Formel 1

Leclercs Ferrari-Deal zeigt ein Problem der modernen Formel 1

Formel 1 Charles Leclerc Ferrari Miami 2026
Charles Leclerc. Credit: Andy Hone/LAT Images
Michael Zeitler
Michael Zeitler

Charles Leclerc verlängert bei Ferrari. Überraschend kommt das nicht: Fahrer bleiben immer länger bei ihren Teams, Wechsel werden seltener. Bloß: Warum eigentlich?

Es klingt alles wie aus dem Bilderbuch: Der Monegasse, der pünktlich vor dem prestigeträchtigen Monaco-GP seinen Vertrag verlängert – mit dem ältesten Formel-1-Team aller Zeiten, für das fast alle Fahrer irgendwann in ihrer Karriere fahren wollen: Ferrari. „An Alternativen habe ich nie wirklich gedacht, ich liebe Ferrari“, erzählt der 28-Jährige italienischen Medien.

Das mag alles irgendwie auch stimmen. Fakt ist aber auch: Leclerc hat inzwischen 155 Grands Prix für Ferrari bestritten, acht davon gewonnen und stand 27 Mal auf der Pole-Position. Eine ordentliche Statistik, die aber auch eines aussagt: Eine echte WM-Chance hatte er mit Ferrari nie. Trotzdem sagt er: „Ich glaube an das Projekt. Ich glaube an Fred Vasseur als Teamchef.“

Allein: Auch die Alternativen fehlen für Leclerc. Mercedes hat zwei starke Fahrer an Bord – und würde am liebsten auch noch Max Verstappen verpflichten. Red Bull ist eine Wundertüte. Egal, wer bislang neben Verstappen gefahren ist – seine Karriere war danach quasi zerstört. Und wie gut Red Bull in den kommenden Jahren sportlich dastehen wird, weiß ebenfalls niemand. 

Auch McLaren hat seine zwei Topstars langfristig gebunden. Vor einem Jahr liebäugelte Leclerc zwar mit einem Wechsel zu Aston Martin. Doch für Aston Martin gilt dasselbe wie für die übrigen Teams: Sie sind aktuell nicht siegfähig – und werden es auf absehbare Zeit wohl auch nicht sein.

Verstappen seit elf Jahren bei Red Bull

Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben, warum Leclerc seinen Ferrari-Vertrag „um mehrere Jahre“, wie es heißt, verlängert hat. Mindestens also bis Ende 2028. Manche italienischen Medien berichten sogar von einer Laufzeit bis Ende 2030 – zumindest als Option.

Formel 1 Charles Leclerc 2026
Charles Leclerc. Credit: Ferrari

Charles Leclerc fährt seit 2019 für Ferrari in der Formel 1. Er geht damit bereits in seine achte Saison für den Traditionsrennstall. Natürlich hängt Leclerc an Ferrari. Die italienische Premiummarke hat den Monegassen jahrelang in den Nachwuchsserien gefördert, ihn 2018 über Sauber in die Formel 1 gebracht und schließlich 2019 ins Werksteam geholt.

Doch Leclerc ist kein Einzelfall. Auch Lando Norris fährt gerade seine achte Saison für McLaren. Lance Stroll bestreitet bereits sein achtes Jahr für das Team seines Vaters, das zunächst Racing Point hieß und später zu Aston Martin wurde. Max Verstappen befindet sich sogar schon in seiner elften Saison für Red Bull.

Lewis Hamilton wiederum verließ Mercedes Ende 2024 nach zwölf Jahren. Ob er seinen Wechsel zu Ferrari inzwischen bereut? Bei der aktuellen Bilanz vielleicht. Mercedes gewinnt derzeit Rennen um Rennen. Mit Ferrari hat Hamilton bislang keinen Grand Prix gewonnen. Und er muss sich zusätzlich mit dem 13 Jahre jüngeren und superschnellen Leclerc messen.

