Neue Regeln, große Hoffnung: Die Formel 1 schraubt am Energiemanagement für besseres Racing und mehr Sicherheit. Doch kommt der Effekt schon in Miami an? Ex-Pilot David Coulthard mahnt zur Geduld.
Greifen die überarbeiteten Regeln zum Energiemanagement der Formel-1-Autos schon am Wochenende in Miami? Werden die Fans wieder bessere Rennen sehen – mit Überholmanövern, die vom Fahrer ausgehen und nicht von Batterien fremdbestimmt sind?
Vorgeschichte: Nach einer fünfwöchigen Pause zwischen den Rennen in Japan und Miami hatten sich die FIA, das Formel-1-Management sowie die Teams intensiv über Änderungen am Reglement ausgetauscht und an entsprechenden Stellschrauben gedreht.
Hintergrund waren unter anderem Diskussionen über das Energiemanagement sowie Sicherheitsbedenken nach dem heftigen Unfall von Haas-Pilot Oliver Bearman in Suzuka.
Formel 1 passt Regeln zum Energiemanagement an
Im Kern zielen die Anpassungen vor allem auf das Energiemanagement ab. So wird unter anderem das sogenannte Super-Clipping angehoben: Künftig dürfen die Autos die volle elektrische Leistung von 350 Kilowatt häufiger nutzen, statt wie bisher stärker durch Limits (250 kW beim Super Clipping) eingebremst zu werden.
Gleichzeitig wird im Qualifying weniger Energie zurückgewonnen. Das sogenannte Harvesting-Limit sinkt von acht auf sieben Megajoule. Die Folge: Die Fahrer sollen weniger mit Energiesparen beschäftigt sein und stattdessen wieder mehr am absoluten Limit fahren.
Mehr Sicherheit durch weniger Tempo-Unterschiede
Zusätzlich greift die FIA auch bei der Energieabgabe ein, um Sicherheitsrisiken zu reduzieren. In bestimmten Streckenabschnitten wird die Leistung begrenzt, während sie auf Geraden voll zur Verfügung steht.

Damit sollen extreme Geschwindigkeitsunterschiede – wie sie etwa beim Unfall von Bearman eine Rolle spielten – künftig vermieden werden. Ergänzt wird das Paket durch ein neues Start-Sicherheitssystem, das bei schwachem Anfahren automatisch zusätzliche Leistung bereitstellt.
Coulthard: „Noch keine Wirkung in Miami“
Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard glaubt dennoch nicht an einen großen Effekt der Regel-Updates in Miami. Der 13-fache GP-Sieger sagt im Podcast „Up to Speed“: „Ich denke, in Miami werden wir die Ergebnisse dieser Änderungen nicht unbedingt sehen.“
Grund sei die Charakteristik der Strecke. Es gebe zu viele langsame und mittelschnelle Kurven, aber keine ikonischen Passagen, in denen sich außergewöhnliche fahrerische Leistungen besonders deutlich zeigen könnten. Coulthard: „Wir müssen dem Ganzen deshalb noch ein paar Rennen Zeit geben.“
Weniger Überholmanöver – aber bessere?
Langfristig erwartet der Schotte jedoch durchaus Veränderungen – vor allem beim Racing selbst. Möglich sei, dass es künftig weniger Überholmanöver gibt, diese dafür aber mehr Substanz haben.
„Ich denke, wir werden vielleicht weniger dieser Überholmanöver auf der Strecke sehen, aber sie werden bedeutungsvoller sein“, so Coulthard. „Es wird mehr darum gehen, wie der Fahrer das Auto positioniert und versucht, den Windschatten zu nutzen. Ja, man wird immer noch ein Element des Boosts haben, aber das war im Grunde das, was DRS in den vergangenen Jahren auch war. Ich bin also optimistisch.“
Allein: In Miami könnte der Fan davon noch nicht viel sehen. Man darf dennoch gespannt sein, welches erste Fazit die Fahrer nach den Regelanpassungen ziehen werden.
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