F2-Boss Bruno Michel will mehr US-Talente. Die Serie plant eine Charme-Offensive, um den US-Markt zu erobern. Wir haben alle Hintergründe.
Die Formel 2 will nicht mehr länger nur das europäische Sprungbrett in die Königsklasse sein. Bruno Michel (64), CEO der Formel 2 und Formel 3, hat eine klare Vision: Die Serie soll für US-Amerikaner so attraktiv werden, dass der Weg über den Großen Teich zum Standard wird. Das Ziel ist eine neue Ära von US-Helden in der Formel 1.
Bisher war die Ausbeute mager. Logan Sargeant (25) oder Jak Crawford (20) blieben eher seltene Erscheinungen. Dabei gab es schon einmal ein echtes Vorzeigeprojekt: Scott Speed (43) wurde einst von Red Bull als Nachwuchshoffnung gezielt in der GP2 – der Vorgängerserie der heutigen F2 – aufgebaut – um den Sprung nach ganz oben zu schaffen.
Nach Speeds kurzem F1-Gastspiel riss der Faden jedoch ab. Erst jetzt kommt mit dem Wechsel von US-Superstar Colton Herta (26) zum Team Hitech wieder richtig Zug in die Angelegenheit. Herta will sich über die F2 für das neue Cadillac F1 Team in Stellung bringen. Dass ein etablierter IndyCar-Toppilot sein sicheres Cockpit für eine europäische Nachwuchsserie aufgibt, hat es in der Form zuvor noch nie gegeben.
Schaufenster Miami und die FIA-Pyramide

Michel erkennt die Zeichen der Zeit und drängt auf mehr Sichtbarkeit in Nordamerika. Ein zentraler Baustein dieser Strategie sind Rennen auf amerikanischem Boden. Das Wochenende in Miami soll als Schaufenster dienen, um junge Talente direkt vor Ort zu begeistern.
Gegenüber dem US-Portal RACER stellte der F2-Chef klar: „Wir wollen in Zukunft mehr amerikanische Fahrer haben.“ Er will zeigen, dass der Weg über den FIA-Unterbau die beste Chance auf ein F1-Cockpit bietet. Dafür müssen jedoch auch die nationalen Serien wie die Formel 4 und die Formula Regional in Nordamerika gestärkt werden.
Nur so kann ein nahtloser Aufstieg für Fahrer wie Crawford oder künftige Talente garantiert werden. Michel betont in dem Bericht: „Die Pyramide ist der Schlüssel.“ Er will die Hürden für Talente aus Übersee senken und eine klare Karriereleiter etablieren.
Kein direkter Angriff auf die IndyCar
Trotz der Ambitionen betont Michel jedoch, dass man keinen offenen Wettbewerb mit der IndyCar-Serie um Piloten führen wolle. Ein systematisches Abwerben von Fahrern sei nicht geplant. „Wir versuchen nicht, Fahrer aus der IndyCar zu stehlen“, so der Franzose gegenüber RACER.
Auch wenn der Fall Herta eine andere Sprache spricht, soll der Austausch zwischen den Serien in beide Richtungen funktionieren. Viele Piloten, die es von der Formel 2 nicht in die Königsklasse schaffen, finden in der IndyCar eine erfolgreiche neue Heimat.
Im Gegenzug hofft der F2-Chef, dass junge Amerikaner die Vorzüge seiner Serie als direkten F1-Zubringer erkennen und dem Ruf aus Europa früher folgen. Die Formel 2 entwickelt sich immer mehr zu einer globalen Plattform und reagiert damit auf den anhaltenden US-Boom.
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