Fernando Alonso rechnet mit dem aktuellen Formel-1-Reglement ab. Vor dem Belgien-GP in Spa warnt der Doppelweltmeister vor einem Energieproblem.
Ist die Formel 1 noch die Königsklasse des Automobilsports? Mit PS-Monstern, die nur von den besten Rennfahrern der Welt zu bändigen sind? Geht es nach Doppelweltmeister Fernando Alonso (44), lautet die Antwort: Nein. Der Spanier kritisiert das aktuelle Reglement scharf – und sieht vor allem das Energiemanagement als großes Problem.
Vor dem Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps warnt Alonso, dass die Fahrer auf der legendären Hochgeschwindigkeitsstrecke kaum noch frei angreifen können.
„Wenn man in Spa von der ersten Kurve La Source bis Les Combes Energie einsetzt, um einen Gegner anzugreifen oder sich zu verteidigen, dann ist für den Rest der Runde Schluss“, erklärt der Aston-Martin-Pilot.
Besonders absurd: Im zweiten Sektor werde rund eine Minute lang überhaupt keine elektrische Energie eingesetzt. „Wir haben in diesem Jahr deutlich weniger Energie als vergangene Saison – und sogar weniger Power als in der Formel 2“, kritisiert Alonso.
Ferrari setzt auf neuen Heckflügel
Während die Kritik am Reglement wächst, arbeitet Ferrari offenbar bereits an einer Lösung. Nach Berichten aus Italien soll die Scuderia in Spa einen überarbeiteten „Macarena“-Heckflügel einsetzen. Der soll auf den langen Geraden einen Geschwindigkeitsvorteil von bis zu elf km/h bringen.

Die Entwicklung bleibt der Konkurrenz und der FIA nicht verborgen. Nach den jüngsten Problemen mit dem versagenden Heckflügel von Max Verstappen beschäftigt sich der Weltverband bereits mit dem Ferrari-Konzept. Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies räumte ein, dass sein Team sein eigenes besonders aggressives Flügeldesign möglicherweise wieder aufgeben müsse.
Intern heißt es bei Red Bull: Das Zurückrüsten auf den bisherigen Heckflügel macht das Auto zwar zwei Zehntel pro Runde langsamer, dafür aber auch sicherer.
Ferrari gilt als Favorit für Spa
Für Ex-Minardi-Teamchef Giancarlo Minardi haben Ferraris Fortschritte den WM-Kampf komplett verändert. „Silverstone hat erneut gezeigt, wie ausgeglichen diese Weltmeisterschaft ist. Die Details werden zwischen jetzt und dem Saisonende den Unterschied machen“, sagt Minardi.

Ganz anders klingt es bei Red Bull. Dort sind die Erwartungen für Spa ungewöhnlich zurückhaltend. „Wir rechnen in dieser Saison nicht mit Grand-Prix-Siegen“, gesteht Mekies. „Es steht außer Frage, dass das Update aus Österreich allein nicht ausreichen wird.“
Auch Sky-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher sieht derzeit Ferrari im Vorteil – vor allem wegen der Zuverlässigkeit. Nachdem Mercedes in Silverstone mit dem Auto von WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli erneut technische Probleme hatte, glaubt Schumacher: „Ferrari ist momentan das zuverlässigste Team.“
Vor dem Klassiker in Spa deutet damit vieles auf einen spannenden Dreikampf hin. Doch für Alonso bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet: Ist eine Formel 1, in der Fahrer ihren Strom haushalten müssen, statt Vollgas zu geben, noch die Königsklasse?
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