Bitterer Heim-Auftakt für Oscar Piastri: Der McLaren-Pilot crasht schon auf dem Weg zur Startaufstellung. Schuld war unerwarteter Leistungsschub des Hybrid-Antriebs.
Es war ein ernüchterndes Wochenende beim Großen Preis von Australien für die Konstruktionsweltmeister von McLaren. Champion Lando Norris wurde chancenlos nur Fünfter. Für seinen Teamkollegen Oscar Piastri endete der Große Preis von Australien, bevor er überhaupt begonnen hatte. Der McLaren-Pilot verlor auf der Fahrt zur Startaufstellung die Kontrolle über sein Auto und schlug in die Streckenbegrenzung ein.
Der Unfall passierte während der sogenannten Reconnaissance-Laps, mit denen sich die Fahrer vor dem Start auf das Rennen vorbereiten. In Kurve fünf brach das Heck des McLaren plötzlich aus. Piastri schlug mit der rechten Seite in die Mauer ein. Der Lokalmatador konnte den Wagen zwar selbstständig verlassen, doch sein McLaren war Schrott.
Piastri hatte plötzlich 136 PS mehr
Der Crash steht symptomatisch für die Abneigung, die das Team (wie viele andere auch) den neuen Regeln entgegenbringt. Denn Grund für den unerwarteten Schlenker des Papaya-Hinterteils war der Elektromotor, der jetzt 350 kW leistet und auch mal dann zusätzliche Leistung zuschaltet, wenn der Fahrer es gar nicht erwartet. „Ich war ein bisschen auf dem Kerb, aber als ich hochgeschaltet habe, hatte ich plötzlich rund 100 Kilowatt mehr Leistung, als ich das ganze Wochenende hatte“, verrät Piastri.

Heißt: Der Australier hatte unvermittelt rund 136 PS mehr Leistung beim Hochschalten, was auf dem Kerb natürlich sofort zu durchdrehenden Hinterrädern führen kann. „Beim Hochschalten kam sofort Wheelspin“, bestätigt der McLaren-Star. „Weil ich schon auf dem Kerb war, kam da einfach alles zusammen.“ Besonders bitter beim Heimrennen …
Dass diese Autos potenziell gefährlich sind, findet auch sein Teamkollege Norris. Der Brite beschwert sich über die künstlich herbeigeführten Überholmanöver. „Du kannst dabei 50 km/h Differenz haben“, erklärt er die aktuellen Duelle Mann gegen Mann. „Wenn du damit jemandem auffährst, gehst du einfach nur fliegen und dann fliegst du über den Zaun. Du kannst dir selbst und auch anderen ziemlichen Schaden zufügen.“
McLaren unzufrieden mit Nutzung des Mercedes-Motors
Fest steht: Mit 50 Sekunden Rückstand auf die Spitze hat McLaren dringenden Aufholbedarf. Und auch da kommen wieder die neuen Hybrid-Antriebseinheiten ins Spiel. Denn obwohl die Papaya-Renner mit Mercedes-Motoren fahren, können sie von der Stärke der Triebwerke bislang kaum profitieren. „Wir müssen diese Antriebseinheiten einfach besser verstehen“, gibt Geschäftsführer Zak Brown deshalb die Losung aus.
„Sie sind so komplex. Vielleicht fehlen uns da noch Kenntnisse. Wenn man sieht, wie die Energie abgegeben und zurückgewonnen wird, dann sind wir im Moment eben auf diesem Stand. Wir müssen weiter schauen und herausfinden, warum wir das nicht genauso hinbekommen, wie wir es bei anderen sehen.“
Ein kleiner Misstrauensantrag gegenüber Antriebslieferant Mercedes, der auch zeigt: Die neuen Triebwerke sorgen für eine gespaltene Formel 1.
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