Die größten Krisen des Motorsports

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Red Bull allein auf weiter Flur
Red Bull allein auf weiter Flur

Wie viele Teams gehen pleite? Wie viele Streckenbetreiber kommen ins Strudeln? Wie viele Projekte werden wieder auf Eis gelegt? Noch kann keiner auch nur erahnen, wie groß die durch das Coronavirus ausgelöste Krise im Motorsport sein wird. Das hängt natürlich davon ab, wie lange der Virus die Welt noch in Atem hält und wie viele Rennen ausfallen. Denn jedes nicht gefahrene Rennen kostet richtig Geld.

Es ist natürlich bei weitem nicht die größte Krise des Motorsports, bislang zumindest nicht. Aber doch eine der größten. Das zeigt ein Blick ins Geschichtsbuch.

Können Sie sich einen Grand Prix vorstellen, bei dem nur drei Autos am Start stehen und der Sieger mit 15 Runden Vorsprung gewinnt? Genau das ist beim Frankreich-GP 1926 passiert, als nur Bugatti drei Autos gemeldet hat und Jules Goux mangels Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes noch eine Kaffeepause hätte einlegen können.

Was war damals passiert? Eine Wirtschaftskrise, viel zu teure Rennwagen, die so manchen Hersteller wie Delage an den Rand des Ruins brachten – und vor allem: keine Privatiers. Der Motorsport war damals einer, in dem sich die Hersteller gegeneinander gemessen haben, nicht primär die Fahrer. Gewinne am Sonntag, verkaufe am Montag.

Doch damals wurde immerhin noch gefahren. Zwei Mal schwiegen die Motoren komplett – wie jetzt beim Coronavirus. Zuerst im Ersten Weltkrieg, der im Juli 1914 wenige Wochen nach dem Frankreich-GP ausbrach. 1915 und 1916 gab es nur noch drei große Rennen in Amerika: den Amerika-GP, den Vanderbilt-Cup und das Indy 500. Natürlich waren die europäischen Spitzenfahrer da auch vertreten, aber 1917 und 1918 drehte sich gar kein Rad mehr.

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Ähnlich war es auch im Zweiten Weltkrieg. Im GP-Sport gab es damals noch keine Weltmeisterschaft, aber eine Europameisterschaft. Sie wurde von Mercedes-Benz und Auto Union dominiert. Doch die Saison 1939 musste mit dem Kriegsausbruch vorzeitig abgebrochen werden. Nie wurde offiziell ein Meister gekürt. Nach dem damaligen Punktesystem hätte es Hermann Paul Müller für Auto Union sein müssen. Die Nazis erklärten aber Hermann Lang von Mercedes-Benz zum Champion – was international aber nicht anerkannt wurde. 

1940 und 1941 wurde dann nur noch in Amerika gefahren, unter anderem das Indy 500, 1942 dann sogar nur noch in Südamerika: Brasilien, Uruguay, Argentinien. 1943 und 1944 war komplett Schluss, wieder einmal schwiegen für zwei Jahre die Motoren. 

Erstaunlich auch die Jahre 1909 bis 1911, die erste existenzielle Krise des Rennsports. 1908 gingen noch 48 Fahrer von 17 Herstellern (darunter Mercedes und – man höre und staune – Opel) an den Start zum Frankreich-GP. Ein Jahr später wurde das Rennen abgesagt – mangels Teilnehmer. Erst 1912 wurde es wiederbelebt. Grund damals: eine Wirtschaftskrise.

Dann waren da natürlich auch die Ölkrisen. Schon 1956 und 1957 fielen mehrere Formel-1-Rennen wegen des Suez-Konflikts in den Niederlanden, Belgien und Spanien aus. 1973 wurde zwar kein Rennen gestrichen, aber in Zeiten von autofreien Sonntagen im Zuge des Ölmangels war für Hersteller natürlich nicht an Formel 1 zu denken. Damals fristete Ferrari ein alleiniges Schattendasein in der Formel 1. Motoren bauten sonst nur das britische Rennteam BRM und (für den Rest des Feldes) die private Schmiede Cosworth. 

Und schließlich war da auch noch die Wirtschaftskrise 2008/2009. Damals stiegen BMW, Toyota und Honda aus der Formel 1 aus, Kawasaki verließ die MotoGP – und das sind nur wenige Beispiele von vielen Fällen.

Wie heftig die Krise 2020 wird, das werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. 

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