Nach zwei Testwochen ist die Stimmung bei Aston Martin alles andere als gelassen. Lance Stroll spricht offen von massivem Rückstand.
Die ersten zwei Testwochen der Formel 1 gehen zu Ende und bei Aston Martin schrillen die Alarmglocken. Während die Konkurrenz in Bahrain Runde um Runde abspult, kämpft das Team aus Silverstone mit massiven Kinderkrankheiten. Lance Stroll fand deshalb ungewöhnlich deutliche Worte.
„Wir haben wahrscheinlich 400 Runden weniger als die Konkurrenz“, rechnete der Kanadier am Donnerstag vor. Eine Übertreibung ist das nicht. Fast den gesamten Barcelona-Shakedown verpasste Aston Martin, weil das Auto nicht rechtzeitig fertig wurde.
Aston Martin: Teamchef Newey gerne mal spät dran
Typisch Adrian Newey: Der Daniel Düsentrieb der Formel 1 ist gerne mal spät dran. Bei Red Bull soll der neue Teamchef von Aston Martin mal 23 Crashtests für einen Frontflügel gebraucht haben, so jedenfalls die Erzählung, von der F1-Insider erfuhr.
Doch nicht nur die Laufleistung bereitet Sorgen. Auch die Pace stimmt nicht. Stroll spricht von einem Rückstand von rund viereinhalb Sekunden auf die Spitze. Natürlich sind Testzeiten mit Vorsicht zu genießen: unterschiedliche Benzinmengen, Programme und Motor-Modi verzerren das Bild. Doch der Abstand ist eklatant.

Schon in Barcelona hatte Fernando Alonso rund 4,4 Sekunden auf die Bestzeit verloren. In Bahrain wiederholte sich das Bild. Gleichzeitig fuhr Aston Martin ein konservatives Programm. Auf der Zielgeraden blieb der AMR26 häufig unter 300 km/h, die Drehzahlen wurden gedeckelt. Der Motor lief teilweise unter 11.000 Umdrehungen pro Minute – offenbar aus Vorsicht.
Derweil dringt über den Äther von Radio Fahrerlager, dass der Honda-Motor tatsächlich ein großes Problem haben soll. Experten vergleichen die Situation schon mit 2015 bis 2017. Sie erinnern sich wahrscheinlich an den berühmten „GP2-Engine“-Vergleich von Fernando Alonso!?
Stoll räumt ein: „Wir haben Motorprobleme, aber nicht nur Motorprobleme.“
Zusätzliche Kiemen in der Karosserie
Auffällig sind jedenfalls die zahlreichen zusätzlichen Öffnungen in der Motorabdeckung. Die „Kiemen“ deuten auf Kühlprobleme hin. Das extrem schlanke Design des neuen Autos wirkt optisch aggressiv, könnte aber in Kombination mit dem Honda-Antrieb an thermische Grenzen stoßen. Mehr Luftauslässe bedeuten jedoch auch aerodynamische Nachteile.
Stroll macht keinen Hehl aus der Lage. „Wir stehen, wo wir stehen“, sagt er nüchtern. Als positives Detail nennt er das Wetter in Bahrain. Und die Lackierung. Ironie off.
Der Saisonauftakt in Australien ist nur wenige Wochen entfernt. Bis dahin muss Aston Martin nicht nur Runden sammeln, sondern auch Performance finden – im Chassis und vor allem im Antrieb. Denn, so der Sohn vom Teambesitzer: „Performance fällt nicht vom Himmel.“
Die Frage ist nicht mehr, ob Aston Martin aufholen muss. Sondern wie schnell sie das schaffen.
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