Red Bull in Bahrain. Copyright: Red Bull
Red Bull in Bahrain. Copyright: Red Bull

Platz vier in der Konstrukteurs-WM hört sich noch nicht ganz so schlimm an. 136 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Mercedes können aber nicht verbergen, dass Red Bull ein mächtiges Problem hat. Die Weltmeister von 2010 bis 2013 erinnern an das Benetton-Team aus dem Jahr 1996, als Michael Schumacher die junge Mannschaft nach zwei WM-Titeln in Folge in Richtung Ferrari verließ.

Fehlt Red Bull jetzt etwa Sebastian Vettel?

„Bei der Auto­entwicklung vielleicht“, stellt Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT fest. „Zum Beispiel sind wir in dieser Saison wieder zu dem Bremsenhersteller zurückgewechselt, den er immer haben wollte (Brembo statt Hitco; d. Red.). Aber bei dem Motorproblem, das wir haben, wäre auch er machtlos gewesen. Wir drehen uns im Kreis und können selbst nichts dagegen tun. Denn ich bin überzeugt, dass unsere Autos gut sind.“

Für Red-Bull-Verhältnisse liest sich die WM-Tabelle nach vier Rennen wie eine Bankrott­erklärung: In der Fahrerwertung liegt Daniel Ricciardo (25) mit 19 Punkten auf Platz sieben, Teamkollege Daniil Kvyat (21) mit vier Zählern gar nur auf Platz 15. Schlimmer noch: Kvyat hat schon drei Renault-Motoren genutzt. Ricciardo fährt beim nächsten Rennen in Barcelona (10. 5.) nach einem Platzer auf der Zielgeraden von Bahrain bereits mit seinem vierten Aggregat. Beim nächsten Wechsel muss er zehn Startplätze zurück.

Dazu kommt: In Bahrain, so berechneten Red-Bull-Techniker, fehlten Renault auf Mercedes 100 PS. Aus Angst vor weiteren Motorschäden hatten die Franzosen die Leistung ihres V6-Hybrids herunter gedreht. Verbesserungen sind kaum in Sicht. Wenn überhaupt kommen die von Red-Bull-Berater Mario Illien (65). Red Bull hat den Ex-Motorenchef von Mercedes Ende 2014 zur Unterstützung an Renault vermittelt. Der Schweizer überarbeitet den Motor besonders im Bereich der Zylinderköpfe. Die Franzosen, intern nicht von dieser Hilfe begeistert, machten mit einer eigenen Spezialeinheit das Gleiche: In der 21. Kalenderwoche gibt es deshalb auf dem Prüfstand einen Vergleichstest. Dann soll das bessere System ab Jahresmitte verwendet werden.

Allein: Ex-Formel-1-Star Gerhard Berger (55) schüttelt nur noch den Kopf, wenn die Sprache auf Renault kommt. „Mich wundert das überhaupt nicht. Sie haben eine veraltete Fabrik. Mercedes hat dreimal so viele Techniker und investiert mindestens dreimal so viel Geld in die Motorenabteilung. Renault fährt hoffnungslos hinterher.“

Auch politisch steckt Red Bull in der Sackgasse. Mercedes und Ferrari weigern sich Red Bull zu beliefern. Falls Renault das Entwicklungsbudget nicht drastisch erhöht oder ganz im Gegenteil sogar aus der Königsklasse aussteigt – die Gefahr besteht, weil der französische Staat wieder mehr Einfluss nehmen will – bleibt Red Bull keine Wahl. „Dann müssen wir aussteigen und Renault verklagen,“ sagt Marko. 

Immerhin: „Sebastian ist nicht schadenfroh, was gerade bei uns passiert”, verrät Marko, “sondern einfach nur glücklich, dass er mit Ferrari Erfolg hat.

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