Hamilton wäre verrückt aufzuhören!

0
Lewis Hamilton Credit: LAT/Mercedes
Lewis Hamilton Credit: LAT/Mercedes

Mercedes hat sich in der Formel 1 gestern selbst ein Denkmal gesetzt. Sieben auf einen Streich, sieben WM-Titel in Folge. Das hat kein Team in der Geschichte der Königsklasse je geschafft. Wer dachte, dass Michael Schumacher und Ferrari die Latte mit sechs Konstrukteurs-Weltmeisterschaften von 1999 bis 2004 zu hoch gelegt haben, wurde eines besseren belehrt. 2014. 2015. 2016. 2017. 2018. 2019. 2020. Jedes Mal wurde (wird) ein Mercedes-Fahrer Weltmeister. Und jedes Mal holte das Silberpfeil-Team auch den Team-Pokal.

MEHR LESEN: Mercedes zum siebten Mal Weltmeister

Und doch war die größte Meldung am Sonntag nach dem Großen Preis der Emilia Romagna Lewis Hamiltons Gedanke an ein Karriereende noch in diesem Jahr. Dabei hatte der britische Bald-Rekordweltmeister lediglich auf die Frage nach der Zukunft von Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit der Feststellung gekontert: „Ich weiß nicht mal, ob ich noch dabei bin im nächsten Jahr, also mache ich mir darüber gerade keine Gedanken.“

Mit seiner ehrlichen Aussage löste Hamilton eine mediale Kettenreaktion aus, die die eigentliche Team-Leistung des Tages viel zu sehr in den Schatten stellte. Denn erstens ist seine Antwort nur logisch. Der sechsmalige Weltmeister hat noch keinen Vertrag für 2021, also weiß er auch nicht, ob er nächstes Jahr noch fährt. Und zweitens: Lewis wäre verrückt nicht weiterzumachen!

Lewis Hamilton Credit: LAT/Mercedes
Credit: LAT/Mercedes

Der Engländer wird 2021 mit hoher Sicherheit seinen siebten WM-Titel einfahren und mit Rekordchampion Michael Schumacher gleichziehen. Danach lockt der achte WM-Pott – und der ist schon länger Hamiltons Ziel. Ich weiß das, denn spontane Reaktionen sind die ehrlichsten. Und in einem Interview, das ich 2015 mit ihm ohne Worte nur mit Mimik und Gestik führte, „antwortete“ Lewis auf meine Frage nach seinem Endziel mit acht Fingern. Alles klar?

2021 ist das ein mehr als realistisches Ziel. Denn trotz sieben glorreicher Jahre und eines Teamchefs, dessen Zukunft genauso unsicher ist wie die seines Starpiloten, befindet sich die Mannschaft von Mercedes AMG F1 auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Und die Kurve flacht längst nicht ab.

Der schwarze Silberpfeil fährt überlegen wie selten. Der Hybridantrieb bleibt der mit Abstand beste seiner Klasse. Und das Team lehnt sich trotz des Erfolgs nicht zurück. Der Beweis: Im Moment des größten Triumphs denkt Wolff vor laufenden Kameras schon ans nächste Rennen in der Türkei. Das ist das Holz, aus dem die Mercedes-Dominanz geschnitzt ist. Und das ist der Grund, warum kein anderes Team gegen die deutsch-englische Mega-Kombination eine Chance hat.

Das dürfte auch 2021 so sein. Die Regeln bleiben gleich, die Möglichkeiten der Weiterentwicklung beschränkt, die Mercedes-Fehlerquote dank einer Kultur der „Tough love“ gering. Während anderswo ein Klima der Angst herrscht, arbeitet man in Brackley höchstprofessionell mit Methoden des Flugzeugbaus, wo jeder noch so kleine Defekt bedingungslos aufgeklärt werden muss.

Toto Wolff hat  gemeinsam mit Niki Lauda auf Basis dessen, was Ross Brawn und Michael Schumacher ihm übergeben haben, ein Superteam geformt. Wo ein Rädchen ins andere greift. Und wo das Uhrwerk auch dann nicht haken wird, wenn sich der Wiener aus dem aktiven Geschäft als CEO zurückziehen und in ein Aufsichtsgremium aufsteigen sollte.

Das weiß natürlich auch Hamilton. Wenn der Brite seine Zukunft also infrage stellt, spielt er eher Verhandlungs-Doppelpass mit Toto Wolff, als dass er ehrlich über ein vorzeitiges Karriereende nachdenkt. Es heißt: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Für Hamilton dürfte dieser Moment erst dann erreicht sein, wenn er den achten Titel in der Tasche hat.

Von Bianca Garloff

Folgt uns auf Twitter!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here