Ferrari verlor den GP in Mexiko trotz eines Starts aus der ersten Reihe. Das zeigt auch: Die Roten sind noch nicht da, wo sie sein wollen

Bei Ferrari ist Ernüchterung eingetreten nach dem GP von Mexiko. Das Rennen in über 2000 Meter Höhe in der Mittelamerika-Metropole brachte der Scuderia die Erkenntnis: Mercedes ist im Rennen noch nicht in Reichweite. Der gute Speed auf einer Qualifyingrunde ist zu wenig, um Mercedes eine ganze Saison lang herauszufordern. Ferrari hinkt noch in zu vielen Punkten hinterher.

Seb running in mexico 2019

Baustelle 1: die Strategie. Mercedes ist in diesem Bereich eine Klasse für sich. Die Simulationsprogramme der Deutschen sind treffsicher. Bei Ferrari spielt immer noch Unsicherheit mit. Das wurde besonders in Mexiko deutlich. Weil Mercedes konsequent mit beiden Piloten ein Einstopp-Rennen durchzog und Chefstratege James Vowles Lewis Hamilton einen ultralangen 48-Runden-Stint auf harten Pneus zutraute, gewann der Brite das Rennen (von Platz drei gestartet). Teamkollege Valtteri Bottas (von Platz 6 ins Rennen gegangen) fuhr trotz seines Unfalls im Qualifying noch aufs Podium. 

Ferrari splittete seine beiden Piloten auf. Die Strategen waren sich nicht sicher, ob man mit dem harten Reifen mehr als 40 Runden fahren konnte. Leclerc stoppte deshalb zweimal, Vettel nur einmal, dafür aber später als Hamilton. 

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt zu: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Reifen so lange halten. Vielleicht hätten wir mutiger sein sollen.“ Für Leclerc, obwohl von der Poleposition gestartet, war so nur Platz vier möglich. Und Vettel, von Platz zwei aus ins Rennen gegangen, konnte sich am Ende gerade noch Bottas vom Hals halten. 

Hinterher sagte er kryptisch: “Vielleicht hätten wir mit besserer Zusammenarbeit etwas besser ausgesehen.” Ob der Deutsche damit die Kommunikation mit den Strategen meint oder das gespaltene Verhältnis zu seinem Teamkollegen, ließ er freilich offen.

Baustelle 2: das Auto. Mercedes-Teamchef Toto Wolff geht es nicht um Mut zum Risiko, sondern ums beste Auto.  „Es geht nicht darum, schlauer zu sein“, sagt er. „Um eine bestimmte Strategie zum Funktionieren zu bringen, brauchst du am Sonntag eine schnelles Auto und exzellente Fahrer. Nur so kannst du den Vorteil eines Undercuts oder Overcuts auch nutzen.“ 

Das Problem: Ferrari ist auf eine schnelle Runde am Samstag extrem stark. Sechs Poles in Serie sprechen eine klare Sprache. Doch am Sonntag hat Mercedes das bessere Paket.

Baustelle 3: die Boxenstopps. Diesmal klemmte bei Charles Leclerc das Hinterrad. Er stand 6,2 Sekunden statt 2,5. Auch Vettel kennt entsprechende Probleme bei Ferrari. Mercedes ist in diesem Bereich deutlich perfekter. Teamchef Binotto ist jetzt gefordert, die Stopps drastisch zu verbessern.

Baustelle 4: Der Umgang mit den Reifen. Ferrari hat sich zwar verbessert, ist aber immer noch nicht gut genug. Der geringere Reifenverschleiß brachte Mercedes am Ende den Sieg. Lewis Hamilton weiß: „Ferrari ist schneller beim Topspeed, hat aber weniger Anpressdruck. Am Sonntag nutzen wir dank unseres Abtriebsvorteils die Reifen besser und sind deshalb etwas flexibler bei der Strategie.“

Sebastian Vettel stellt ebenfalls trocken fest: “Mercedes ist im Rennen einfach schneller. Das konnte man sehen. Besonders in den schnellen Kurven verloren wir die Zeit. Dort rutschte unser Auto zu viel, was wiederum die Reifen zu sehr belastete. In der Qualifikation überspielen die neuen Reifen unsere Schwäche beim Abtrieb.“

Fest steht: Will Ferrari im nächsten Jahr Mercedes schlagen, müssen sie sich am meisten in diesen vier Bereichen verbessern.

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