Darum geht Hamilton zu Ferrari

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Hamilton and Ferrari
Credit: Mercedes & Ferrari

Formel-1-Reporter Ralf Bach erklärt in seiner Kolumne, warum ein Wechsel des Briten zu Ferrari Sinn machen würde

Noch ist es gegenseitiges Flirten, doch das Aufgebot für die Megahochzeit ist schon fast bestellt. Ich habe kaum Zweifel, dass es die Traumhochzeit zwischen Lewis Hamilton und Ferrari 2021 geben wird. 

Dafür muss man die Mechanismen der Formel 1 kennen. Die Kernfrage: Was wird wie gesagt? Und fällt auf: Sowohl Ferrari-Teamchef Mattia Binotto als auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Lewis Hamilton selbst schließen einen Wechsel nicht mehr aus. 

Das heißt eine Menge, wenn man die Sprachregelungen sieht, die noch vor einem halben Jahr getroffen worden. Damals sagte Binotto: “Kein Thema.” Jetzt sagt er: “Es ist gut zu wissen, dass ein so außergewöhnlicher Fahrer auf dem Markt ist. Aber wir werden erst im Sommer nächsten Jahres über 2021 nachdenken.”

Credit: Mercedes

Warum er das sagt, ist klar: Sein oberster Chef John Elkann hat sich schon mit Hamilton getroffen. Er gilt als Fan des Briten und will ihn unbedingt bei Ferrari haben. Auch, weil er sich dann die Verpflichtung des Megastars an die Fahnen seiner Regentschaft bei Ferrari und Fiat heften kann.

Auch Toto Wolff schließt einen Wechsel nicht mehr aus. Mehr noch: Er gibt sogar Gründe dafür. Ferrari, untertrieben gesagt, sei eine Marke, die immer reizt. Bei 25 Prozent sieht er die Wahrscheinlichkeit, dass Hamilton wechselt. Die Zahl ist Blödsinn. In der Formel 1 gibt es bei solchen Dingen nur kategorisch null, wenn etwas wirklich nicht zutrifft. Alles andere ist dann eher wahrscheinlich.

Hamilton selbst redet ebenfalls offen wie nie. Sein Treffen mit Elkann bestätigt er auf seine Weise. Das sei privat. Heißt: Ja, es stimmt. Er verteidigt seine Gedanken über den Reiz, den Ferrari bei ihm ausübt, in dem er in der FIA-Pressekonferenz ungefragt ein Geheimnis über Toto Wolff ausplaudert. Der hätte ja auch Optionen, was seine Zukunft betrifft. 

Es stimmt: Wolff hat anscheinend noch keinen Vertrag für 2020. Und der Wiener, der sich selbst ja mehr als Geschäftsmann denn als Racer bezeichnet, weiß genau: Er kann bei Mercedes eigentlich nur noch verlieren. Die rosa Zeiten sind mit dem Machtwechsel bei Mercedes für Wolff vorbei. Ex-Chef Dieter Zetsche fraß ihm und dem im Mai verstorbenen F1-Aufsichtsratschef Niki Lauda aus der Hand. Mit Ola Källenius an der Spitze weht ein anderer Wind.

Der Schwede ist Fachmann, seit er einst die Motorschmiede in Brixworth leitete. Trotzdem ist er nicht unbedingt Fan der Königsklasse. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass er Ende 2020 das Team verkauft und nur noch Motoren liefert, um trotz Werbewirksamkeit das nötige Geld zu sparen, das Mercedes in diesen Tagen dringend braucht. Kann gut sein, dass Hamilton diese Gedankenspiele auch schon kennt.

Das beste Argument aber ist ein anderes: Wer Hamilton kennt, weiß: Seit er in seiner Kindheit in Stevenage wegen seiner Hautfarbe gemobbt wurde, hat er das Bedürfnis, der ganzen Welt zu zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Ein WM-Titel mit Ferrari würde ihn endgültig zum besten Formel-1-Fahrer der Geschichte machen. Und er könnte auch ein wenig an Ayrton Senna zurückzahlen – sein Idol, dem er seine Inspiration verdankt. Hamilton weiß, dass der Brasilianer seine Karriere bei Ferrari beenden wollte. Sein Tod verhinderte das.

All das bedeutet aber auch: Sebastian Vettel muss jetzt schleunigst an seine eigene Karriereplanung denken. Alles, was gesagt wurde, geht ganz klar in diese eine Richtung: Der Deutsche spielt ab 2021 bei Ferrari keine Rolle mehr. Das sollte ihm bewusst sein.  

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