Damon Hill: Schumis erster Titelrivale wird 60

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Damon Hill, Credit: Williams
Damon Hill, Credit: Williams

Wieder so ein Weltmeister-Sohn, der durch den Namen und die Kontakte des Vaters in die Formel 1 gekommen ist, im besten Auto saß und daher Weltmeister geworden ist. Das könnte man auf den ersten Blick über Damon Hill denken. 

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Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus. Sein Vater Graham Hill mag 1962 und 1968 zwar Formel-1-Weltmeister gewesen sein, aber 1975 starb der Brite bei einem Flugzeugabsturz. Damon Hill war zu diesem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt. Der stolze Vater nahm ihn zwar immer wieder mit an die Rennstrecke, doch oft zeigen Bilder einen verweinten Damon. Mutter Bette erklärte das einst so: „Er weint, weil er glaubt, dass er seinem Dad Unglück bringt. Denn immer, wenn Graham seinen Sohn zum englischen Grand Prix mitgenommen hat, hat er nicht gewonnen.“

Flugzeugabsturz lässt Familie verarmen 

Doch das Unglück für Graham Hill und für die Familie waren nicht die Niederlagen auf der Rennstrecke, sondern der katastrophale Flugzeug-Absturz. Er stürzte die Familie Hill nicht nur mental, sondern auch wirtschaftlich ins Desaster. Graham Hill hatte damals sein eigenes Formel-1-Team. Die Preisgelder, die er durch seine Siege in der Formel 1, in Le Mans, beim Indy 500 oder anderen Rennen verdienten, flossen in seinen Rennstall. Beim Absturz war – wohl wegen eines Fehlers des Anwalts – Hill nicht versichert. Die Familie musste auch für die Familien der weiteren Opfer aufkommen. 

Die Jugend von Damon Hill war also nicht leicht. Die Pokale des Vaters mussten verkauft werden, von Ruhm und Ehre war nicht mehr viel übrig. Damon Hill jobbte als Motorrad-Kurier. Dass er seinem Vater eines Tages in die Formel 1 folgen würde, war überhaupt nicht absehbar. „Wie auch“, erklärt der Brite. „Ich hatte bis ich 24 Jahre alt war, ja noch nicht mal einen Führerschein.“

Damon Hill, Credit: Williams
Damon Hill, Credit: Williams

Damon Hill war zwar der Rennsport in die Wiege, viele Steine aber in den Weg gelegt worden. Doch die Rennerei packte auch ihn. Erst fuhr er Motorradrennen, ab 1984 auch in der Formel Ford. Über die Formel 3 und die Formel 3000 arbeitete er sich bis in die Formel 1 hoch. Mit bereits 32 Jahren gab er 1992 für Brabham sein Debüt. Damon Hill ist der bis heute letzte Weltmeister, der nicht im Kartsport begonnen hat.

Adelaide-Kollision 1994 

Bei Brabham war kein Blumentopf zu gewinnen. Meistens scheiterte Hill mit dem Brabham-Judd sogar an der Qualihürde. 1993 aber kam der Wechsel zu Williams. In den folgenden Jahren fuhr Damon Hill neben den absoluten Größen des Sports: Alain Prost, Ayrton Senna, Nigel Mansell, später auch dem zukünftigen Weltmeister Jacques Villeneuve. Einerseits war das der absolute Sprung ins kalte Wasser, andererseits konnte er viel von ihnen lernen.

Nach dem Tod von Senna in Imola 1994 setzte Williams allen Fokus auf Hill. Das WM-Duell mit Michael Schumacher wurde zu einem Thriller, ihre Rivalität ist bis heute legendär. Damon Hill erklärte 1994: „Wir reden wenig, eigentlich nichts. Aber ich habe kein Problem mit ihm, höchstens er mit mir.“ Vier Jahre später, als er neben Michaels Bruder Ralf bei Jordan fuhr, erklärte Hill in einem Interview: „Er hat noch nie versucht, mich zu grüßen, läuft an mir vorbei, als ob er mich nicht kennt. Jetzt ist es mir egal, jetzt verhalte ich mich halt genauso. Wir gehen getrennte Wege.“

Inzwischen zollt er dem Rekordweltmeister mehr Respekt, nimmt auch den Crash mit auf seine Kappe, der die Rivalität befeuert hat: Die WM-Entscheidung in Adelaide 1994. Schumacher krachte mit seinem Benetton-Ford in die Mauer, torkelte zurück auf die Strecke. Hill wollte angreifen, Schumi lenkte ein, die beiden kollidierten und fielen aus, der Deutsche war Weltmeister. „Ich hätte einfach länger warten müssen“, erklärt Hill. 

Schumacher und Hill kollidierten auch 1995 wieder miteinander – in Silverstone und Monza. Auch das Duell 1995 verlor Hill. Als Schumacher 1996 zu Ferrari gewechselt ist, war endlich der Weg frei. Bis Nico Rosberg 2016 Champion wurde, war Damon Hill der einzige Fahrer, der in die WM-Fußstapfen des Vaters treten konnte.

Sohn brach Rennkarriere ab

Danach verzockte sich Hill bei der Teamwahl. Statt zu McLaren ging er 1997 zu Arrows, hätte dort dank der Bridgestone-Reifen den Ungarn-GP im Arrows-Yamaha fast gewonnen, aber fuhr ansonsten nur hinterher. Bei Jordan reichte es im Chaosrennen von Belgien 1998 zu seinem 22. und letzten F1-Sieg. Nach 115 Grands Prix war Ende 1999 für Hill Schluss. 

Seither ist er oft an der Rennstrecke, auch als TV-Experte. Damon Hill gilt als bodenständig, hat vier Kinder. Sein ältester Sohn Olivier hat das Down-Syndrom, weshalb Hill entsprechende Stiftungen fördert. Joshua Hill wurde ebenfalls Rennfahrer, stieg 2013 in die Formel 3 auf, hing dann aber der Musik zuliebe den Helm an den Nagel. 

Die Familiengeschichte der Hills wird daher vorerst nicht weitergeschrieben. Heute aber feiern sie den 60. Geburtstag von Damon Hill. Happy Birthday. 

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