Kimi Räikkönens Ferrari

Kimi Räikkönen steht bei Ferrari auf der Abschussliste. Nico Hülkenberg hat gute Chancen ihn zu ersetzen. Eine Entscheidung lässt aber noch auf sich warten.

 

Jetzt gegen die Wechselspielchen wieder los in der Formel 1. Im Mittelpunkt steht Kimi Räikkönen. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Ferrari die Option nicht ziehen wird, welche die Scuderia auf den finnischen Teamkollegen von Sebastian Vettel für 2016 hat. Als Gründe sickerten durch: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht mehr. Für die rund 15 Millionen Euro pro Jahr, die er 2016 verdienen würde, sei er nicht mehr schnell genug. Und er bringe sich im Team nicht genug ein. Räikkönen steht bei Ferrari auf der Abschussliste.

Und: Die Italiener schmieden längst Pläne, wer ihn ersetzen soll und Teamkollege von Vettel wird. Es gibt verschiedene Szenarien. Ganz oben auf dem Wunschzettel steht Red-Bull-Star Daniel Ricciardo. Der Australier gewann im letzten Jahr drei Rennen und ließ 2014 Teamkollegen Vettel mehr als einmal alt aussehen. Ricciardo gilt als einer der besten Überholer in der Königsklasse. Das Problem: Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko gibt ihn nicht frei. „Ich weiß, dass er Ferrari ihn haben will, aber keine Chance: Er hat einen wasserdichten Vertrag“, erklärte Marko mir. Mit Ricciardo selbst redete ich auch drüber. Er gab das große Interesse, das Ferrari an ihm hat, auch zu. Hintergründig lächelte er mir ins Gesicht: „Vettel hatte auch einen Vertrag und ging dann doch.“ Die Wahrheit ist: Der Heppenheimer hatte eine Klausel im Vertrag, die es ihm erlaubte den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Gegen Ricciardo spricht auch: Obwohl Sebastian Vettel kein Mitspracherecht auf Teamkollegen hat; richtig Bock hätte er nicht auf den Australier. Die Erinnerung an das gemeinsame Red-Bull-Jahr 2014 ist noch zu frisch.

Williams-Pilot Valtteri Bottas ist Nummer Zwei auf der Liste. Sein Problem: Williams hat gerade die Option auf ihn gezogen. Für 20 Millionen Dollar würde Williams den Finnen zu Ferrari ziehen lassen. Ferrari, deren allmächtiger Präsident Sergio Marchionne im Gegensatz zu Vorgänger Luca di Montezemolo ein Erbsenzähler ist, der zuallererst die Zahlen sieht, sagt deshalb: „Ja, Bottas, Du kannst kommen. Aber die Ablösesumme zahlst Du selbst.“ Solange sich diese Situation nicht ändert, hat Bottas deshalb kaum eine Chance.

Ricciardo ist nicht frei, Bottas zu teuer. Deshalb könnte der deutsche Le-Mans-Gewinner Nico Hülkenberg lachender Dritter im Kampf ums Ferrari-Cockpit werden. Der Emmericher gilt als extrem schnell, talentiert und ist 2016 frei. Weil sein Force-India-Vertrag ausläuft. Insider wie Gerhard Berger sind überzeugt: „Wenn er es richtig anstellt, hat er Chancen bei Ferrari.“

Szenario Nummer vier: einem Youngster die Chance geben! Das geht aber nur, wenn abzusehen ist, dass das Auto für 2016 noch einmal einen Schritt macht und auf Augenhöhe mit Mercedes ist. Bei dieser Variante hat Testpilot Esteban Gutiérrez die Nase vorn. Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim, ein Freund von Teamchef Maurizio Arrivabene, ist ein Förderer seines Landsmannes. Mit einer Verpflichtung würden auch weitere mexikanische Millionen als Mitgift zu Ferrari fließen.

Die letzte aber ebenfalls nicht ausgeschlossene Variante ist Ferrari-Junior Antonio Fuoco. Der Italiener fährt im Moment im Rahmenprogramm der Formel 1 – in der Nachwuchsserie GP3. Er gilt als superschnell, aber noch zu ungestüm. Beim Test in Spielberg zerlegte er seinen Ferrari gleich mal. Sein Vorteil: Bei Ferrari glaubt man, dass Talent Vorrang hat. Die Reife würde mit der Zeit schon kommen. Fuoco hat aber im Gegensatz zu Gutiérrez keine millionenschwere Mitgift im Gepäck.

Fest steht: Das Rennen um das wahrscheinlich frei werdende Räikkönen-Cockpit wird spannend. Ferrari aber hat keine Eile und will sich Zeit lassen. Bis in den Herbst hinein sogar. Grund: Mit Vettel hat man seinen Heilsbringer gefunden. Die Nummer zwei erscheint da nicht mehr so wichtig.

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