Frauen in Le Mans: Schreibt Flörsch Geschichte?

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Flörsch; Credit: Floersch/Twitter
Flörsch; Credit: Floersch/Twitter

Am Wochenende steht für Sophia Flörsch der bisherige Karrierehöhepunkt an: Die 24 Stunden von Le Mans (Eurosport überträgt ab Samstag, 14 Uhr). „Es ist eine Ehre, dort starten zu können“, sagt sie zu AUTO BILD. „Vor allem in einem so starken Team und ohne, dass ich Geld dafür mitbringen muss.“ 

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Hintergrund: Sophia Flörsch startet in einem 600 PS starken Oreca-Gibson-LMP2 (4,2-Liter-V8-Sauger) für das Signatech-Team, die in den vergangenen vier Jahren drei Mal die zweite Prototypen-Klasse bei den 24h von Le Mans für sich entscheiden konnten und 2021 auch den LMP1-Auftritt von Alpine betreuen. Bezahlt wird das Programm vom Schweizer Uhrenhersteller Richard Mille, der mit diesem Projekt Frauen im Motorsport unterstützen will. 

Flörsch geht nämlich mit Tatiana Calderón (Formel-1-Testfahrerin bei Alfa Romeo) und Beitske Visser (Vizemeisterin in der W Series) an den Start – also in einem reinen Damenteam. Es ist das 23. Damenteam der Le-Mans-Geschichte. Ein zweites Auto, das nur von Frauen pilotiert wird, ist der Iron Lynx Ferrari 488 GTE Evo (3,9-Liter-V8-Turbo, ca. 585 PS) mit Rahel Frey, Michelle Gatting und Manuela Gostner in der GTE-Amateur-Kategorie. Sie holten sich 2019 bereits Platz neun in ihrer Klasse. 

Viele Stars fahren gegen Flörsch 

Was ist für Flörsch und ihre Kolleginnen drin? Theoretisch sogar ein Rekord! Die bisher beste Platzierung eines Frauenteams im Sportwagen-Klassiker war Rang sieben durch Odette Siko und Marguerite Mareuse 1930 in einem Bugatti T40. Platz sieben ist theoretisch möglich, denn die LMP2-Kategorie ist die zweite Liga und in der LMP1 sind nur fünf Autos am Start. Für ein gutes Abschneiden spricht zudem das Topteam Signatech.

Flörsch: Credit: FIA;
Flörsch: Credit: FIA;

Allein: Die Klasse ist mit 24 Autos stark besetzt. Zwar befinden sich unter den 72 Fahrern auch Amateure wie Supermarkt-Guru Frits van Eerd, Öl-Oligarch Roman Rusinov oder der bereits 68-jährige Mark Patterson. Aber auf der anderen Seite sind auch sieben frühere Formel-1-Fahrer wie Juan-Pablo Montoya am Start und viele der besten Formel-E-Fahrer wie Jean-Eric Vergne, Meister Antonio Felix da Costa und Nyck de Vries. „Vor allem aber dürfen wir nicht vergessen, dass wir gegen Langstreckenprofis fahren, die schon seit Jahren dabei sind“, so die Münchnerin. 

Das Projekt hatte zudem auch einige Rückschläge. Eigentlich war neben Flörsch und Calderón die Britin Katherine Legge als Fahrerin vorgesehen. Doch sie brach sich bei einem Testunfall den linken Unterschenkel und das rechte Handgelenk. Wegen der Corona-Pandemie gab es außerdem Programm-Überschneidungen: Flörsch hat zwei Rennwochenenden in der ELMS wegen ihrem Formel-3-Engagement verpasst, Calderón eines wegen der Super Formula. Zusammen fuhren die drei bisher noch gar kein Rennen.

Alle drei Frauen sind außerdem Rookies (und bringen die Zahl der Le-Mans-Frauen damit auf 62). Flörsch und Co. müssen erst lernen, wie das Le-Mans-Rennen funktioniert. Zum Beispiel die Fahrt in der Nacht: „Nachts zu fahren“, erklärt die 19-Jährige, „ist ähnlich wie in Macau. Du musst total konzentriert sein, fährst wie im Tunnel.“ Dazu kommt: „Der Verkehr wird sehr interessant, da muss ich mich zusammenreißen. Nicht nur, weil ich die langsameren GT-Autos überholen muss. Von hinten kommen ja auch noch die schnelleren LMP1.“

Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt. „Wenn ich performe habe ich gute Chancen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein“, so Flörsch. „Mein Ziel bleibt aber die Formel 1.“

Michael Zeitler/Bianca Garloff

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