Mercedes: Der Feind in meinem Team

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Die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton dürften den Formel-1-WM-Titel auch 2015 wieder unter sich ausmachen. Die Brisanz des Duells wird dabei nicht kleiner als im Vorjahr. Warum beide sich als Feind im eigenen Team sehen. Ein Auszug aus der Geschichte im SPORT BILD Sonderheft Formel 1.

Sie beäugen sich, sie pokern, sie testen die Psyche ihres Gegners. Weil sie beide nur eines wollen: unbedingt gewinnen. Ein Drehbuch brauchen Lewis Hamilton (30) und Nico Rosberg (29) nicht, als sie kurz nach dem letzten Rennen der Saison 2014 den Werbespot für den neuen Mercedes C63 AMG drehen. So beinhart sie 19 Rennen um den WM-Titel gekämpft haben, mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks, so unnahbar sitzen sich die beiden Mercedes-Stars jetzt auch bei der ins­zenierten Schachpartie gegenüber. Sie sind Feinde im eigenen Team!

Spätestens seit der vergangenen Saison ist die lange Jahre beschworene Freundschaft zwischen Hamilton und Rosberg nur noch eine nette Geschichte von früher. Weil der Teamkollege immer der erste Gegner ist. Weil er das gleiche Material zur Verfügung hat und dieselbe Mannschaft. Weil sie auf Augenhöhe fahren. Und weil der Mercedes nur vom Mercedes geschlagen werden kann.

SPORT BILD SONDERHEFT Formel 1

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Als sie noch Kart-Freunde waren (1996 bis 2000), schliefen sie im gleichen Hotelzimmer. Doch 2014 fühlte sich Rosberg unfair behandelt. Von Hamilton und vom Team. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gibt sogar zu: „Wir werden die eine oder andere Situation vielleicht noch mal diskutieren, wie wir sie besser handeln wollen. Da hat das Team, da haben wir alle auch nicht immer ganz richtig agiert.“

Der Große Preis von Belgien und die öffentliche Rosberg-Schelte danach waren so ein Beispiel. „Ich gebe zu: Spa war bestimmt schwierig für Nico“, analysiert Toto Wolff nun mit Abstand. „Vielleicht hat es ihn auch verunsichert, weil er nicht mehr wusste, was richtig und was falsch ist.“ Gleichzeitig rechtfertigt Wolff seine eigene Rolle: „Auch wenn ich die Rennfahrer-Perspektive verstehe, kann es sein, dass ich eine andere Position einnehmen muss. Weil ich fürs Team stehe und die Zusammengehörigkeit garantieren muss. Also habe ich in mir einen Interessenskonflikt, den ich mit mir austragen muss. Ich muss neutral bleiben. Das ist manchmal hart, auch den beiden gegenüber.“

Niki Lauda nimmt die Feindschaft lockerer. „Das wird bestimmt auch in diesem Jahr wieder lustig“, prophezeit der Österreicher, räumt aber ein: „Wenn man solche Probleme wie wir im vergangenen Jahr überwindet, dann wird es einfacher. Ich habe Alain Prost und Clay Regazzoni auch nie gemocht, wenn es ums Racing ging“, erinnert sich die Ferrari-Legende. „Aber man verspürt gegenüber dem anderen Respekt. Das gilt auch für unsere Fahrer. Sie kämpfen hart gegeneinander und gratulieren danach dem Gewinner zum Sieg.”

Der Gewinner, das will in diese Jahr Nico Rosberg sein. „Nico wird in dieser Saison noch stärker sein als 2014“, glaubt der frühere Formel-1-Pilot Gerhard Berger. „Er kennt jetzt auch den Druck im WM-Kampf und hat viel gelernt.“

Auch Teamchef Toto Wolff sieht in dem gebürtigen Wiesbadener trotz schwacher zweiter Saisonhälfte 2014 (Hamilton gewann sechs von sieben Rennen) einen kommenden Weltmeister: „Nico hat Lewis in seiner Paradedisziplin, auf einer einzigen Runde im Qualifying, geschlagen“, stellt Wolff fest. „Das heißt: Er hat alle Ingredienzien, um gegen Lewis Hamilton Weltmeister zu werden. Und so, wie ich ihn jetzt erlebe, ist er wirklich gut drauf.“

Gewinner des Duells im Weltmeister-Team sind die Fans. Denn schon am Rennsonntag in Melbourne kommt es zu einer neuen Aufführung von „Der Feind in meinem Team“.

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