Rosberg: Alles nach hinten losgegangen

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Mercedes-Pilot Nico Rosberg muss sich mental wieder hochfahren bis zum Rennstart morgen um 17 Uhr. Denn am Abend nach seinem dritten Platz in der Qualifikation haderte er mit sich und der Welt. Was der Deutsche auch macht im Moment – es geht schief. „Heute habe ich es versucht zu gut zu machen“, gab er spät am Abend in einer kleinen Besprechnungsrunde mit deutschen Journalisten niedergeschlagen zu. „Das ist nach hinten losgegangen.“ Schon wieder.

Es scheint, als sei Rosberg seinem Teamkollegen Lewis Hamilton derzeit nicht gewachsen. Der Brite ist immer einen Schritt voraus. Diesmal patzte er in Sachen Reifentaktik. Hintergrund: Rosberg nahm seinen Reifensatz in Q2 weniger hart ran als sein Teamkollege – und war deshalb für Q3 nicht gut genug gerüstet. Denn anders als Hamilton wusste er nicht, wie sich das Auto im Grenzbereich verhält. Rosberg: „Ich habe mich selbst aus dem Rhythmus geworfen.“

Dabei wäre das gar kein Problem gewesen, wenn Rosberg seinen eigentlichen Plan durchgezogen hätte. Der sah vor im dritten Qualifyingabschnitt mit zwei neuen Reifensätzen anzutreten. Doch Hamilton kam dazwischen. Rosberg erlaubt einen kleinen Einblick in die Psychospielchen zwischen zwei Teamkollegen. Das gegenseitige Beäugen. Abwarten. Reagieren.

„Ich hätte schon bei meinem Plan bleiben können“, räumt der gebürtige Wiesbadener ein. „Aber Lewis hatte entschieden, dass er zunächst einen gebrauchten Satz fährt und dann erst den neuen. Das heißt, er behält einen weiteren neuen Satz fürs Rennen zurück. Und dann denke ich: Mist! Das macht so viel aus im zweiten Stint. Da habe ich mich unwohl gefühlt.“ Rosberg wechselt wie sein Teamkollege auf gebrauchte Pneus für den ersten Versuch in Q3 – und verpasst damit die Chance sich ans Limit heranzutasten.

Bleibt die Frage: Hat Hamilton Rosberg ausgetrickst? Eher nicht. Denn Rosberg gibt zu: „Der Fehler war, dass ich mir nicht bewusst war, dass es überhaupt eine Option ist mit einem gebrauchten Satz in Q3 zu gehen. Und das der dann auch noch so kacke ist.“ Der Mercedes-Pilot lacht. Gequält. 

Er hat nicht nur die Reifenoptionen falsch eingeschätzt – sondern auch Ferrari. Die roten Renner sind mit derselben Strategie in Q3 gegangen wie Hamilton. Der ursprüngliche Plan wäre also in jedem Fall ein Risiko gewesen. Rosberg: „Das wusste ich auch nicht! Das war der nächste Fehler, dass ich mit dem Ferrari nicht gerechnet habe. Ich war mir recht sicher, dass wir einen großen Vorsprung haben.“ Der Deutsche winkt ab und resigniert – zumindest für diese eine Besprechungsrunde. „Ach“, seufzt er, „alles nach hinten losgegangen.“

Allein: Er hat immer noch die Chance es morgen besser zu machen. Denn offenbar ist sich auch Hamilton seiner Sache nicht ganz sicher. „Er ärgert sich jetzt tierisch“, verrät Rosberg, „dass er es in Q2 nicht genauso gemacht hat wie ich.“ Nach dem Start hat der Deutsche mit einem frischeren Reifensatz theoretisch nämlich einen Vorteil. Hauptsache, er denkt nicht zu viel darüber nach…

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