Häkkinen, Schumacher und Coulthard machten den Anfang

Teamwechsel werden seltener, Dauerbeziehungen zwischen Fahrern und Teams dagegen häufiger. Natürlich gab es das auch früher schon. Jack Brabham fuhr 1956 sowie von 1962 bis 1970 für denselben Rennstall – allerdings für sein eigenes Team. Jacques Laffite stand neun Jahre in Diensten von Ligier, allerdings mit Unterbrechung: zunächst von 1976 bis 1982 und später noch einmal 1985 und 1986.

Pierluigi Martini fuhr 1985, von 1988 bis 1991 und später noch einmal von 1993 bis 1995 für Minardi. „Alle glauben immer, ich sei mit Minardi verheiratet. Aber das stimmt nicht. Ich würde am liebsten mal für ein englisches Team fahren“, zeigte sich Martini damals durchaus frustriert.

1990 bot sich ihm kurz die Chance dazu, als sich Alessandro Nannini bei einem Hubschrauberunglück schwer verletzte und bei Benetton ein Cockpit frei wurde. Doch Minardi ließ ihn nicht aus seinem Vertrag.

Michael Schumacher, Credit: Ferrari
Michael Schumacher, Credit: Ferrari

In den 1990er-Jahren begannen dann die ersten echten Dauerbeziehungen. Mika Häkkinen fuhr neun Jahre für McLaren (1993 bis 2001), David Coulthard ebenfalls neun Jahre (1996 bis 2004). Michael Schumacher stand sogar elf Jahre in Diensten von Ferrari (1996 bis 2006) und hielt damit lange den Rekord.

Teamschwund als Ursache

Es ist kein Zufall, dass diese Entwicklung in den 1990er-Jahren begann. Damals schrumpfte das Starterfeld zunehmend. 1989 waren noch 20 Teams in der Formel 1 vertreten – mit insgesamt 39 Cockpits, die besetzt werden mussten. Heute sind es nur noch elf Teams mit 22 Fahrern. Über viele Jahre waren es sogar lediglich zehn Teams und 20 Cockpits.

Weniger Teams bedeuten automatisch weniger Auswahl. Maurice Trintignant fuhr im Laufe seiner Karriere für zwölf verschiedene Teams: Gordini, Écurie Rosier, Ferrari, Vanwall, Bugatti, Rob Walker, Scuderia Centro Sud, BRM, Aston Martin, Scuderia Serenissima, Reg Parnell und sein eigenes Team. Ein aktueller Fahrer könnte einen solchen Rekord nicht einmal mehr brechen – weil es schlicht nicht mehr genügend Teams gibt.

Hinzu kommt: Das Kräfteverhältnis in der Formel 1 ist heute oft über Jahre festgefahren. Teams, die über lange Zeit dominieren, gibt es zwar schon seit den 1980er-Jahren. Doch inzwischen dauern diese Dominanzphasen häufig bis zum nächsten großen Reglementwechsel.

Teams investieren in ihren Nachwuchs

Dazu kommt ein weiterer Faktor: Die Teams sichern sich ihre Talente bereits in den Nachwuchsserien und begleiten sie gezielt bis in die Formel 1. Das kostet mehrere Millionen Euro. Den Ertrag dieser Investitionen wollen die Rennställe anschließend natürlich selbst einfahren.

Verstappen gehörte schon früh zum Red-Bull-Juniorenkader, Norris war McLaren-Nachwuchsfahrer und Leclerc Ferrari-Junior.

Das bedeutet auch: Spannende Transferjahre mit zahlreichen Fahrerwechseln werden immer seltener. 1994 kam es beispielsweise zu 33 Fahrerwechseln, davon allein 24 während der laufenden Saison. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Bleibt die Frage: Wer verlängert als Nächstes?

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Autor

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Nach dem Politikwissenschaftsstudium stellte er fest: Interessant, aber der Motorsport ist dann doch spannender. Als Kind der Schumi-Ära hat Michael Zeitler kaum ein Formel-1-Rennen verpasst und Gefallen auch an anderen Rennserien wie der IndyCar gefunden. Nach ersten journalistischen Erfahrungen, etwa im Regionalfernsehen, kam er im Oktober 2015 als Volontär und schließlich als Redakteur zu AUTO BILD MOTORSPORT. Seit 2020 gehört er zum Team F1-Insider.


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