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Mercedes-Absage für Verstappen? Die Wahrheit hinter dem Transferpoker

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Japan 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool
Ralf Bach
Ralf Bach

Max Verstappen gilt für viele als der beste Formel-1-Fahrer seiner Generation, manche sogar als der Beste aller Zeiten. Darum wird der Wechsel trotzdem schwierig.

Kann jemand zu gut sein, um einen neuen Job zu bekommen? Ja, er kann. Denn bei Formel-1-Megastar Max Verstappen (28) scheint genau das der Fall zu sein.

Eigentlich müssten sich die Top-Teams nach dem vermutlich besten Formel-1-Fahrer aller Zeiten die Finger lecken. Sie müssten alles daransetzen, ihn in ihr Team zu holen. Denn damit wäre die halbe Erfolgsgeschichte schon geschrieben. Darin sind sich die Experten einig: Verstappen garantiert Erfolg, wenn das Auto nur halbwegs funktioniert.

Marko erklärt den Verstappen-Faktor

Sein Mentor Helmut Marko (83) erklärt den Grund. Der ehemalige Red-Bull-Chefberater sagt zu F1-Insider.com: „Max ist fähig, jede Runde im Rennen am Limit zu fahren. Das kann in dieser Form niemand anders. Das wissen auch die Entscheidungsträger, nicht nur die von Red Bull. Wir sprechen hier von ungefähr drei Zehntelsekunden pro Runde, die Max fähig ist, schneller zu fahren als jeder andere.“

Max Verstappen und Dr. Helmut Marko. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Und weiter: „In einem 60-Runden-Rennen entspricht das einem Zeitvorteil von 18 Sekunden. Würde man diesen Vorsprung in Technik investieren müssen, käme man ungefähr auf eine Summe mit einem zweistelligen Millionenbetrag.“

Soweit die Theorie. Die Realität in der heutigen Formel 1 ist eine andere. Vorbei sind die Zeiten, in denen Teambosse wie Ron Dennis alles dem Erfolg unterordneten.

Einer seiner früheren Weggefährten erklärt das so: „Dennis wollte nur das Beste, in jedem Bereich“, so Ex-McLaren-Star Gerhard Berger zu F1-Insider.com. „Drunter war nicht genug. Er wollte deshalb auch immer die schnellsten Fahrer, weil er glaubte, selbst die schwierigsten Charaktere managen zu können. Senna und Prost waren ein gutes Beispiel. Es gab Hass, Kollisionen und viel böses Blut. Aber die beiden fuhren alles in Grund und Boden. Ferrari tickte ähnlich. Das heißt, in den 80er- und 90er-Jahren wäre es keine Frage, dass Max bei allen Topteams die klare Nummer eins auf der Verpflichtungsliste wäre.“

Allein: Die Philosophie der Bosse hat sich gewandelt. Harmonie im Team wird inzwischen höher bewertet als reiner Speed.

Warum Mercedes keinen Verstappen will

Das beste Beispiel ist Mercedes. Teamchef Toto Wolff hat die harten Teamduelle zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg noch immer im Hinterkopf und damit einen Kampf, der am Ende zu einem Hassduell wurde.

Nico Rosberg und Lewis Hamilton, Credit: Mercedes
Nico Rosberg und Lewis Hamilton, Credit: Mercedes

Darauf hat der Österreicher nicht noch einmal Lust. Dass Hamilton und Rosberg zwischen 2014 und 2016 nahezu jedes Rennen gewannen und Mercedes in dieser Zeit drei Konstrukteurs- und drei Fahrertitel bescherten, spielt dabei nur eine untergeordnete keine Rolle.

Die Konsequenz: Mercedes will sich einen Max Verstappen nicht antun. So jedenfalls hört man es hinter den Kulissen und so sagt es auch Teamchef Toto Wolff, wenn er nach Antonellis Monaco-Sieg schwärmt: „Ich kann mir keine bessere Fahrerpaarung vorstellen, als die, die wir haben.“ 

Mercedes-Chef Ola Källenius, Chef eines Weltkonzerns, sieht die Situation pragmatisch. Seine Denke: Wenn Verstappen gewinnt, ist es der Fahrer. Wenn er verliert, ist es das Team.

Toto Wolff beugt sich dieser Sichtweise gerne. Der Teamchef und Anteilseigner will seinen neuen Superstar Kimi Antonelli schützen. Der junge Italiener, der gerade mit seinem fünften Sieg in Folge auf der Überholspur zum neuen Superstar unterwegs ist, gilt als Wolffs Ziehkind.

