Formel 1

„Vollkatastrophe“ für Aston Martin: Newey ledert gegen Honda

Formel 1 Lance Stroll Aston Martin Australien 2026
Lance Stroll. Credit: Simon Galloway/LAT Images/Aston Martin

Aston Martin erlebt zum Start der neuen Formel-1-Saison ein böses Erwachen. Technikchef Adrian Newey räumt massive Probleme beim Honda-Motor ein.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Aston Martin erlebt zum Start der neuen Formel-1-Saison ein böses Erwachen. Technikchef Adrian Newey räumt massive Probleme beim Honda-Motor ein.

Das Aston Martin-Drama geht auch am Trainings-Freitag beim Großen Preis von Australien weiter. Im ersten freien Training konnte Fernando Alonso aufgrund von Problemen mit der Honda-Antriebseinheit gar nicht fahren, in der zweiten Sitzung belegten der Spanier und sein Teamkollege Lance Stroll die Plätze 20 und 21 – mit fünf und sechs Sekunden Rückstand!

Teamchef Adrian Newey hat derweil eingeräumt, dass das Team die Situation beim Motorpartner Honda lange falsch eingeschätzt hat. Der japanische Hersteller ist 2026 offiziell in die Formel 1 zurückgekehrt, nachdem Honda Ende 2021 seine Werkspartnerschaft mit Red Bull beendet hatte. Zwar unterstützte Honda weiterhin den Red-Bull-Motor im Hintergrund, doch beim Neustart des eigenen Programms offenbarte sich ein großes Problem. Viele erfahrene Ingenieure waren nicht mehr an Bord.

Newey erklärt Honda-Desaster

„Honda ist Ende 2021 ausgestiegen. Sie sind dann ungefähr Ende 2022 wieder eingestiegen – also etwa ein Jahr aus dem Wettbewerb heraus gewesen“, erklärt Newey in der offiziellen Pressekonferenz. „Als sie das Programm neu aufgebaut haben, stellte sich heraus, dass viele der ursprünglichen Mitarbeiter inzwischen nicht mehr dort waren. Sie arbeiteten inzwischen zum Beispiel an Solarpanels oder in anderen Bereichen.“ 

Formel 1 Adrian Newey Aston Martin Australien 2026
Adrian Newey. Credit: Joe Portlock/Getty Images/Aston Martin

Brain-Drain in Hondas Formel-1-Projekt! Nach Neweys Einschätzung bestand das neue Honda-Projekt demnach nur noch aus einem kleinen Teil der früheren Mannschaft. „Sie sind mit vielleicht nur rund 30 Prozent ihres ursprünglichen Teams zurückgekehrt – und das in einer Budget-Cap-Ära. Dadurch sind sie von Anfang an mit einem klaren Nachteil gestartet.“

Aston Martin erkannte das Problem spät

Besonders brisant: Aston Martin wusste offenbar lange nichts von dieser Situation. Auf die Frage, ob das Team bei Vertragsabschluss mit Honda im Mai 2023 über den Personalmangel informiert war, antwortete Newey klar: „Nein, das wussten wir nicht.“ Erst im November 2025 wurde dem Team das Ausmaß bewusst. Newey reiste damals gemeinsam mit Teamchef Lawrence Stroll und Motorenchef Andy Cowell nach Tokio.

Formel 1 Adrian Newey Aston Martin Bahrain Test 2026
Adrian Newey. Credit: Zak Mauger/LAT Images/Aston Martin

Newey: „Wir wurden uns dessen erst wirklich im vergangenen November bewusst, als wir nach Tokio gereist sind, weil Gerüchte aufkamen, dass Honda seine ursprünglichen Leistungsziele für das erste Rennen nicht erreichen würde.“

Die Folgen sind dramatisch. Statt um Siege zu fahren fährt das Aston Martin-Formel-1-Team um seinen Ruf. Der Grund: massive Vibrationen im neuen Antriebssystem. Diese beschädigen offenbar auch die Batterien des Hybrid-Systems. „Wir sind mit vier Batterien hierhergekommen“, verrät der Brite. „Bei zwei davon haben wir Probleme mit der Konditionierung oder der Kommunikation festgestellt.“

Damit stehen aktuell nur noch zwei funktionierende Batterien zur Verfügung – jeweils eine pro Auto. Newey: „Bei der Rate, mit der wir Batterien beschädigen, ist das eine ziemlich beängstigende Situation.“ Noch alarmierender: Ersatzteile gibt es offenbar nicht.

Glock schlägt Aston Martin-Alarm

Experte Timo Glock schlägt deshalb ebenfalls Alarm. Der frühere Formel-1-Pilot bezeichnete die Situation bei Sky als „desaströsen Beginn“ für die Partnerschaft zwischen Aston Martin und Honda. Besonders kritisch: Glock glaubt, dass die Probleme nicht nur die aktuelle Saison betreffen könnten. „Das ist ja ein grundlegendes Problem, dass man diese Vibrationen hat und dass man einfach meilenweit hinter den anderen Herstellern ist. Und das holst du dieses Jahr auf keinen Fall mehr auf“, so der Deutsche.

Nach Einschätzung des Sky-Experten droht Aston Martin dadurch auch langfristig ins Hintertreffen zu geraten. „Auch im nächsten Jahr ist man da schon im Hintertreffen“, warnt Glock. Die aktuelle Lage bezeichnete er deshalb als „eine Vollkatastrophe“ für das Team. 

Damit droht Aston Martin schon am ersten Rennwochenende der Saison ein Technik-Debakel. Ob beide Autos überhaupt starten können, ist derzeit noch offen.

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Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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