2019 Bahrain Grand Prix, Sunday - Wolfgang Wilhelm
2019 Bahrain Grand Prix, Sunday - Wolfgang Wilhelm

Die Silberpfeile feiern im zweiten Rennen den zweiten Doppelsieg. Hamilton und Bottas können ihr Glück kaum fassen, leiden aber auch mit Leclerc.

Ein leichtes Grinsen kann sich Mercedes-Boss Toto Wolff in der Silberpfeil-Box nicht verkneifen, als erst Lewis Hamilton und anschließend Valtteri Bottas den waidwunden Ferrari von Bahrain-Dominator Charles Leclerc überholen und damit den nächsten Mercedes-Doppelsieg klarmachen. Doch auch Wolff ist am Sonntag nach dem Rennen bewusst: „Charles hatte heute sehr großes Pech. Er war der schnellste Mann und hätte den Sieg verdient gehabt.“

Sieger Hamilton räumt sogar ein, dass sich sein Überholmanöver zur Führung gegen Leclerc „komisch“ angefühlt hat. „Ich habe beim Vorbeifahren sogar meine Hand für ihn gehoben, aber ich konnte nichts machen. Wir hatten halt keine Probleme.“

Sorgen macht sich Mercedes trotzdem. Denn als Leclerc mit defektem Zylinder rund 125 PS verliert und langsamer wird, hat er schon 10,8 Sekunden Vorsprung auf Hamilton, der seinen Erfolg als “Sieg der Zuverlässigkeit” bezeichnet. Der Brite: „Da liegt viel Arbeit vor uns, wenn wir gegen diese Jungs bestehen wollen.“

Hamilton

Großer Jubel bei Mercedes: Wieder ein Doppelsieg. Credit: Mercedes

Was Hamilton meint, konkretisiert Teamchef Toto Wolff in seiner Presserunde nach dem Rennen. Wie im Qualifying gewinnt Ferrari auch im Rennen auf den Geraden vier Zehntelsekunden. „Da kann kein niemand mithalten“, warnt der Österreicher: „Unter diesen Umständen war es schwer gegen zu halten.“ 

Ferraris Argument, dass die Silberpfeile mit mehr Abtrieb unterwegs waren, lässt Wolff nicht gelten. „Ferrari gewinnt die Zeit auf Geraden – mit und ohne DRS. Es hat also nichts mit dem Luftwiderstand zu tun.“ Der Mercedes-Boss wundert sich: „Bei den Testfahrten waren wir in Sachen Power gleichauf. In Melbourne waren wir leicht vorn. Jetzt war Ferrari klar überlegen. Der Ausreißer war Melbourne. Da muss bei ihnen etwas dramatisch schief gelaufen sein.“ Der letzte Teil dieser Aussage stimmt. Doch ABMS und F1 Insider erfuhr schon bei den Tests in Barcelona, wie gut Ferraris Antrieb ist.

Wolffs Worte erinnern an den Beginn letzten Jahres. Da klagte Mercedes auch über mehr Ferrari-Power auf der Geraden. Verschwörungstheoretiker warfen den Roten sogar Betrug vor. Wolff sieht aber einen Unterschied zu 2018: „Letztes Jahr haben sie uns die Zeit am Anfang der Gerade abgenommen. Beim Topspeed waren wir wieder dran. Jetzt sind sie überall schneller. Sie schlagen uns zu Beginn der Gerade mit mehr Power und in der zweiten Hälfte, weil sie die MGU-K nicht so früh abschalten wie wir. Unsere Geschwindigkeitskurve flacht nach hinten ab. Die von Ferrari steigt weiter an.“

Sorgen macht sich der Wiener, dass es schwer wird Ferraris PS-Vorteil zu knacken. Wolff: „Egal ob Chassis oder Motor: Auf unserem Niveau legst du nur in kleinen Schritten zu. Deshalb wird es schwer, einen so riesigen Rückstand zu egalisieren.“ Vorsicht, Mercedes: Beim nächsten Rennen in Shanghai sind die Geraden noch länger… Und irgendwann geht auch mal das Glück aus.

*Dieser Artikel ist als Erstes in AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) erschienen.

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