Nico Rosberg im Mercedes. Copyright: F1-insider.com
Nico Rosberg im Mercedes. Copyright: F1-insider.com

Mercedes ist wieder Favorit auf den WM-Titel in der Formel 1. Vor dem Saionstart sieht es so aus, als würden Nico Rosberg und Lewis Hamilton den Titel wieder unter sich ausmachen. Ein Text aus AUTO BILD MOTORSPORT Heft 10.

Die einen bezeichnen es als Arroganz, die anderen sehen einfach keine Notwendigkeit. Fakt ist: Nur zwei Teams haben darauf verzichtet beim letzten Vorsaisontest in Barcelona auch die schnellen Supersoft-Reifen auszuprobieren: Mercedes und Red Bull. Das geht nur bei einer Dominanz, die an die Zeit erinnert, als Williams Mitte der 90er-Jahre das überlegene Team war. Damals zogen die Engländer die weichen Reifen meist erst in der Qualifikation auf.

Auch in diesem Jahr steht die konsequente Missachtung der roten Supergummis wieder für die beiden besten Teams der Vorsaison. Dabei „fährt Mercedes in einer anderen Dimension“, formuliert Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo (25) vielleicht etwas voreilig seine Kapitulationserklärung. Denn für Melbourne hat Red Bull noch einmal eine Geheimwaffe im Gepäck: einen neuen Frontflügel, von dem sich Motorsportchef Helmut Marko extrem viel verspricht.

Greift das Update nicht, fährt Mercedes zumindest zu Saisonbeginn wieder in einer eigenen Liga. Denn wer draußen am Circuit de Catalunya die Autos beobachtete, musste feststellen: Nur der Silberpfeil fährt um die Kurve wie auf Schienen, bremst extrem stabil und beschleunigt ohne durchdrehende Räder. „Die Fahrer müssen am Lenkrad null arbeiten“, beschreibt der Vater eines deutschen Vorzeigepiloten. Die Erklärung: Die Antriebseinheit ist so überlegen, dass die Silberpfeile mit mehr Flügel und entsprechend höheren Abtriebswerten fahren können als alle anderen.

„Wir hatten natürlich eine gute Basis, auf der wir aufbauen konnten“, erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff (43) das Sieggeheimnis. Lewis Hamilton (30) stellt fast emotionslos fest: „Unsere Vorbereitung war noch besser als im Vorjahr.“ Der Mercedes ist kompakter als sein Vorgänger, mit filigranerem Flügelwerk und dem – nach Ferrari – zweitkürzesten Radstand im Feld. Toto Wolff lächelnd: „Für Australien sind wir vorsichtig optimistisch.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen angesichts dieser Tiefstapelei sagt der Österreicher: „Testfahrten sind doch keine Rennen.“

Trotzdem: Hochrechnungen unterschiedlicher Teams zufolge ist Mercedes mit mindestens 0,8 Sekunden pro Runde vorne. Es folgen Red Bull, Williams und Ferrari, die sich um den Titel „Best of the rest“ prügeln. Nico Rosberg (29) muss sich bei seinem „Rematch“ deshalb hauptsächlich auf Weltmeister und Teamkollege Lewis Hamilton konzentrieren. Den Titel des Winterweltmeisters hat er dank der absolut schnellsten Runde in Barcelona schon mal sicher. „Das bedeutet zwar nicht viel“, meint Rosberg, „aber es ist besser Schnellster zu sein als nicht Schnellster zu sein.“

Wenn überhaupt gibt es nur eine kleine Schwachstelle: „Als Sorge würde ich es nicht bezeichnen“, räumt der Deutsche denn auch ein, „aber die Zuverlässigkeit war im Vorjahr nicht wirklich unsere Stärke. Darin müssen wir uns verbessern und das ist eine große Herausforderung.“

Tatsächlich lief das Testprogramm für Mercedes auch in diesem Winter nicht immer ganz rund: Es gab Probleme mit dem Wasserkreislauf, dem Getriebe, den Kolben und mit der MGU-K. Die allerdings trafen hauptsächlich Lewis Hamilton. Rosberg absolvierte mit 3463 Kilometern die meisten aller Piloten. Hamilton liegt mit 2434 nur auf Rang acht. Offenbar ist der neue Silberpfeil im Grenzbereich auch schwieriger zu fahren als das Auto aus dem Vorjahr. Bei den Tests hatten beide Fahrer Probleme mit der Abstimmung und einem losen Heck. Lewis Hamilton litt darunter nach Informationen von F1-insider.com stärker als Nico Rosberg. WM-Bonus? Gibt’s nicht: „Ich sitze hier nicht als Weltmeister“, sagt er, „sondern als ein Fahrer, der Weltmeister werden will.“    

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