Race Control in Malaysia. Copyright: F1-insider.com
Race Control in Malaysia. Copyright: F1-insider.com

F1-insider.com war exklusiv im Rennkontrollraum von Malaysia. So behält Rennleiter Charlie Whiting alles im Blick. 

Es ist still in der »Race Control« am Sepang International Circuit. Nur ab und zu dringt das dumpfe Motorgrollen in den Rennkontrollraum, in dem Charlie Whiting und seine bis zu 20 Mitarbeiter das Geschehen auf der Strecke überwachen. Konzentriert starrt der Brite auf die riesige Monitorwand mit 34 Bildschirmen.

Seit 1997 ist Whiting oberster Renndirektor in der Formel 1, Sicherheitschef, offizieller Starter und Chef der Technik-Abteilung. Er ist der Mann, der auch am Sonntag das erste Rennen des Jahres 2010 startet. Der bei den 19 Rennen über den Einsatz des Safety-Cars und der Signalflaggen der Streckenposten entscheidet und bei akuter Gefahrenlage den Rennabbruch befiehlt. Und Whiting ist der Mann, der oft als Erster Vergehen der Fahrer erkennt. Dem obersten Fia-Fahnder geht jeder Formel-1-Sünder ins Netz.

Der Brite und seine rechte Hand, Rennbeobachter Herbie Blash, haben nicht nur das gewöhnliche Bild der Fernsehkameras im Blick. Sie beobachten auf 28 Monitoren auch die Signale aller festen Streckenkameras, die aus jeder Kurve und von jeder Geraden fortlaufend Live-Bilder senden. »Damit können wir sogar zoomen und schwenken«, erzählt Whiting. »Außerdem wird alles aufgezeichnet. « Whiting, 1983 Chefmechaniker von Weltmeister Nelson Piquet in Bernie Ecclestones Brabham-Team, hat noch mehr Spitzel-Ausrüstung. »Neben unserer eigenen Blackbox in jedem Auto können wir von jedem Team den Boxenfunk abhören und per E-Mail direkt mit den Teamchefs kommunizieren. Und wir haben eine virtuelle Darstellung aller Autos auf der Rennstrecke, um zu sehen, ob ein Fahrer zum Beispiel eine blaue Flagge sehen muss.« Diese Fahne signalisiert dem Piloten, dass er unverzüglich ein schnelleres nachfolgendes Fahrzeug passieren lassen muss.

Begeht ein Fahrer einen Regelverstoß, wird es laut im Rennkontrollturm. Hektisch spult ein Techniker das Video zurück. Whiting wertet dann die Szene aus. In Zeitlupe, in Echtzeit, als Standbild. Frühstart, Rasen in der Boxengasse, Überfahren der weißen Linie beim Verlassen der Boxen oder Missachten von Flaggensignalen – solche Patzer meldet Whiting den drei Sportkommissaren, die über Strafen entscheiden. Besonders beliebt ist der Fia-Fahnder bei den Fahrern deshalb nicht. Aber damit kann er leben. »Ich erwarte nicht, dass mich jemand für ein perfekt abgelaufenes Rennen lobt. Aber wenn sich niemand beschwert, dann ist das für mich schon ein Kompliment. « Dann ging alles glatt.

Größte Herausforderung für den Rennleiter sind aber nicht die sündigen Piloten, sondern unvorhergesehene Ereignisse. Regen zum Beispiel. »Dann ist es unheimlich kompliziert zu entscheiden, ob wir das Rennen hinter dem Safety-Car starten oder ob wir es sogar abbrechen müssen.« Wie beim Monsunregen in Malaysia 2009. »Einige Fahrer haben sich damals beschwert, wir hätten schon vorher aufgrund der Wettervorhersage das Safety-Car rausschicken müssen «, verrät Whiting, »aber ich kann eben nicht alle glücklich machen.« 

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