noch das Schild mit der Nummer eins weg. Bei Sky und RTL nennen die Kommentatoren das „disrespektierliches Verhalten“. 

Man kann’s auch anders sehen: Vettel, der zudem auch noch zwei Strafpunkte auf seine Superlizenz aufgebrummt bekommt, hat sich nach einer unfairen Entscheidung einfach nur Luft gemacht. Menschlich reagiert und ganz im Sinne der Fans gehandelt.

Sieger Hamilton sagt zur heiklen Szene: „Ich habe die Kurve normal genommen. Man muss normal zurück auf die Strecke kommen.“

Vettel erklärt später auf dem Podium: „Ich habe das Publikum genossen, wie sie mich unterstützt haben. Lewis war etwas schneller, ich bin vorne geblieben. Man sollte die Leute fragen, wie sie das sehen.“

Der Ferrari-Star nimmt aber auch Hamilton in Schutz, der ausgebuht wird: „Die Leute sollten ihn nicht ausbuhen, sondern diejenigen, die die Entscheidung getroffen haben.“

Mercedes-Sportchef Toto Wolff: „Wenn man zurück auf die Strecke kommt, muss man eine Wagenbreite Platz lassen. Dass diese Strafe polarisiert, verstehe ich auch.“Noch mal Vettel, diesmal am RTL-Mikro:

„In gewisser Weise fühle ich mich als Sieger. Ich bin ja als Erster über die Linie gefahren und das aus gutem Grund. Das war ein kleiner Fehler. Ich hatte das ganze Rennen mit der Hinterachse zu kämpfen. Ich war dann froh, das Auto überhaupt auf der Strecke zu halten. Ich weiß nicht, wofür ich bestraft worden bin. Ich habe niemandem geschadet. Ich verstehe das nicht.”

Ferrari-Pilot Charles Leclerc wird Dritter vor Mercedes-Pilot Valtteri Bottas und Red Bull-Star Max Verstappen.Unruhe gab’s schon vor dem Start: Hektisch arbeitet Mercedes an Lewis Hamiltons Mercedes. Offenbar hat der Silberpfeil Bremsprobleme, nachdem am Vorabend bereits ein Hydraulikleck diagnostiziert wurde.

In der Aufwärmrunde meldet Hamilton Probleme mit dem Anti-Stall-System. Antwort seines Renningenieurs Peter Bonnington: „Du hast kein Problem.“Solider Job der 20 schnellsten Männer im Motorsport am Start: Vettel kommt am besten weg, Hamilton reiht sich von Platz zwei aus vor Leclerc ein. 

Daniel Ricciardo hält sich im Renault wacker auf Rang vier, sein Teamkollege Nico Hülkenberg ist Sechster.Runde neun: Die Mauer in Kurve acht fordert ihr erstes Opfer – Lando Norris. Der parkt seinen McLaren mit losem rechtem Hinterrad im Boxengassen-Ausgang. Ricciardo war zwischenzeitlich schon in der Box.

Der Abstand zwischen Hamilton und Vettel pegelt sich bei zwei Sekunden.Runde 26: Vettel holt sich neue, weiße (harte) Reifen ab und kommt vor Bottas auf Platz drei raus. Hamilton bekommt jetzt das Kommando „Hammer-Time“, beschwert sich aber: „Diese Reifen sind ziemlich durch.“ Eine Runde später, in Runde 28, kommt deshalb auch Hamilton rein. Vettel hat in der Zwischenzeit eine neue schnellste Runde gedreht, hat jetzt vier Sekunden Vorsprung auf Hamilton.

Hamiltons Sieg ist beim Vettel-Wirbel fast NebensacheHamilton macht jetzt Jagd auf Vettel, ist in Runde 37 bis auf zwei Sekunden dran. In Runde 40 ist Hamilton im DRS-Fenster angekommen – und macht Druck.

In Runde 48 hat Vettel in der ersten Schikane Übersteuern, muss über die Wiese – und bleibt trotzdem vor Hamilton. Der beschert sich daraufhin, dass Vettel „unsicher“ auf die Strecke zurückgefahren sei. 

Fakt ist: Vettel hat Hamilton unabsichtlich die Tür zugemacht. Aber: Er blieb auf seiner Linie – und er war klar vorne.

Im Gegenteil: Es war eine Meisterleistung, dass der Deutsche mit losem Heck nicht die Mauer rammte.Der Vorfall wird untersucht – Vettel bekommt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe.

Seine Antwort am Funk: „Ich konnte nirgendwo anders hin und habe ihn auch nicht gesehen. Wer zur Hölle hätte ich hinfahren sollen? Sie stehlen uns das Rennen.“ Vettel regt sich so sehr auf, dass er gleich sieben Zehntelsekunden verliert. Hamilton hat jetzt einen leichten Job: einfach nur dranbleiben.

