Lotus-Testfahrerin Carmen Jorda. Copyright: Lotus
Lotus-Testfahrerin Carmen Jorda. Copyright: Lotus

Lotus-Pilotin Carmen Jorda ist nach Williams-Entwicklungsfahrerin Susie Wolff die zweite Testfahrerin der Formel 1. Ihr Ziel: die beste Frau der Königsklasse zu werden. Eine Analyse.

Ein Autogramm von Michael Schumacher hat ihren Weg vorgegeben. Carmen Jorda (26) war gerade sieben Jahre alt, als sie nach der Unterschrift des deutschen Superstars ihre Barbie-Puppen durch ein Gokart ersetzt hat. Jetzt sitzt die neue Entwicklungsfahrerin des Lotus-Teams mit ihren wehenden blonden Haaren im Fahrerlager von Melbourne und erzählt mit strahlenden Augen ihre Geschichte.

Carmen Jorda. Quelle: Lotus
Carmen Jorda. Quelle: Lotus

Allein: Wirklich ernst genommen wird die hübsche 26-jährige Spanierin in der Szene nicht.

Mag sein, dass sie sich deshalb die Puppen wieder zurückwünscht. Denn selten hat die Verpflichtung einer Frau für so viel Häme in der Formel-1-Szene gesorgt. Kaum hatte Lotus im Februar verkündet, dass der Rennstall die Spanierin als Entwicklungsfahrerin verpflichtet, flogen ihr die Frechheiten um die Ohren. Tenor im Fahrerlager:  „Sie hat zwar scharfe Kurven, aber fahren kann sie nicht.“ Das war noch das Harmloseste, was sich Jorda anhören musste. Rob Cregan (26), ihr ehemaliger GP3-Teamkollege aus 2012, trat der Blondine besonders hart unter die Gürtellinie: „Carmen  kann nicht einmal eine Filmrolle entwickeln, geschweige denn ein Hybrid-Formel-1-Auto“, schoss der Brite böse aus der Hüfte.

Jorda versucht gelassen zu bleiben, wenn man sie mit diesen Männerweisheiten konfrontiert. Trotzdem funkelt die Wut aus ihren dunklen Augen: „Schon auf der Rennstrecke waren die anderen Piloten wie kleine Haie“, kontert sie im Gespräch mit F1-insider.com für AUTO BILD MOTORSPORT. „Sie konnten es noch nie vertragen, gegen eine Frau zu verlieren. Ich jedenfalls bin stolz darauf, einen Platz in einem Formel-1-Team zu haben. Das können nur wenige von sich behaupten. Und da kommt schnell Eifersucht auf.“

Die Ergebnisse ihrer bisherigen Motorsportlaufbahn lesen sich nicht gerade wie optimale Bewerbungsunterlagen für ein Formel-1-Cockpit. In den letzten drei Jahren belegte sie in der GP3-Serie die Gesamtränge 28, 30 und 29. Die Frage ist deshalb nicht unberechtigt: Ist Señorita Jorda ein reines PR-Maskottchen?

Jorda beim Training. Quelle: Instagram
Jorda beim Training. Quelle: Instagram

„Natürlich nicht“, sagt sie. „Ich bin eine extrem harte Arbeiterin und werde den Leuten schon zeigen, dass ich meine Ziele erreichen kann.“ Gehört ein Stammcockpit dazu? Sie weicht charmant aus. „Mein Ziel ist es, einfach nur die beste Frau in der Formel 1 zu werden. Dafür trainiere ich hart und übe im Simulator. Dann bekomme ich vielleicht auch mal eine Testfahrt in einem echten Auto.“

Die beste Frau in der Formel 1 also. Doch genau darin liegt der Unterschied zwischen Jorda und ihrer Hauptgegnerin Susie Wolff (32). Die Williams-Testfahrerin will sich auch gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen, rechtfertigt ihre Leistung nie mit ihrem Geschlecht. Jorda baut dagegen schon mal vor: „Frauen können gegen Männer nicht gewinnen.“ Eine Kapitulationserklärung der Model-Athletin der Formel 1.

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