Seit drei Jahren dominiert Red Bull in Mexiko. 2017 und 2018 hat Max Verstappen im Autodromo Hermanos Rodriguez gewonnen. Hätte er nicht die gelben Flaggen im Qualifying missachtet, stünde er jetzt wieder auf Pole.

Red Bull-Teamchef Christian Horner sieht in der Strafe aber sogar eine Chance: „Jetzt haben wir wenigstens Windschatten. Beim Start von ganz vorn hätten die Ferrari uns womöglich auf der Geraden aufgeschnupft.“

Das hinterlässt die Frage, die wir hier jetzt mal provokant und ohne Anspruch auf Richtigkeit in den Raum stellen: Hat Verstappen bewusst eine Strafe riskiert? Wusste er, dass er drei Startplätze verlieren würde, wenn er nicht lupft? Und dass ihm die Poleposition, die zweite seiner Karriere, für die Statistik trotzdem erhalten bleibt?

Dazu passt: Beim Russland-Grand-Prix 2018 in Sotschi hat er eine Strafversetzung um drei Positionen und zwei Strafpunkte bekommen, weil er in eine einfach geschwenkte gelbe Flagge missachtet hatte.

Das jedenfalls wäre eine Erklärung, warum Verstappen seinen Regelverstoß in der Pressekonferenz freimütig zugab und sich sogar darüber amüsierte. Die andere Erklärung: Er war einfach nur ehrlich und glaubte ernsthaft, ihm würde nur die schnellste Runde gestrichen werden.

So jedenfalls klang es aus seinem Mund: “Müssen wir jetzt echt über Sicherheit sprechen? Wir wissen schon, was wir tun, sonst würden wir keine Formel-1-Autos fahren. Es ist Qualifying, du drückst drauf. Und wenn sie mir die Rundenzeit wegnehmen wollen, dann streichen sie die Runde.”

Aber was macht den Red Bull in Mexiko überhaupt so stark?

Der beste Kompromiss zwischen Abtrieb und Topspeed. Auf der langen Zielgerade verlor Verstappen im Qualifying nur noch zehn km/h und damit drei Zehntelsekunden. In den kurvigen Sektoren zwei und drei war Verstappen zwei bzw. ein Zehntel schneller. Macht am Ende knapp 0,25 Sekunden Vorsprung.

Verstappens Zeit aus Versuch eins hätte Vettel zwar in seinem zweiten Anlauf knacken können. „Aber da musste ich wegen Bottas lupfen“, erklärt er.

Hintergrund der Technik-Attacke aus Milton Keynes: Der Red Bull ist ein Adrian-Newey-Auto, baut deshalb Anpressdruck traditionell über den Unterboden auf, muss die Flügel deshalb nicht so steil stellen. Auffallend in Mexiko: Der S-Schacht konnte aufgrund der dünnen Luft verkleinert werden, saugt weniger Luft von der Unterseite nach oben ab. Dazu kommt: Der mechanische Grip stimmt, Räubern über die Randsteine ist kein Problem für den blauen Renner.

Rennstrategie für Mexiko

Mercedes ist insgesamt nur drittstärkste Kraft in Mexiko. Teamchef Toto Wolff: „Die Zeiten, wo uns der stärkste Motor gerettet hat, sind vorbei.“ Den hat jetzt Ferrari. Dabei wollte auch Mercedes in Mexiko nach Informationen von F1-insider.com einen stärkeren Motor-Modus fahren, hat deshalb extra-große Kiemen in die Außenhaube geschnitten und auch die Hinterradaufhängung so umgebaut, das heiße Luft ungehindert aus dem Heck entweichen kann. In der Höhenluft von Mexiko ist Kühlung alles. 

Und wer ist jetzt Favorit? Ferrari setzt auf den Topspeed, auch am Start. 811 Meter sind es bis zur ersten Kurve. Der Reifenverschleiß war sowohl am Red Bull als auch am Ferrari niedrig. Alle sechs Top-Fahrer starten auf mittelharten gelben Reifen. 

Red Bull-Teamchef Horner hofft auf Verstappens „Jetzt-erst-Recht Stimmung“.

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