Zehn Jahre nach Rosberg gegen Hamilton steuert Mercedes wieder auf einen teaminternen WM-Kampf zu. Kimi Antonelli verrät, was ihm Toto Wolff dafür mit auf den Weg gegeben hat.
Senna gegen Prost, Rosberg gegen Hamilton – und dieses Jahr vielleicht Antonelli gegen Russell? Teamduelle um die Weltmeisterschaft sind in der Formel 1 immer etwas ganz Besonderes. Dank Mercedes‘ dominanter Form sieht es so aus, als stünde WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli mit gerade einmal 19 Jahren nun genau ein solches gegen Stallkollege George Russell bevor. Doch hat der Youngster die legendären Teamkämpfe der Vergangenheit eigentlich mal genauer studiert, um daraus etwas für sich zu lernen?
„Ich habe mir natürlich schon ein paar dieser Duelle angeschaut, auf jeden Fall waren einige davon ziemlich am Limit“, sagt Antonelli zu F1-Insider: „Was ich daraus aber hauptsächlich mitnehme, ist, dass du so konstant wie möglich sein musst, im Laufe der Weltmeisterschaft jedes Mal versuchen musst, die Performance und die Resultate zu maximieren, wann immer du auf die Strecke gehst. Einfach so viele Punkte zu holen wie möglich, aggressiv zu fahren, aber auch clever.“

Wolff hat Antonelli von Rosberg gegen Hamilton erzählt
Dann fügt Antonelli den entscheidenden Satz an: „Du musst dabei auch versuchen, den Gegner auszutricksen.“ So wie zuletzt in Kanada, als sich der Italiener sowohl im Sprint als auch im Rennen rundenlang ein wildes Katz- und Maus-Spiel um die Führung mit Russell lieferte. Dabei ist sich der Mercedes-Pilot bewusst: „Diesmal ist es bislang auch ein interner Kampf, und gegen deinen Teamkollegen fährst du natürlich ein bisschen anders, weil du kein Chaos im Team anrichten willst.“
Antonelli denkt lieber langfristig: „Am Ende des Tages sind George und ich in einer großartigen Position, um etwas wirklich Großes zu erreichen, etwas, wovon wir lange geträumt haben. Aber gleichzeitig wollen wir auch nicht das Klima im Team ruinieren, denn wir haben eine sehr gute Dynamik.“ Deshalb steht für ihn fest: „Wir wissen, dass wir auf der Strecke für uns selbst fahren, wir wollen gewinnen und der Beste sein. Aber gleichzeitig wollen wir auch das Beste für das Team und nicht eine Situation wiederholen wie bei Lewis und Nico, wo das Teamklima intern nicht mehr das Beste war.“
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Genau zehn Jahre nachdem das Duell der „Silberfeinde“ in mehreren Crashs gipfelte, hat Antonelli das beste Beispiel quasi im eigenen Team – dafür, wie es nicht sein sollte: Die alten Geschichten seines Teamchefs Toto Wolff über die verbitterte Fehde zwischen Hamilton und Rosberg „haben mir natürlich viel erklärt, wie es innerhalb des Teams aussah, auch wie sich die beiden Fahrer verhalten haben“, sagt Antonelli am Rande der Lorenzo-Bandini-Trophäe zu F1-Insider – und fügt in Bezug auf seinen Boss schmunzelnd an: „Er hat mir das Gute an diesem Kampf erzählt, aber auch das Schlechte. Er hat mir gesagt, ich soll das Schlechte nicht wiederholen, nur die guten Aspekte.“
Für das Duell mit Russell heißt das: „Wir werden natürlich weiterhin hart gegeneinander Rennen fahren, aber wir werden versuchen dabei so fair wie möglich zu sein, um Unfälle oder Kontakte zu vermeiden. Schließlich wollen wir das Beste fürs Team, dass Mercedes gewinnt. Wir werden sicher mit harten Bandagen kämpfen, aber auf eine faire Art und Weise.“ Dass zuletzt in Kanada allerdings nicht viel zum Crash fehlte, das räumt auch Antonelli ein: „Ja, aber wir haben zum Beispiel schon nach dem Sprintrennen ein gutes Meeting gehabt, wir haben gesprochen und all die Dinge geklärt, das war für mich das Wichtigste.“

Grundsätzlich hat Antonelli Verständnis für die Zwickmühle, in der sich die Boxenmauer befindet: „Es ist natürlich wirklich hart Fahrer einzubremsen, die jedes Wochenende um den Sieg oder im Moment sogar eine Weltmeisterschaft kämpfen. Es liegt also wirklich an uns, fair Rennen zu fahren, mit Respekt. Wenn das Team aber das Gefühl hat, dass wir etwas zu hart gegeneinander fahren, es etwas zu eng ist, dann werden sie uns sagen, es etwas ruhiger angehen zu lassen.“
Dabei ist der WM-Führende überzeugt: „Das Team will aber, dass wir frei fahren, denn sie wissen auch, dass sie – besonders durch den Umstand der Position, in der wir gerade sind – uns nicht wirklich an die Leine nehmen können. Sie wollen aber auch sicherstellen, dass es keine unangenehme Situation gibt.“ In diesem Fall könnte der Mercedes-Kommandostand sehr wohl ein Machtwort aussprechen: „Wenn sie dieses Gefühl in den nächsten paar Rennen haben, dann werden sie uns anweisen, ein bisschen mehr Spielraum zu lassen. Aber im Moment lassen sie uns noch frei fahren, weil sie uns auch vertrauen, weil sie wissen, dass wir nichts zu Dummes machen würden.“
Ein Szenario wie im Vorjahr bei McLaren, als sich das Team mit den so genannten „Papaya Rules“ diverse Male zugunsten von Lando Norris in den teaminternen WM-Kampf einmischte, kann sich Antonelli aber nicht vorstellen, winkt beim Reizwort der vergangenen Saison nur lachend ab: „Nein, nein, nein!“ Im Sinne des Sportsgeistes setzt Mercedes lieber auf Eigenverantwortung statt künstlicher Eingriffe – zumindest so lange, bis es das erste Mal kracht.
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