Der WM-Kampf zwischen Mercedes und Ferrari wird immer heißer – jetzt auch neben der Strecke. Frederic Vasseur kontert Vorwürfe von Toto Wolff.
Eigentlich gelten sie als gute Freunde. Doch im Kampf um die Formel-1-Krone hört die Freundschaft offenbar auf.
Zwischen Mercedes-Teamchef Toto Wolff (54) und Ferrari-Boss Fred Vasseur (58) herrscht vor dem Großen Preis von Großbritannien in Silverstone dicke Luft.
Der Grund: Ferraris Aufholjagd. Die Scuderia entwickelt den SF-26 seit Saisonbeginn konsequent weiter, brachte bereits mehrere große und kleine Updates. Mit Erfolg: In Barcelona feierte Lewis Hamilton (41) seinen ersten Grand-Prix-Sieg für Ferrari – und fügte Mercedes die erste Sonntagsniederlage der Saison zu. Auch im Sprintqualifying von Silverstone holte Lewis Hamilton die Pole.
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Doch genau diese Entwicklung sorgt jetzt für Diskussionen.
Wolff wundert sich über Ferrari-Tempo
Der Mercedes-Boss stellte zuletzt öffentlich die Frage, wie lange Ferrari dieses Tempo angesichts der Budgetobergrenze der Formel 1 überhaupt halten könne. Wolff: „Wir sind ein wenig überrascht, dass Ferrari das Auto in dieser Form mit so riesigen Updates überschütten kann.“
Der Österreicher weiter: „Meiner Meinung nach müsste ihnen bald das Geld aus dem Cost Cap ausgehen. Wir können das nicht tun. Uns fehlt schlichtweg der Puffer unter der Budgetobergrenze, um so viele Teile auf diese Weise zu bringen.“

Indirekt kann man das als Schummel-Vorwurf lesen. Denn immer wieder wird hinter vorgehaltener Hand in der Formel 1 spekuliert, dass die Herstellerteams auch Ressourcen ihrer Mutterfirmen nutzen, um das Auto zu verbessern. Allein: Wird diese Hilfe nicht entsprechend dokumentiert, könnte sie die Budgetobergrenze unterlaufen.
Logisch, dass die Aussagen bei Ferrari gar nicht gut ankamen.
Vasseur kontert: „Dann schummeln wir“
In Silverstone schlug Vasseur also zurück – und das ungewohnt deutlich. „Ich empfand die Kommentare von Toto als durchaus ironisch. Gerade von Toto und Mercedes“, so der Ferrari-Teamchef, der sein Team zu Unrecht am Pranger sieht. „Wenn Red Bull oder Mercedes entwickeln, dann gelten sie als Genies. Wenn wir entwickeln, dann schummeln wir.“
Für Vasseur geht die Diskussion in eine klare Richtung. Auf die Frage, ob er Wolffs Aussagen als indirekten Betrugsvorwurf verstehe, antwortete der Franzose: „Nun, wenn du denkst, dass wir über der Budgetobergrenze liegen, dann geht das in diese Richtung.“

Sein Standpunkt: Ferrari bewegt sich im erlaubten Rahmen. Vasseur: „Wir haben nicht mehr Teile an den Start gebracht als Red Bull oder irgendjemand anderes. Ich weiß nicht, ob das ein Scherz sein sollte.“
Ferrari erklärt Update-Offensive
Dass die Scuderia früh in der Saison viele neue Teile bringt, ist laut Vasseur kein Zufall, sondern Teil der Strategie. „Wenn wir etwas am Anfang des Jahres bringen können, dann machen wir das“, erklärt der Ferrari-Capo. „Es ist besser, in den ersten fünf Rennen ein paar Zehntel in der Hand zu haben, als nur in den letzten beiden.“
Gleichzeitig bremst Vasseur die Erwartungen: Nicht jedes neue Teil sei automatisch ein riesiger Sprung. „Manchmal hat man vielleicht das Gefühl, dass wir ein großes Upgrade bringen, aber es handelt sich nur um die Anpassung einiger Teile, nicht mehr.“
Der WM-Kampf wird zum Psychospiel
Der verbale Schlagabtausch zeigt: Im Duell Mercedes gegen Ferrari geht es längst nicht mehr nur um Rundenzeiten. Auch neben der Strecke beginnen die klassischen Formel-1-Machtspielchen.

Trotz des Hamilton-Sieges in Spanien bleibt Vasseur dabei vorsichtig: „Wir haben im Set-up und im Reifenmanagement noch viel Luft nach oben. Und das ist manchmal noch größer als das Upgrade selbst.“
Seine Botschaft im hitzigen Duell mit Mercedes: „Wir müssen einfach gelassen bleiben.“
Ob das auch für Wolff und Vasseur gilt, wird sich zeigen. Denn aus Freunden sind im Titelkampf plötzlich Gegner geworden.
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