Red Bull fährt derzeit in der Formel 1 nur hinterher. Das hat Folgen: Der Franzose Pierre Waché steht nach drei Saisonrennen unter großem Druck.
Er galt als logischer Nachfolger von Red-Bull-Designgenie und Weltmeistermacher Adrian Newey, der zu Aston Martin wechselte. Doch nach nur drei Rennen der neuen Saison steht Pierre Waché als technischer Direktor bei Red Bull bereits unter hohem Druck.
Grund: Das Auto, das Superstar Max Verstappen den fünften WM-Titel bescheren sollte, ist unter die Räder gekommen. Über eine Sekunde, so erfuhr F1-Insider.com aus Red-Bull-Kreisen, fehlt Red Bull zur Spitze. Schlimm für Waché: Acht Zehntel davon sollen vom Chassis kommen, nur zwei Zehntel vom erstmals in Eigenregie in Kooperation mit Ford entstandenen Motor.

Ein Problem, aber nicht das einzige: Das Chassis soll zwölf Kilogramm über dem Mindestgewicht liegen. In der Formel 1 sind das gut vier Zehntelsekunden Zeitverlust allein durch das Übergewicht. Als „Fat Bull“ (fetter Bulle) wird das Auto deshalb ironisch bereits bezeichnet. Schlimmer noch: Dem Wagen fehlt die Balance, es wechselt ständig von Untersteuern zu Übersteuern. „Das Auto war so gut wie unfahrbar“, zog Verstappen beim letzten Rennen in Suzuka ein frustriertes Fazit.
Waché bei Red Bull unter Druck
Das Ergebnis: Waché hat das Vertrauen seiner Mitarbeiter verloren. Im Dezember hat er noch, so ergaben Recherchen von F1-Insider, damit geprahlt, dass seine neue Kreation eine Sekunde schneller sein soll als das Schwesterauto vom Juniorteam Racing Bulls. Diese Prognose hat sich als falsch erwiesen.
Der Racing Bull ist nicht nur genauso schnell, sondern auch gutmütiger im Fahrverhalten, also deutlich berechenbarer. Deshalb ist sich ein Red-Bull-Insider sicher: „Mit dem Racing Bull würde Max Verstappen weiter vorne in der Startaufstellung stehen.“

Auch interessant in diesem Zusammenhang: Chefdesigner Craig Skinner verließ kurz vor Saisonbeginn das Team. Meinungsverschiedenheiten mit Waché sollen der Grund für Skinners plötzlichen Abgang gewesen sein.
Verstappen bekommt Update-Paket in Miami
Waché muss den Red Bull jetzt schnellstmöglich wieder in die richtige Richtung entwickeln. Vor einem Jahr gelang es Verstappen lange Zeit, die Schwächen des RB21 mit seinem fahrerischen Können zu kaschieren, und Waché schaffte es nach zahlreichen Anpassungen, das Auto zumindest in der zweiten Saisonhälfte entscheidend zu verbessern. Dennoch kostete die schwache Anfangsphase Verstappen letztlich den fünften Weltmeistertitel.
Einfach wird es nicht, die Kurve noch einmal zu kriegen. Denn die neuen Teile, die den Red Bull in Suzuka wieder auf die richtige Bahn bringen sollten, haben den RB22 langsamer gemacht statt schneller. Das Rennen in Miami gilt deshalb jetzt schon als Endspiel für Waché. Sollte das dort geplante aufwendige Update-Paket wieder ein Flop werden, dürften die Red Bull-Tage des Franzosen immer endlicher werden.
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