RTL-Experte Christian Danner: „Seb hätte sich das alles ersparen können, wenn er den Fehler nicht gemacht hätte.“ Später bringt RTL-Moderator Florian König ihn dazu doch noch zu sagen: “Eine Verwarnung hätte auch gereicht.”

Bottas und Verstappen haben sich zwischenzeitlich übrigens an Ricciardo vorbei gekämpft, der sich tapfer gewehrt hat. Bottas ist jetzt Vierter, Verstappen Fünfter. Nico Hülkenberg wird Siebter.Vettel fährt als Erster über die Ziellinie. Den Sieg holt Hamilton.

Großer Preis von Kanada, 9.6.2019:
1. Lewis Hamilton – Mercedes 1:29:07,084 Stunden
2. Sebastian Vettel – Ferrari +3,658 Sekunden
3. Charles Leclerc – Ferrari+4,696
4. Valtteri Bottas – Mercedes +51,043
5. Max Verstappen – Red Bull +57,655
6. Daniel Ricciardo – Renault +1 Runde
7. Nico Hülkenberg – Renault +1 Rd.
8. Pierre Gasly – Red Bull +1 Rd.
9. Lance Stroll – Racing Point +1 Rd.
10. Daniil Kwjat – Toro Rosso +1 Rd.
11. Carlos Sainz Jr. – McLaren +1 Rd.
12. Sergio Perez – Racing Point +1 Rd.
13. Antonio Giovinazzi – Alfa Romeo +1 Rd.
14. Romain Grosjean – Haas +1 Rd.
15. Kimi Räikkönen – Alfa Romeo +1 Rd.
16. George Russell – Williams +2 Rd.
17. Kevin Magnussen – Haas +2 Rd.
18. Robert Kubica – Williams +3 Rd.

Ausgeschieden: Alexander Albon – Toro Rosso, Lando Norris – McLaren

Credit: Ferrari

Samstag: Ferrari-Poleposition

Sebastian Vettel stellt seinen Ferrari in Kanada auf Startplatz eins. Daniel Ricciardo sorgt für Überraschung, Ernüchterung bei Max Verstappen.

Die 221. Ferrari-Poleposition fühlte sich für Sebastian Vettel an wie ein Sieg… Am Funk jubelte und sang der Deutsche wie lange nicht, als er als Letzter der Top-Stars mit der schnellsten Zeit und neuem Rundenrekord auf dem Circuit Gilles Villeneuve über die Ziellinie fuhr.

„Ich bin voller Adrenalin“, verriet der Heppenheimer nach der 56. Pole seiner F1-Karriere, der ersten für ihn seit Hockenheim 2018. „Dieses Gefühl im Auto, das war eine dieser besonderen Runden. Ich bin besonders happy fürs Team, denn die letzten Wochen haben nicht so viel Spaß gemacht. Das Auto war heute auch deutlich besser als gestern.

“Vettel verwies Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und seinen eigenen Teamkollegen Charles Leclerc auf die Plätze. Hamilton hatte am Ende zwei, Leclerc sechs Zehntel Rückstand. Der Monegasse erklärt die große Lücke zu Vettel so: „Ich hatte etwas Probleme mit dem Auto, bin beim Set-Up in die falsche Richtung. Gratulation aber an Seb, er hat die Pole heute absolut verdient.“

Ferrari
Jubel bei Ferrari: Vettel holt die Pole in Montreal. Credit: Ferrari

Hamilton resümiert beim Blick auf Vettel und Ferrari: „Die waren einfach schneller, das waren vier bis fünf Zehntel auf den Geraden. Ich habe jedenfalls alles gegeben.“

Sein Teamchef Toto Wolff ergänzt: „Die Pole ist verdient. Sebastian hat eine wirklich gute Runde hingelegt. Lewis hat einen Fehler in der Spitzkehre gemacht, da hat er die Pole verloren. Unsere Longruns waren aber wirklich gut und bei den Roten sind ein wenig die Reifen eingeknickt.“

Überraschend schaffte es Renault-Pilot Daniel Ricciardo auf Rang vier vor Red Bulls Pierre Gasly.Mercedes-Pilot Valtteri Bottas wurde nur Sechster. In seinem ersten Run hat er kurz die Kontrolle über seinen Silberpfeil verloren und rutschte quer über die Strecke, konnte einen Crash aber verhindern.Max Verstappen startet dagegen nur von Platz elf.

Pech für den Holländer: Er fuhr in Q2 zunächst wie die Ferrari und Mercedes auf härteren gelben Reifen, schaffte aber keine akzeptable Rundenzeit. Als er zum Schluss doch noch weiche, rote Reifen aufzog, machte ihm Kevin Magnussen einen Strich durch die Rechnung.

