Vor zehn Jahren schrieb Max Verstappen in Barcelona Formel-1-Geschichte. Jetzt erinnert sich der Red-Bull-Star emotional an seinen ersten Grand-Prix-Sieg – und sogar an die Tränen seines Vaters.
Wer Max Verstappen derzeit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern will, der muss ihn entweder auf der Nordschleife fahren lassen oder mit ihm eine Reise in die Vergangenheit machen. Ansonsten macht der Superstar der Formel 1 angesichts der momentanen, vom zu großen Energiemanagement beeinflussten Regeln in der Königsklasse des Automobils maximal gute Miene zum seiner Meinung nach bösen Spiel.
Vergangene Woche faszinierte der Niederländer beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring Fahrer, Fans und die gesamte Fachwelt mit seiner spektakulären Fahrweise, besonders in der „Grünen Hölle“ der Nordschleife. Lange Zeit sah er mit seinem in Red-Bull-Farben gestalteten Mercedes-AMG, den er sich mit Daniel Juncadella, Jules Gounon und Lucas Auer, dem Neffen von GP-Ikone Gerhard Berger, teilte, wie der Sieger aus – erst ein Defekt drei Stunden vor Rennende stoppte das Quartett.
Trotzdem reiste Verstappen nach Überwindung des anfänglichen Frusts glücklich aus der Eifel ab und versprach seinen Fahrerkollegen intern, im nächsten Jahr wiederzukommen.
Max Verstappen und Die Erinnerungen an Barcelona 2016
Auch in Montreal, wo am Wochenende der Große Preis von Kanada stattfindet, gelingt es Red Bull, seinem wertvollsten Gut trotz allen Fahrfrusts in der Formel 1 Freude zu bereiten. Der Grund: Das österreichische Team setzt Verstappen in die Zeitmaschine und feiert das zehnjährige Jubiläum des ersten von mittlerweile 70 Grand-Prix-Erfolgen seines „fliegenden Holländers“.

Der Große Preis von Spanien 2016 in Barcelona, das erste Rennen Verstappens im Red-Bull-Hauptteam, wurde historisch. Mit 18 Jahren und 228 Tagen wurde der Niederländer der jüngste Formel-1-Sieger aller Zeiten – und blieb es bis heute.
Auch heute noch kommen sentimentale Gefühle auf, wenn Verstappen davon erzählt: „Es war ein ganz besonderes Gefühl. Natürlich hatte ich nicht erwartet zu gewinnen; nachdem die beiden Mercedes ausgeschieden waren, peilte man eher einen Podiumsplatz an. Aber am Ende ganz oben zu stehen, war unglaublich.“
Und weiter: „Zum ersten Mal die niederländische Nationalhymne in der Formel 1 zu hören – da musste ich natürlich an meinen Vater denken. Man hat mir damals erzählt, dass er sogar bei der Siegerehrung vor Glück geweint hat. Also ja, es war unfassbar. Er hatte sehr viel Zeit in mich investiert, und dieser Erfolg war deshalb natürlich auch sein Verdienst.“
Verstappen erinnert sich auch noch genau an die Schlussphase des Rennens: „Ich war nicht nervös, ich habe einfach versucht, mich zu konzentrieren und so gut wie möglich zu fahren. Wir haben uns sehr darauf fokussiert, die Reifen am Leben zu halten, weil ich nach meinem letzten Stopp noch 32 Runden bis zum Ziel fahren musste. Aber es hat gut funktioniert.“
Selbst Helmut Marko war überwältigt
Auch für den damaligen Red-Bull-Chefberater und Mentor Verstappens war es ein emotionaler Moment und zugleich ein Meilenstein. Helmut Marko erinnert sich bei F1-Insider: „Beim Rennen in China zuvor hatte Daniil Kvyat einige Kollisionen. Er wirkte übermotiviert und überfordert. Deshalb mussten wir reagieren. Wir hatten den jungen Löwen aus Holland, der im Juniorteam Toro Rosso fuhr und mit seinen Krallen scharrte, um aus seinem Käfig befreit zu werden.“

Selbst der erfahrene Marko war anschließend überrascht. „Von hinten drängte Kimi Räikkönen im Ferrari immer mehr. Der Finne hatte die frischeren Reifen und eigentlich gab es keine realistische Chance, ihn halten zu können. Doch Max fuhr unglaublich. Runde für Runde hielt er Räikkönen hinter sich.“
Heute gibt Marko zu, damals ebenfalls emotional geworden zu sein: „Natürlich ging mir das Herz auf. Es war auch eine Genugtuung, weil ich viel Spott erntete, als ich Max schon mit 17 in die Formel 1 holte und sagte, er wäre der neue Senna. Heute lacht niemand mehr darüber.“
Hoffnung auf die nächste Aufholjagd
In Montreal dürfte Verstappen trotz Jubiläumsstimmung allerdings kein einfacher Sieg bevorstehen. Der Rückstand von Red Bull auf Mercedes scheint aktuell noch zu groß. Trotzdem sieht Marko einen Hoffnungsschimmer: „Wir haben beim letzten Rennen den Rückstand zu Mercedes halbiert.“
Intern spricht man noch von rund fünf Zehntelsekunden pro Runde. Marko glaubt jedoch: „Drei Zehntel Rückstand kann Max mit seinem außergewöhnlichen Talent wettmachen. Ich hoffe daher, dass Red Bull noch die letzten zwei Zehntel findet.“
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