Vettel im Gespräch mit seinem Renningenieur Riccardo Adami

Für den Star wird die neue Fabrik endlich fertiggestellt, der Simulator verbessert – und viele seiner Wegbegleiter kommen mit. Der Artikel von meiner Kollegin Bianca Garloff und mir in SPORT BILD 4/15.

Für Sebastian Vettel (27) begann das neue Arbeitsjahr am 14. Januar im Risto­rante Montana. In Ferraris Stamm-Gaststätte ließ er sich mit Volleyballspielerinnen fotografieren, die dort ebenfalls aßen – und die ihn um einen Kopf überragten. Vettel lächelte tapfer. Bei Ferrari fühlt er sich wie im Märchen. Er macht jetzt sogar Selfies. Die hat er bei Red Bull immer abgelehnt.

Vettel mit einer Volleyballspielerin im Ristorante La Montana. Credit: Twitter
Vettel mit einer Volleyballspielerin im Ristorante La Montana. Credit: Twitter

Nach dem Teamabend mit – typisch italienisch – Rotwein auf dem Tisch lernte Vettel auf Wunsch seines Teamchefs den Rest der rund 700 Mann starken Mannschaft kennen – und verbrachte einen Großteil seiner Zeit im Simulator. In der sechs Millionen Euro teuren Riesen-Spinne aus Kohlefaser pilotiert der Vierfach-Weltmeister virtuell schon jetzt sein neues Auto, das am 30. Januar offiziell im Internet präsentiert werden soll.

Den Simulator hat Ferrari schon seit 2010, für Vettel wird er aber noch einmal weiterentwickelt. Und: Die Scuderia hat den gefeuerten Ex-Toro-Rosso-Piloten Jean-Éric Vergne (24) als Simulator-Tester angeheuert. Eigentlich hatte Vettel den Red-Bull-Simulator-Profi Sébastien Buemi empfohlen. Doch der wollte nicht. Bei Red Bull lacht man sich ins Fäustchen. „Vergne war unser schlechtester Simulator-Pilot“, heißt es dort.

Egal. Ferrari rüstet auf für Vettel – und das um jeden Preis! Die neue, hochmoderne Fabrik, an der  schon seit mehreren Jahren gebaut wird, soll noch im ersten Quartal 2015 fertig werden. Außerdem planen die Roten einen Hightech-Motorprüfstand für geschätzte 40 Millionen Euro. Die österreichischen Antriebsexperten von AVL sollen die Anlage in einem eigenen Gebäude zum Laufen bringen. In der Grazer Firma hatte 2014 schon Red-Bull-Renault Vettels Motor flottgemacht – mit ­Vergne am Steuer! Auf einem Rollband kann der gesamte Hybridantrieb getestet werden. So eine Anlage hat sonst nur Mercedes.

Indes hat der neue Ferrari-Präsident Sergio Marchionne den Renn­stall weiter ausgemistet. Chef­ingenieur Pat Fry und Aerodynamik-Boss Nikolas Tombazis mussten gehen. Sie galten schon lange als Bremsklötze. Besorgnis­erregend ist allerdings: Mit Jock Clear (neuer Chefingenieur, von Mercedes) gab es neben Teamchef Maurizio Arrivabene (57, Ex-Marl­boro-Europachef) bislang erst einen nennenswerten Zugang.

Wie sehr man die Mannschaft trotzdem um Vettel herum baut, zeigt die Verpflichtung eines neuen Kommunikationschefs. Der Italiener Alberto Antonini wurde zwar auch wegen seines Fachwissens als ehemaliger Formel-1-Reporter eingestellt – vor allem aber, weil er perfekt Deutsch spricht. Und: Vettels persönliche Pressesprecherin Britta Roeske darf genauso im Windschatten des Champions bleiben wie sein Arai-Helmbetreuer Peter Bürger. Dafür kündigt Ferrari sogar den Exklusiv-Vertrag mit dem deutschen Helmhersteller Schuberth.

Auch politisch hat Oberboss Marchionne das Feld für 2015 ­bestellt: Weil seine Techniker eine Lücke im Regelwerk gefunden haben, dürfen alle Hersteller die ­Antriebseinheit während der Saison weiterentwickeln. Das war Ferrari besonders wichtig. Marchionne: „Ich betrachte das als Erfolg und hoffe, dass wir zum Ende der Saison – in den letzten fünf, sechs GP – die verbesserte Performance sehen.“

Das Problem: Wie soll Ferrari aufholen, wenn auch Mercedes weiter an seinen ohnehin überlegenen Aggregaten tüfteln darf? Ex-Ferrari-Star und Toro-Rosso-­Teamchef Gerhard Berger prophezeit deshalb: „So wie ich Sebastian kenne, wird er nach vier Rennen erstmals auf den Tisch hauen, weil er keine Lust hat, noch bis 2016 auf Siege zu warten.“

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here