Seb 5 Canada 2019

Die Strafe gegen Sebastian Vettel spaltet die F1, genauso wie sein Verhalten danach – doch von genau diesen Emotionen lebt der Sport. Ein Kommentar von Bianca Garloff:

Ein Fahrer wütet im Parc Fermée, platziert wider aller Regeln Schilder vorm Siegerauto um, missachtet das Podiumszeremoniell – und wird danach als “Legende” in den sozialen Medien und auch von (ehemaligen) Kollegen gefeiert.

Sebastian Vettel wie er leibt und lebt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Ein Emotionsvulkan, an dem man sich reiben kann. Ich habe das schon nach seiner Pöbelei gegen Charlie Whiting in Mexiko 2016 und auch nach seinem Rempler gegen Lewis Hamilton in Baku 2017 geschrieben: Ich finde das gut!

Kritiker sagen: Vettel wird damit seiner Aufgabe als Vorbild nicht gerecht. Ich meine doch. Denn Vorbilder sind genau die, die zu dem stehen, was sie denken. Vettel fühlt sich verarscht, also zeigt er das auch.

Bedient: Vettel versteckt die Emotionen in der PK nichtDer deutsche Vierfach-Weltmeister ist echt. Kein Schauspieler. Niemand, der gekünstelt alle Folgen seines Handelns genau überdenkt. Vettel ist ein Held der alten Schule.

Und deshalb ist der Warnschuss, den der Heppenheimer in der Pressekonferenz absetzte, umso gefährlicher: “Unterm Strich ist das nicht der Sport, in den ich mich einst verliebt habe, als ich noch Zuschauer war”, sagte er da.Damit meinte der Hesse weniger die Maulkörbe der meisten Piloten und Offiziellen.

Der Heppenheimer sprach vor allem übers Racing. Über das, was ihm kurz zuvor eine Strafe eingebracht hat, die ihm später den wohlverdienten Sieg raubte. Seine Kritik: Die Formel 1 ist nicht nur neben, sondern auch auf der Strecke politisch korrekt geworden. Vom einst so faszinierenden Sport keine Spur mehr.

Und er hat recht damit! Die Macher der Königsklasse propagieren ständig, dass sie sich nach den Fans richten. Dabei schreckt das Schiedsgericht von Montreal die Zuschauer nur noch mehr ab.

Wo hätte Vettel nach seinem Ausritt in die Wiese denn hin sollen? Das ist nur ein Aspekt der Diskussion. Viel schlimmer: Vettel und Hamilton befanden sich im Duell um den Sieg. Offensichtlich war der Fehler des Heppenheimers ja nicht gravierend genug, damit der Brite ihn hätte ausnutzen können.

Im Sinne der Rennkommissare hätte Vettel deshalb den Blinker setzen und seinen Dauerrivalen einfach vorbei winken sollen!Ich sage dazu: NEIN. Wenn solche Strafen Schule machen, killt die Formel 1 ihre Helden – und damit sich selbst. Deshalb ist die Berufungsverhandlung für mich nicht nur etwas fürs Herz der Tifosi.

Sie muss die Richtung vorgeben, in die sich die Formel 1 entwickeln soll. Die Serie hat jetzt die einmalige Chance, ihren Ruf als Königsklasse des Motorsports zu manifestieren – oder sich noch weiter von den Fans zu entfernen.

*Dieser Artikel ist als Erstes in AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) erschienen.

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