Formel 1

Schumacher entsetzt über Onboard-Bilder aus Suzuka

Formel 1 Oscar Piastri McLaren Japan 2026
Oscar Piastri. Credit: Rudy Carezzevoli/Getty Images
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Formel 1 in Japan: Oscar Piastri setzt die Bestzeit in Suzuka, doch Mercedes ist auf den Longruns stärker. Ralf Schumacher klagt derweil über starke Rekuperation der Autos.

McLaren sendet im zweiten Training zum Japan-GP ein Lebenszeichen: Oscar Piastri fährt in 1:30,133 Minuten auf weichen Reifen die Bestzeit. 

Dahinter folgen George Russell und Kimi Antonelli im Mercedes; beide nur wenige Zehntel langsamer. „McLaren war echt schnell heute“, sagt Russell. „Das kam etwas überraschend. Wir müssen uns noch steigern.“

Verbales business as usual also in der Königsklasse, die in Suzuka auf eine ihrer besten und schnellsten Strecken trifft. Die sogenannten Esses gelten als extrem anspruchsvoll; die 130 R ist eine der gefürchtetsten Vollgaskurven im Kalender. Bisher jedenfalls. 

Ralf Schumacher im Live-Kommentar erschrocken

Hintergrund: Die neuen Autos mit 50 Prozent Elektroanteil erfordern ein ganz anderes Energiemanagement als in der Vergangenheit. Max Verstappen und Co. hatten sich darüber bereits intensiv beklagt, die Formel 1 besserte für Suzuka nach. Die maximal rekuperierbare Energie pro Runde wird im Qualifiying von 9 auf 8 Megajoule reduziert. 

Formel 1 Oscar Piastri McLaren Japan 2026
Oscar Piastri. Credit: Andy Hone/LAT Images

Ob das reicht, um aus den Energiemanagern im Cockpit wieder Helden zu machen?

Die Onboardaufnahmen aus dem Training deuten jedenfalls daraufhin, dass der alte Charakter des Suzuka International Racing Courses ein Stück weit verloren gegangen ist. Jedenfalls kann sich Co-Kommentator Ralf Schumacher bei Sky ein „Oh Gott“ nicht verkneifen, als er sieht, wie der Verbrennungsmotor am Ende der superschnellen Mutkurve 130 R in den Rekuperationsmodus schaltet und damit lange vor der Bremszone an Schub verliert. 

„Mit Runterschalten durch die 130 R“, stellt der Experte danach fest, „da kann man sich ja vorstellen, wie viel langsamer das ist. Hier in Suzuka brauchst du die Leistung unbedingt.“ Stattdessen wird die einstige Mutkurve zur Rollphase. Bis zu 40 km/h sind die Autos im spektakulären Linksknick jetzt langsamer.

Starke Mercedes-Longruns in Suzuka

Dazu kommt die Mercedes-Dominanz. Das Werksteam des deutschen Premiumherstellers gewann die ersten beiden Grand Prix des Jahres souverän. Und auch die McLaren-Bestzeit vom Suzuka-Freitag täuscht ein Stück weit über das wahre Kräfteverhältnis hinweg. 

Formel 1 George Russell Mercedes Japan 2026
George Russell. Credit: Jiri Krenek / ACTIVEPICTURES

Denn auf den Longruns zeigt sich ein anderes Bild: Mercedes ist über die Distanz konstanter unterwegs und wirkt aktuell auch schneller. Auch Ferrari ist im Renntrimm stärker einzuschätzen als McLaren. Charles Leclerc und Lewis Hamilton liegen im Training zwar nur auf den Plätzen fünf und sechs, sind aber in Schlagdistanz.

„Wir verlieren vor allem in den Highspeed-Kurven im ersten Sektor noch Zeit auf Ferrari und Mercedes“, erklärt McLaren-Teamchef Andrea Stella. Der Grund: Es fehlt an Grip. „Im Vergleich zu diesen Teams haben wir hier noch Defizite.“

Ein weiteres Thema bleibt die Zuverlässigkeit der amtierenden Champions. Lando Norris verliert im zweiten Training mehr als 20 Minuten wegen eines Hydraulik-Problems. Das passt ins Bild: Schon zuletzt in China konnten beide McLaren nicht einmal starten.

Audi mit Technik-Defekt und starker Zeit

Bei Audi läuft der Freitag ebenfalls nicht ganz reibungslos. Gabriel Bortoleto muss früh an die Box, später wird ein Getriebewechsel bestätigt. Trotzdem bleibt ein positives Signal: Nico Hülkenberg fährt auf Rang sieben und hält den Anschluss an die Topteams.

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Japan 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Ungewöhnlich deutlich liegt dagegen Red Bull zurück. Max Verstappen kommt nicht über Platz zehn hinaus, Teamkollege Isack Hadjar landet nur auf Rang 15. Angesichts dieser Schwäche dürfte der viermalige Weltmeister das Thema Energiemanagement erneut besonders kritisch sehen.

Formel 1 Japan Grand Prix 2026
2. Training, Ergebnis

PositionFahrerTeamZeitAbstand
1O. PiastriMcLaren01:30.133
2A. AntonelliMercedes01:30.22500:00.092
3G. RussellMercedes01:30.33800:00.205
4L. NorrisMcLaren01:30.64900:00.516
5C. LeclercFerrari01:30.84600:00.713
6L. HamiltonFerrari01:30.98000:00.847
7N. HülkenbergAudi01:31.44100:01.308
8A. AlbonWilliams01:31.49600:01.363
9O. BearmanHaas01:31.49800:01.365
10M. VerstappenRed Bull01:31.50900:01.376
11E. OconHaas01:31.53200:01.399
12L. LawsonRacing Bulls01:31.59000:01.457
13C. SainzWilliams01:31.60800:01.475
14P. GaslyAlpine01:31.73400:01.601
15I. HadjarRed Bull01:31.75900:01.626
16G. BortoletoAudi01:31.93300:01.800
17F. ColapintoAlpine01:32.43800:02.305
18V. BottasCadillac01:32.61500:02.482
19F. AlonsoAston Martin01:33.59600:03.463
20S. PerezCadillac01:33.68900:03.556
21L. StrollAston Martin01:33.95100:03.818
22A. LindbladRacing Bulls

Formel 1 Japan Grand Prix 2026
1. Training, Ergebnis

PositionFahrerTeamZeitAbstand
1G. RussellMercedes01:31.666
2A. AntonelliMercedes01:31.69200:00.026
3L. NorrisMcLaren01:31.79800:00.132
4O. PiastriMcLaren01:31.86500:00.199
5C. LeclercFerrari01:31.95500:00.289
6L. HamiltonFerrari01:32.04000:00.374
7M. VerstappenRed Bull01:32.45700:00.791
8L. LawsonRacing Bulls01:32.52900:00.863
9E. OconHaas01:32.60100:00.935
10A. LindbladRacing Bulls01:32.66500:00.999
11G. BortoletoAudi01:32.75900:01.093
12N. HülkenbergAudi01:32.79800:01.132
13I. HadjarRed Bull01:32.80300:01.137
14O. BearmanHaas01:32.90000:01.234
15P. GaslyAlpine01:32.97800:01.312
16F. ColapintoAlpine01:33.36100:01.695
17C. SainzWilliams01:33.38300:01.717
18A. AlbonWilliams01:33.69700:02.031
19S. PerezCadillac01:34.22100:02.555
20V. BottasCadillac01:34.49000:02.824
21L. StrollAston Martin01:35.29400:03.628
22J. CrawfordAston Martin01:36.36200:04.696

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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