Kuriose Szenen im Qualifying von Silverstone: Mercedes-Pilot Kimi Antonelli holt die Pole, obwohl er kurz vor der Ziellinie lupft. Dahinter steckt ein cleverer Trick mit der Elektro-Power.
Normalerweise gilt in der Formel 1: Wer vom Gas geht, verliert Zeit. Doch Mercedes beweist in Silverstone genau das Gegenteil.
Im Qualifying zum Großen Preis von Großbritannien sorgten Kimi Antonelli und George Russell für ungewöhnliche Bilder. Beide Mercedes-Piloten nahmen auf ihren schnellen Runden wenige Meter vor der Ziellinie den Fuß vom Gas – und waren trotzdem pfeilschnell.
Antonelli holte sogar die Poleposition. Der 19-Jährige war 0,175 Sekunden schneller als Ferrari-Star Charles Leclerc.
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Der Grund für das scheinbar absurde Manöver: Mercedes nutzt eine Besonderheit des neuen Formel-1-Reglements aus.
Mercedes umgeht Leistungsverlust
Hintergrund ist die deutlich größere Bedeutung des Elektro-Anteils der aktuellen Antriebe. Die Hybrid-Power kann bis zu 350 kW zusätzlich liefern. Allerdings darf diese Unterstützung aus Sicherheitsgründen nicht schlagartig verschwinden.
Das Reglement schreibt vor, dass die elektrische Leistung bei Vollgas nur schrittweise reduziert werden darf. So soll verhindert werden, dass ein Auto plötzlich langsamer wird und ein Verfolger überrascht wird.

Das Problem in Silverstone: Auf dem kurzen Weg von der letzten Kurve bis zur Ziellinie geht den Autos kurz vor Ende der Runde die verfügbare Elektro-Energie aus. Die Folge: Die Leistung wird automatisch zurückgenommen.
Genau hier setzt Mercedes an.
Lieber kurz rollen als Leistung verlieren
Der Trick: Die Mercedes-Fahrer nutzen die volle Elektro-Power möglichst lange aus. Kurz bevor das System die Leistung reduzieren würde, gehen Antonelli und Russell komplett vom Gas.
Dadurch muss die Leistung nicht langsam heruntergeregelt werden – weil der Fahrer in diesem Moment ohnehin keine Beschleunigung mehr verlangt.
Zwar rollen die Mercedes auf den letzten Metern nur noch Richtung Ziellinie. Dafür hatten sie vorher aber länger die maximale Leistung zur Verfügung.
Unterm Strich ist diese Variante offenbar schneller.
Antonelli wundert sich selbst
Ganz natürlich fühlt sich diese Fahrweise aber nicht an. Auch Pole-Mann Antonelli musste sich erst daran gewöhnen. Der Italiener: „Manchmal musst du mit dieser Power Unit auf eine gewisse unnatürliche Art fahren.“
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Sein erster Gedanke: „Da fragst du auch erst einmal: Warum muss ich überhaupt vom Gas?“ Gemeinsam mit Mercedes habe er sich aber intensiv darauf vorbereitet: „Zum Glück gewöhnst du dich irgendwann an diese Dinge.“
Der kuriose Kniff zeigt einmal mehr, wie sehr die neue Formel 1 auch zum Kampf der Ingenieure geworden ist. Mittlerweile entscheidet nicht nur, wer am längsten Vollgas gibt, sondern wer genau weiß, wann man besser kurz vom Gas geht.
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