Formel 1

Loch in der Nase: Der neue Technik-Trick der Formel 1

Formel 1 Mercedes Test Barcelona 2026
Credit: Steve Etherington/Mercedes

Ein kleines Detail sorgt für großes Rätselraten: Warum Red Bull, McLaren und Mercedes bei ihren neuen Formel-1-Autos ein Loch in der Nase haben – und was wirklich dahintersteckt.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Ein kleines Detail sorgt für großes Rätselraten: Warum Red Bull, McLaren und Mercedes bei ihren neuen Formel-1-Autos ein Loch in der Nase haben – und was wirklich dahintersteckt.

Drei Teams, ein Detail – und jede Menge Rätselraten in der Formel-1-Szene. Red Bull Racing, McLaren und Mercedes haben bei ihren neuen Autos für 2026 etwas gemeinsam: ein auffälliges Loch oben in der Nase. Zufall? Ganz sicher nicht.

Gerade Mercedes liefert derzeit das meiste Anschauungsmaterial. Während viele Teams ihre echten Autos bislang lieber verstecken, zeigte der Rennstall aus Brackley beim Shakedown in Silverstone und bei den Tests in Barcelona mehrere hochauflösende Bilder. Und genau dort fiel Technik-Fans ein entscheidendes Detail auf.

Mercedes ohne Stellschrauben

Beim neuen Mercedes W17 wirkt der Frontflügel auffallend aufgeräumt. Auf der Oberseite fehlen die klassischen Stellschrauben zur Flap-Verstellung, wie man sie etwa von Ferrari kennt. Die Frage lag auf der Hand: Wie wird der Frontflügel beim Boxenstopp angepasst?

Die Antwort steckt offenbar im Loch auf der Nase. Zwischen den Sponsorenlogos sitzt eine kleine Öffnung, bei Mercedes sogar hell markiert. Dahinter dürfte sich ein zentraler Verstellmechanismus verbergen, der es erlaubt, den kompletten Frontflügel über einen einzigen Zugangspunkt zu justieren.

Formel 1 Mercedes Test Barcelona 2026
Credit: Steve Etherington/Mercedes

Beim genaueren Vergleich zeigt sich: Auch Red Bull und McLaren haben ein solches Loch in der Nase – allerdings ohne farbliche Markierung. Und auch dort fehlen die klassischen Stellschrauben an den Flügel-Elementen.

Der Clou an der Lösung: Statt wie früher beide Flügelseiten getrennt zu verstellen, genügt nun ein Mechaniker, der den gesamten Flügel in einem Zug verändert. Das spart Zeit, reduziert Fehler – und sorgt dafür, dass beide Seiten garantiert auf dem gleichen Niveau stehen. Aerodynamisch bringt das ebenfalls Vorteile, weil störende Schrauben und Kanten entfallen.

Der Nachteil: Der Mechaniker muss sich beim Einstellen weiter nach innen beugen. Doch für ein paar Zehntel in der Boxengasse nimmt man das offenbar gern in Kauf.

Mercedes geht noch einen Schritt weiter

Beim Mercedes-Frontflügel fällt zudem die spezielle Aufhängung auf. Während andere Teams die Halterungen weit vorne am Hauptblatt platzieren, docken sie beim W17 weiter hinten am zweiten Element an. Die Folge: Nur der oberste Flap ist beweglich.

Mit dem neuen Reglement zur aktiven Aerodynamik dürfen eigentlich beide Flaps flachgestellt werden, um auf Geraden den Luftwiderstand zu senken. Mercedes nutzt diese Freiheit nur teilweise – und setzt offenbar auf eine besonders stabile Strömung im zentralen Bereich.

Auch die Form der Flaps ist auffällig. Beim Mercedes verläuft die Kante fast gerade von der Nase bis zu den Endplatten. Bei Red Bull, McLaren oder Ferrari ist sie deutlich stärker nach oben gezogen, um die Luft aggressiver nach außen zu lenken.

Hinzu kommt: Beim Aktivieren des Front-DRS scheint sich beim Mercedes nur der äußere Bereich des Flaps zu bewegen. Der innere Teil bleibt stabil und leitet die Luft kontrolliert unter das Auto – ein Hinweis darauf, dass hier Abtrieb und Balance wichtiger sind als maximaler Top-Speed.

Fazit

Das Loch in der Nase ist kein Design-Gag, sondern ein cleverer Technik-Trick. Red Bull, McLaren und Mercedes setzen auf zentralisierte Frontflügel-Verstellung, Mercedes treibt das Konzept besonders weit. Noch ist unklar, welche Lösung sich durchsetzt – klar ist aber: Die Detail-Schlacht der neuen Formel-1-Generation hat längst begonnen.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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