FIA-Präsident Jean Todt im Exklusivinterview mit ABMS über die Formel E und ihren Angriff auf die Formel 1.

Die Formel E fährt an diesem Wochenende in Paris (Samstag ab 15.45 Uhr auf ZDF im Livestream und Eurosport). FIA-Präsident Jean Todt glaubt anders als Bernie Ecclestone allerdings nicht, dass die Serie der Formel 1 gefährlich wird. Aber: Sie sendet starke Botschaften. Auch dank der deutschen Hersteller

Herr Todt, Sie Formel E fährt nun zum vierten Mal in Paris. Wie stolz sind Sie darauf?
Jean Todt: Sehr stolz. Vor fünf Jahren haben wir die Serie bei einem Abendessen mit Alejandro Agag aus der Taufe gehoben. Es ist quasi das jüngste Baby der FIA, aber mit seinen fünf Jahren hat es schon viel erreicht. Mein Traum war es immer, die Formel 1 nach Paris zu holen. Mit der Formel E haben wir das geschafft. Ich konzentriere mich aber trotzdem eher darauf, was verbessert werden kann, als auf das, was gut läuft und was wir schon erreicht haben. Derzeit arbeiten wir gerade am Formel-E-Auto der nächsten Generation. Wir wollen noch weiter vorwärtskommen.

FIA Präsident Jean TodtWas kann verbessert werden?
Es geht um Konstanz. Dass wir konstant in der Lage sind, die Rennen in die besten Städte in der ganzen Welt zu bringen. Dass wir in der Lage sind, der Autobranche zu helfen, neue Technologien zu entwickeln. Dass wir eine starke Message bezüglich der Sicherheit im Straßenverkehrgenerieren. Dass wir damit die jungen Leute im Alter von 14 bis 29 erreichen. Wir müssen Motorsport – das gilt nicht nur für die Formel E, sondern für alle Arten von Motorsport – dazu nutzen, um starke Botschaften zu vermitteln. Die Formel E ist dafür ganz klar eine gute Unterstützung. Es ist faszinierend: In vier Jahren haben wir die Reichweite des Elektro-Rennautos verdoppelt. Das kann auf die Straße übertragen werden. Und das wollen wir auch.

BMW und Audi sind dabei, bald auch Mercedes und Porsche. Wie wichtig ist das für Sie?
Alle vier deutschen Premiumhersteller werksseitig in einer Rennserie, das gab’s noch nie. Das ist ein wichtiges Zeichen und es gibt uns Stabilität. Man sieht, wie die Automobilhersteller unseren Weg unterstützen. Und auch sportlich ist die Formel E stark aufgestellt. Wir haben jetzt sieben verschiedene Sieger in sieben Rennen.

Klingt sogar besser als Formel 1…
Das will ich nicht vergleichen. Die Formel 1 ist kein Baby mehr. Die Formel 1 ist ein 70 Jahre alter Erwachsener. Wir müssen schauen, dass wir das, was wir in der Formel 1 gelernt haben, in andere Kategorien wie die Formel E übertragen. Wir wollen Dominanzen, wie wir sie in der Formel 1 haben, verhindern. Wir wollen die Kosten reduzieren, weil wir das Gefühl haben, die Formel 1 ist zu teuer. Aber die Formel 1 ist und bleibt die Königsklasse des Motorsports.

Bernie Ecclestone hat aber gesagt, die Formel 1 sollte Angst vor der Formel E haben.
Auf solche Provokationen reagiere ich nicht. Aber natürlich müssen wir in der Formel 1 fokussiert und konzentriert bleiben, wie wir das Racing verbessern. Für mich als Präsident als FIA ist jede Serie wichtig. Ich habe keine Lieblingsserie. Sie sind unterschiedlich und ich mag sie alle.

Die Formel E allerdings zeigt die Zukunft der Mobilität, die Formel 1 ihre Gegenwart.
Auch die Formel 1 fährt mit modernsten Antrieben. Wir haben Hybridautos, deren Motoren jetzt schon faszinierend sind. Die haben rund 50 Prozent thermische Effizienz. Darüber sollten wir viel mehr sprechen.

Auch synthetischer Sprit ist im Gespräch.
Wir arbeiten immer daran, was als nächstes kommen könnte. Auch für die Formel 1 brauchen wir eine Vision.

*Dieser Artikel ist als Erstes in AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) erschienen.

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