Sebastian Vettel rudert im Kampf gegen Charles Leclerc zurück, räumt Ungehorsam ein. Für F1-Reporter Ralf Bach der falsche Weg – ein Kommentar.

“Ein Rennfahrer braucht dicke Eier”, antwortet Sebastian Vettel (32) immer wieder derb aber ehrlich auf die Frage, was einen Rennfahrer zum Champion macht. Nach den Interviews vorm Japan GP in Suzuka muss man sich aber leider fragen: Hat er die Körperteile noch, die ihm so wichtig sind? Oder hat Ferrari sie ihm nach den Ereignissen von Sotschi und den anschließenden Gesprächen genommen?

Hat Ferrari unseren viermaligen Weltmeister enteiert und seine Kronjuwelen dem aufsässigen Teamkollegen und von den Italienern so verhätschelten kleinen Prinzen Charles Leclerc auf einem Silbertablett serviert?

Man muss es fast glauben. Denn die Aussagen Vettels in Suzuka deuten darauf hin. Plötzlich tut es ihm leid, dass er sich in Sotschi weigerte, die Führungsposition an Leclerc zurückzugeben. Die Position also, die er sich im Training erarbeitete, weil er das Auto nicht für einen Quickie für eine schnelle Runde abstimmte, sondern für eine ganze Renndistanz. Und die er sich deshalb und wegen eines Bilderbuch-Starts auch verdient hat.

Vettel

Das Stallduell bei Ferrari zeigt seine Spuren bei VettelPlötzlich gibt er Ungehorsam zu und räumt ein, dass dies ein Fehler war.Culpa sui! Wie bitte? Hat in Monza nicht auch Kronprinz Leclerc eine Absprache gebrochen? Er verweigerte dem deutschen Feind im eigenen Königreich den Windschatten im Qualifying, den der erwartet hatte und auch so dringend gebraucht hätte.

Leclerc hat sich nicht dafür entschuldigt – er machte vielmehr den Verkehr auf der Strecke dafür verantwortlich, dass er Vettel nicht planmäßig zur Pole Position ziehen konnte, die er dann selbst behielt.Wo ist der harte Vettel von 2013, der seinen damaligen Teamkollegen Mark Webber in Malaysia überholte, obwohl das Team ihn bat, hinter ihm zu bleiben. Der die Eier hatte, auch noch lange nach seiner Palastrevolution zu seiner Tat zu stehen.”

Webber hatte den Sieg nicht verdient”, sagte er damals kurz und knapp. Er bezog sich dabei auf die kleinen Schweinereien, die sich der Australier in den Jahren zuvor immer wieder geleistet hat.Vettels aktuelle Aussagen klingen wie Sätze von Jemandem, der unsicher ist. Der Angst vor der Zukunft hat. Der nicht so recht weiß, wo er bei Ferrari steht. Das aber ist der Anfang vom Ende. Vettel muss ganz schnell seine Eier wiederfinden, die ihm so wichtig sind. Denn zu sich selbst zu stehen ist noch wichtiger als das reine Gasgeben.

*Dieser Artikel ist als Erstes in AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) erschienen.

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