Qualifying, 8.6.2019:
1. Sebastian Vettel – Ferrari  1:10,240
2. Lewis Hamilton – Mercedes +0,206
3. Charles Leclerc – Ferrari +0,680
4. Daniel Ricciardo – Renault +0,831
5. Pierre Gasly – Red Bull +0,839
6. Valtteri Bottas – Mercedes +0,861
7. Nico Hülkenberg – Renault +1,084
8. Lando Norris – McLaren +1,623
9. Carlos Sainz Jr. – McLaren +3,741
11. Max Verstappen – Red Bull 1:11,800
12. Daniil Kwjat – Toro Rosso +0,121
13. Antonio Giovinazzi – Alfa Romeo +0,336
14. Alexander Albon – Toro Rosso +0,393
15. Romain Grosjean – Haas +8,397
16. Sergio Perez – Racing Point 1:12,197
17. Kimi Räikkönen – Afa Romeo +0,033
18. Lance Stroll – Racing Point +0,069
19. George Russell – Williams +1,420
20. Robert Kubica – Williams +2,196

3. Freies Training, 8.6.2019:
1 . Sebastian Vettel  – Ferrari  1:10,843
2. Charles Leclerc – Ferrari +0,139
3. Lewis Hamilton – Mercedes +0,393
4. Valtteri Bottas – Mercedes +0,688
5. Max Verstappen – Red Bull +0,999
6. Pierre Gasly – Red Bull +1,071
7. Daniel Ricciardo – Renault +1,202
8. Lando Norris – McLaren +1,311
9. Sergio Perez – Racing Point +1,332
10. Daniil Kwjat – Toro Rosso +1,455
11. Nico Hülkenberg – Renault +1,462
12. Kevin Magnussen – Haas +1,494
13. Carlos Sainz Jr. – McLaren +1,556
14. Alexander Albon – Toro Rosso +1,580
15. Antonio Giovinazzi – Alfa Romeo +1,784
16. Kimi Räikkönen – Alfa Romeo +1,865
17. Romain Grosjean – Haas +2,354
18. George Russell – Williams +3,123
19. Robert Kubica – Williams +3,583
20. Lance Stroll – Racing Point (keine Zeit)

Freitag: Freies Training

Hoffnungsschimmer für Ferrari? Im zweiten Training zum Großen Preis von Kanada schafften es die beiden roten Renner von Sebastian Vettel und Charles Leclerc auf die ersten beiden Plätze. Leclerc umrundete den Kurs während seiner Qualifying-Simulation mit weichen Reifen in 1:12.177 Minuten. Vettel fehlten 74 Tausendstelsekunden. 

Dritter wurde Valtteri Bottas mit nur 0,134 Sekunden Rückstand. Lewis Hamilton konnte in den Kampf um die Bestzeit nicht eingreifen. Dem Weltmeister ging in Kurve neun die Straße aus, er touchierte mit dem rechten Hinterrad hart die Mauer. Die Folge: Felge, Reifen und Unterboden defekt. 

Allein: Die Experten lassen sich von den schnellsten Rundenzeiten nicht blenden. Auf den Longruns fehlte Ferrari auf Mercedes fast eine Sekunde. So wie schon am Morgen. Das erste Freie Training in Kanada war für alle ernüchternd, die noch das Fünkchen Hoffnung bei der Spannungsfrage in dieser Saison versprühten.

Grund: Fast eine Sekunde schneller war Mercedes-Superstar Hamilton da als die vermeintlichen Herausforderer Ferrari und Red Bull. Nur Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas war einigermaßen auf Augenhöhe mit dem Briten.  

Mercedes überlegener als je zuvor
Das erste Freie Training in Kanada war für alle ernüchternd. Credit: Ferrari

Fest steht jetzt schon: Die zweite von insgesamt pro Saison erlaubten drei Motorstufen, die Mercedes planmäßig beim siebten Rennen Montreal präsentierte (Ferrari brachte sie schon im fünften Rennen in Barcelona), hat den Silberpfeil noch mal zwei Zehntelsekunden schneller gemacht.

Der kanadische Lokalmatador Jacques Villeneuve scheint recht zu haben. Kurz vor dem Rennen in Montreal unkte der Weltmeister von 1997 düster prophezeiend: “Solange mit diesen Hybridmotoren gefahren wird, ist Mercedes nicht zu schlagen. Zu groß sind der Wissensvorsprung und die Ressourcen, die der Konzern auf diesem Gebiet hat.”

Immerhin: Spannung bietet das Ferrari-interne Duell und wie  Vettel den aufständischen und gerade von der italienischen Presse so hoch in den Himmel gehobenen Leclerc in die Schranken weisen kann. Der zehn Jahre ältere Vettel bekommt zumindest Unterstützung von der älteren Formel-1-Generation.

Doppelweltmeister Mika Häkkinen (1998, 1999) ist der Hype um den Monegassen noch deutlich zu früh. “Leclerc muss noch einiges leisten, um einem Level mit Vettel zu sein”, warnt der Finne vor zu großer Anfangseuphorie.

*Dieser Artikel ist als Erstes in AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) erschienen.

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