Daniel Ricciardo beim Test im Red Bull. Copyright: Red Bull Facebook
Daniel Ricciardo beim Test im Red Bull. Copyright: Red Bull Facebook

Red Bull-Star Daniel Ricciardo im Exklusivinterview. Der Australier spricht über Sebastian Vettel und den Druck der Erfahrene zu sein. Das Original zur Kolumne im SPORT BILD Sonderheft Motorsport.

Herr Ricciardo, hat Ferrari schon „Mille Grazie“ zu ihnen gesagt, weil Sie Sebastian Vettel von Red Bull in die Arme der Scuderia getrieben haben?
Daniel Ricciardo: Ja, sich haben mir einen Unterschriftsbonus gegeben (lacht). Ich habe Sebs Unterschriftsbonus bekommen. (lacht)

Im Ernst: Fühlen Sie sich ein wenig schuldig, dass Sebastian geht. Ihre tolle Leistung in diesem Jahr ist wahrscheinlich ein Grund dafür.
Nein. So weit würde ich nicht gehen, dass ich mich schuldig fühle. Ja, unser Teamduell hat Sebastian die Entscheidung sicher nicht schwerer gemacht. Er hatte nicht das Jahr, das er sich gewünscht hat. Man darf aber auch nicht den Blick für die Realität verlieren. Er hat vier WM-Titel mit Red Bull gewonnen. Ist ein Fünfter mit Red Bull genauso befriedigend wie einer mit einem neuen Team? Ich weiß, wie groß seine Leidenschaft für Ferrari ist. Auch im Bezug auf die Serienautos. Er ist ein Fan der Marke und der Produkte. Deshalb musste es irgendwann so kommen.

Sie kamen als der Neue zu Red Bull, holten trotzdem drei Siege. Vettel keinen. War es ein Vorteil für Sie, dass Sie im Gegensatz zu ihm nichts zu Verlieren hatten?
Ja. Natürlich lastete mehr Druck auf Sebs Schultern. Selbst wenn vom Auto erwartet wurde zu gewinnen, dann galt das noch lange nicht für mich. Sondern eher für Seb. Es war einfacher für mich hier herzukommen und mein Ding zu machen.

Die Red Bull-Stars Ricciardo und Kvyat. Copyright: Red Bull Facebook
Die Red Bull-Stars Ricciardo und Kvyat. Copyright: Red Bull Facebook

Angeblich haperte es bei Vettel auch an der Motivation. Sie dagegen strotzten nur so vor Energie.
2013 wusste ich, dass ich nicht siegen kann. In einem Auto wie dem Red Bull ist es deshalb viel einfacher sich zu motivieren. Und ja, das ändert viel. Es ist nicht so, dass ich ins Auto stieg und nur 95 Prozent fuhr. Aber der Hunger war jetzt größer. Selbst wenn man sich etwas müde fühlt, ist es einfacher sich nicht müde zu fühlen.

Bei Vettel war das genau umgekehrt. Trotzdem wirkte die Atmosphäre zwischen Ihnen beiden nie vergiftet. Haben Sie erwartet, dass Sebastian sie immer noch anlacht, wenn Sie ihn schlagen?
Wenn ich ehrlich bin, hat er mich in dieser Sache überrascht. Er hat sich wirklich ehrlich für mich gefreut. Ich erinnere mich auch an Kanada, als er mich fest umarmte. Da hat er wirklich Größe gezeigt. Denn natürlich ist es nicht schön, wenn dein Teamkollege gewinnt. Das ist der erste, den du schlagen willst. Er ist damit sehr gut umgegangen. Das kann nicht jeder.

Was hat Sie sonst noch an Vettel überrascht?
In den Vorjahren wirkte er aufgrund seiner Seriensiege manchmal wie eine Siegmaschine. Aber dieses Jahr hat gezeigt, dass er auch nur ein Mensch ist. Deshalb respektiere ich ihn umso mehr, weil es zeigt, dass die Erfolge aus den Vorjahren nicht selbstverständlich waren.

Was haben Sie von ihm gelernt?
Viel über die Art und Weise, wie er mit den Ingenieuren spricht. Und wie er Leute um sich herum scharrt. Er war hart, aber immer fair. In diesem Sport darfst du kein Weichei sein. Aber solange du ein bisschen Respekt zeigst, hören die Leute auf dich. Das wird ihm auch bei Ferrari helfen.

Jetzt sind Sie der erfahrene Pilot im Team. Steigt der Druck dann auch für Sie?
Ich denke nicht. Druck ist das, was man selbst daraus macht. Und ich war auch schon in Hochdrucksituationen. Klar ist es mit Daniil eine neue Herausforderung. Die Leute erwarten dann von mir, dass ich schneller bin. Aber es wird an mir liegen, dass ich es auch wirklich sein werde.

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