Mehr Leistung, neue Hersteller und ein deutsches Comeback: Die Formel E steht vor einem überraschenden Neustart. An diesem Wochenende rast sie in Berlin.
Zugegeben: Der erste große Hype um die Formel E ist längst abgeflacht. Die Zeiten, in denen sogar Ex-Formel-1-Weltmeister wie Jacques Villeneuve in der Elektroserie antraten und Hersteller um Startplätze konkurrierten, sind vorbei. Große Namen wie BMW, Audi oder Mercedes haben sich inzwischen zurückgezogen.
Für 2026 ist das Feld auf nur noch zehn Teams mit insgesamt 20 Fahrern geschrumpft.
Doch es deutet sich eine Trendwende an. Die Formel E steht vor einem neuen Aufschwung – und der kommt mit der nächsten Fahrzeuggeneration.
Formel E ab 2026/27 mit 800 PS
Ab kommender Saison steigt die Leistung deutlich: Zwischen 612 PS im Rennen und bis zu 816 PS im Qualifying sollen die neuen Gen4-Boliden leisten. Aktuell liegen die Werte noch bei 408 beziehungsweise 476 PS. Damit bewegt sich die Serie leistungstechnisch auf dem Niveau der Formel-1-Autos aus den 90er-Jahren.

Auch die deutschen Hersteller spielen dabei wieder eine zentrale Rolle. Porsche baut sein Engagement aus und wird künftig zwei Teams ausrüsten. Schon jetzt zählt das Werksteam zu den Top-Adressen der Serie. Pascal Wehrlein reist als aktueller Tabellenführer zum ePrix nach Berlin, nachdem er seinen Titel im Vorjahr verloren hatte.
„Es ist zwar schöner, als Führender statt als Letzter zum Heimrennen zu kommen, aber am Ende zählen die Ergebnisse vor Ort“, sagt der ehemalige Formel-1-Pilot und tritt bewusst auf die Bremse. Kein Wunder: Die Leistungsdichte ist extrem hoch.
In den ersten sechs Saisonrennen gab es bereits fünf verschiedene Sieger. Mit Porsche, Jaguar, Mahindra und Citroën konnten vier unterschiedliche Hersteller gewinnen. Titelverteidiger Oliver Rowland fährt für Nissan. Eine solche Vielfalt sucht man in der Formel 1 aktuell vergeblich.
Opel kehrt zurück
Zusätzliche Dynamik bringt ein Comeback aus Deutschland: Opel steigt zur kommenden Saison wieder in den internationalen Motorsport ein – mehr als zwei Jahrzehnte nach den Engagements in DTM und Formel 3. In der Formel E will sich die Marke gezielt auf die elektrische Zukunft ausrichten.

„Wir wollen deutsche Ingenieurskunst, mutiges Design und elektrisierende Performance zeigen“, erklärt Opel-CEO Florian Huettl. Zwar wird das Team komplett neu aufgebaut, doch durch die Zugehörigkeit zum Stellantis-Konzern kann Opel auf bestehendes Know-how zurückgreifen. Nach DS, Maserati und Citroën ist Opel bereits die vierte Marke des Konzerns in der Serie.
Mit an Bord: Entwicklungsfahrerin Sophia Flörsch. Auch Maximilian Günther, aktuell für DS Penske unterwegs, darf sich Hoffnungen auf ein Cockpit machen.
Deutsche Fahrer und ePrix Berlin als Konstante
Insgesamt acht deutsche Fahrer haben bislang in der Formel E mitgemischt, darunter neben Wehrlein und Günther auch André Lotterer, Daniel Abt, Nick Heidfeld, René Rast, Maro Engel und David Beckmann. Wehrlein, Günther und Abt konnten bereits Rennen gewinnen.

Eine feste Größe im Kalender bleibt Berlin: Die Hauptstadt ist die einzige Station, die seit der ersten Saison durchgehend vertreten ist. Doch selbst das könnte sich ändern. Für die Zukunft wird auch über alternative Standorte wie den Norisring in Nürnberg nachgedacht.
Der ePrix in Berlin findet am Wochenende (2./3. Mai) statt und wird jeweils ab 14.30 Uhr im TV übertragen.
Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff
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