Das Risiko, dass Antonelli ein teaminternes Duell gegen Verstappen verlieren könnte, scheint Wolff zu groß. Denn was er sportlich über den Niederländer denkt, machte er erst kürzlich in Monaco deutlich: „Max ist so gut, den musst du immer auf der Rechnung haben“, so der Wiener auf die Frage, ob Verstappens zweiter Startplatz überraschend gewesen sei.

Bequemer ist es für Mercedes deshalb, den emsigen und linientreuen George Russell als Teamkollegen des „Wunderkindes“ zu behalten.

Verstappen sagt, was andere nur denken

Was Teams wie Mercedes ebenfalls stört: Verstappen sagt immer, was er denkt. Er redet nicht politisch, sondern frei von der Leber weg.

„Max ist immer offen und direkt“, erklärt Helmut Marko. „So hat ihn sein Vater erzogen. Eigentlich ist er damit das beste Vorbild für die Jugend, indem er ihr vorlebt, immer zu seinen Werten zu stehen. Aber in der Formel 1 heute will man lieber Fahrer haben, die perfekt die sozialen Medien bedienen und viel reden, ohne wirklich etwas zu sagen.“

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Miami 2026
Andrea Kimi Antonelli und Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Der Grazer nennt ein Beispiel: „Max hat beispielsweise schon sehr früh die neuen Regeln kritisiert. Die anderen Fahrer geben ihm recht. Nur sagen sie es nicht in der Öffentlichkeit. Die Ehrlichkeit von Max ist deshalb den meisten, auch den Vermarktern der Formel 1 und der FIA, ein Dorn im Auge.“

Verstappens Zukunft ist offen

Verstappens Zukunft ist völlig offen. F1-Insider weiß: Red Bull würde ihn am liebsten behalten. McLaren, Ferrari und auch Toto Wolff zeigen hinter den Kulissen zwar Interesse, Verstappen bereits im kommenden Jahr zu verpflichten. Das wäre möglich, weil der Niederländer über eine Ausstiegsklausel verfügt, die es ihm erlaubt, seinen bis Ende 2028 laufenden Vertrag vorzeitig zu verlassen.

Auch die Verträge von George Russell bei Mercedes, Oscar Piastri bei McLaren oder Lewis Hamilton bei Ferrari sind aufgrund verschiedener Klauseln nicht vollständig wasserdicht.

Doch das Lieblingsszenario der großen Teams wäre ein anderes – und das nicht nur, um die 60 bis 80 Millionen Euro Grundgehalt zu sparen, die der laut Gerhard Berger „beste Formel-1-Fahrer aller Zeiten“ kosten würde.

Ein Verstappen in einem Red Bull, der nicht schnell genug ist und mit dem selbst der holländische Magier keine Wunderdinge vollbringen kann, wäre vielen am liebsten. So könnten sie weiter gewinnen und die Königsklasse könnte ihren Kaiser behalten. Mit seinen ehrlichen und kritischen Kommentaren müsste man sich teamintern ebenfalls nicht auseinandersetzen.

Fest steht: Verstappen hat sich noch nicht entschieden. Aus seinem Umfeld heißt es, er habe sich bislang noch keine konkreten Gedanken über seine Zukunft gemacht. Alles scheint möglich. Auch ein Ausstiegsszenario.

Formel 1 ohne Verstappen?

Dann würde sein Abschied von der Rennstrecke in Monte Carlo nach seinem frühen Ausfall mit Antriebsschaden fast zum Sinnbild werden. Noch während des Rennens ließ sich Verstappen gemeinsam mit seinem Vater Jos mit einem Boot auf die andere Seite des Hafenbeckens bringen – dorthin, wo sich seine Wohnung befindet. Im Fahrerlager wurde er an diesem Tag nicht mehr gesehen.

Sicher ist laut einem engen Vertrauten nur eines: „Wenn Max beschließt, der Formel 1 den Rücken zu kehren, wird man ihn danach nie mehr wieder sehen.“

Sollte das tatsächlich schon im nächsten Jahr passieren, gäbe es nur Verlierer. Die Macher der Königsklasse genauso wie die Fahrerkollegen. Denn egal, wer dann den Titel gewinnt: Ein Makel würde bleiben.

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Autor

Ralf Bach
Ralf Bach

Ralf Bachs Zuhause ist der Formel-1-Zirkus. Seit rund 30 Jahren berichtet er für SPORT BILD, AUTO BILD MOTORSPORT, SPORT1 und das Ippen-Netzwerk (TZ München, Frankfurter Rundschau) von der Königsklasse. Für seine exklusiven Stories wurde er in die „Paddock Hall of Fame“ der Formel 1 aufgenommen. Auf F1-Insider.com schildert er, wie die Protagonisten ticken. Twitter: @ralfbond


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