McLaren baut gerade ein Motorsport-Imperium auf. Gekrönt werden soll es mit der Triple Crown. Auch aus dieser Perspektive sind die aktuellen Bewegungen auf dem Fahrermarkt zu erklären.
Die Aufregung ist groß: McLaren stellt die Motorsport-Welt gerade neu auf. Dazu gehören Fahrertransfers, die einer Sensation gleichkommen. Und das alles folgt einem großen Plan: McLaren will die Triple Crown des Motorsports gewinnen – also Siege beim Monaco-GP (Formel 1), den Indy 500 (IndyCar) und den 24 Stunden von Le Mans (Sportwagen-WM).
Als Fahrer ist das bislang nur Graham Hill gelungen. McLaren will dieses Kunststück nun als Team schaffen – und das in ein- und derselben Saison.
Auch vor diesem Hintergrund ist das Werben um Max Verstappen zu sehen. McLaren verfügt mit Lando Norris und Oscar Piastri zwar über eine der besten Fahrerpaarungen der Formel 1.
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Doch der Rennstall will den besten Piloten im Feld. Und das ist – darin sind sich die meisten Experten einig – nach wie vor mit großem Abstand Max Verstappen. Es wäre zudem ein Marketing-Erfolg, wie ihn sich PR-Profi und McLaren-Boss Zak Brown kaum besser wünschen könnte.
Formel-1-Insiderin Bianca Garloff hat alle Hintergründe zum sich anbahnenden Mega-Transfer von Verstappen zu McLaren in einem Youtube-Video analysiert.
Sensations-Transfers in der IndyCar
Verstappen fährt seit 2016 für Red Bull. Nur eine Formel-1-Ehe hielt länger: die zwischen Lewis Hamilton und Mercedes über zwölf Jahre. Schon deshalb wäre ein Wechsel etwas ganz Besonderes für die Formel 1.
Doch der Blick in die IndyCar zeigt, dass es sogar noch außergewöhnlicher geht. McLaren hat sich dort nämlich die Dienste von Scott Dixon gesichert. Der Neuseeländer wird noch im Juli 46 Jahre alt und steht seit 2002 in Diensten des Ganassi-Rennstalls. Er bestreitet dort also bereits seine 25. Saison. Zum Vergleich: Hätte Verstappen eine ähnlich lange Karriere bei Red Bull hingelegt, müsste er noch bis 2040 für das Team fahren. Michael Schumacher hätte dafür sogar bis 2020 ununterbrochen Ferrari die Treue halten müssen.
Dixon ist mit sechs IndyCar-Titeln und 58 Siegen einer der erfolgreichsten Fahrer der Seriengeschichte. Mit seiner Erfahrung ist er Gold wert – vor allem mit Blick auf die neuen Autos, die 2028 eingeführt werden. Vor allem aber gilt Dixon als ausgewiesener Oval-Spezialist. Der IndyCar-Kalender besteht zu jeweils einem Drittel aus Rundstrecken-, Straßen- und Ovalkursen.

Zur letzten Kategorie gehört auch der Indianapolis Motor Speedway mit dem legendären Indy 500. Ein Sieg dort ist für den Rennstall sogar wichtiger als der Gewinn der Meisterschaft, wie Teamchef Tony Kanaan bestätigt: „Das Rennen verleiht der ganzen Serie den Namen. Wir wollen dort gewinnen. Und wir wollen dafür keine Zeit mehr verschwenden.“
Lundgaard als Zünglein an der Waage
Deshalb hat McLaren für 2027 neben Scott Dixon und Pato O’Ward auch den amtierenden Indy-500-Sieger Felix Rosenqvist verpflichtet. Dixon, Rosenqvist, Teamchef Kanaan und Sportdirektor Ryan Hunter-Reay, der 2027 wieder in einem vierten Auto starten wird, haben das Indy 500 allesamt bereits gewonnen. McLaren als Team gelang das zuletzt 1976 mit Johnny Rutherford.
Die Verpflichtungen von Dixon und Rosenqvist bedeuten aber auch: McLaren muss sich von Christian Lundgaard trennen – einem der schnellsten Fahrer auf Rundkursen. Viermal gastierte die IndyCar-Serie 2026 bislang auf klassischen Rundstrecken. Jedes Mal kam Lundgaard mindestens als Zweiter ins Ziel.
Und jetzt kommt auch Mick Schumacher ins Spiel – gleich in zweierlei Hinsicht. Erstens könnten die aktuellen Entwicklungen in der IndyCar den Deutschen das Cockpit kosten. Viele Experten hatten zwar erwartet, dass Ganassi Dixon durch Lundgaard ersetzt. Doch Ganassi soll kein Interesse am Dänen haben – aus demselben Grund, aus dem sich auch McLaren von ihm trennt: seine Schwäche auf Ovalkursen. Die beste Option für Lundgaard ist nun das freie Cockpit bei Meyer Shank, das Rosenqvist hinterlässt.
Schumacher für McLaren eine Option
Sollte allerdings auch Meyer Shank nicht zugreifen, wäre Lundgaard der Favorit auf Schumachers Cockpit. Von 2021 bis 2024 fuhr der heute 24-Jährige bereits für Rahal Letterman Lanigan. Teamchef Graham Rahal sagt: „Er ist so gut, dass er eigentlich gar nicht auf dem Fahrermarkt sein dürfte. Aber er ist es – und derzeit die beste Option, die es gibt.“
Also auch besser als Mick Schumacher. Der fiel nach dem Rennwochenende in Mid-Ohio wieder auf Rang 25 der Gesamtwertung zurück. Damit Rahal Letterman Lanigan Preisgelder erhält, muss der Sohn von Michael Schumacher zumindest Platz 22 in der Gesamtwertung erreichen.

Für Schumacher könnte sich dennoch eine andere Tür öffnen. Denn McLaren verfolgt sein Triple-Crown-Projekt auch in der Sportwagen-WM. Am Wochenende absolvierte der neue McLaren MCL-HY mit seinem 3,0-Liter-V6-Turbo von Autotecnica Motori beim Goodwood Festival of Speed seine ersten Testkilometer.
2027 soll das Hypercar sein Renndebüt in der Sportwagen-WM und bei den 24 Stunden von Le Mans feiern. Am Steuer saß Formel-1-Weltmeister Lando Norris.
Norris hat mehrfach betont, dass er für McLaren gerne auch die 24 Stunden von Le Mans fahren würde. Dafür müsste der Rennkalender allerdings mit der Formel 1 vereinbar sein – und genau das ist schwierig.
Bislang stehen für Le Mans 2027 lediglich Mikkel Jensen und Laurens Vanthoor als Stammfahrer fest. Die Testarbeit übernehmen Ben Hanley und Grégoire Saucy. Zudem gilt ein Wechsel von Malthe Jakobsen von Peugeot zu McLaren als wahrscheinlich.
Schumacher in schwieriger Lage
Damit wären allerdings noch nicht alle Cockpits vergeben. Und vor allem fehlen bislang die großen Namen, die Zak Brown so gern in seinen Projekten vereint. Entscheidend ist aber etwas anderes: McLaren will die schnellsten Fahrer, um die Triple Crown endlich zu gewinnen.

Schumacher würde beides mitbringen – einen berühmten Namen und enormes Tempo. Bei Alpine gehörte er in der WEC zu den schnellsten Fahrern überhaupt. Außerdem hatte McLaren bereits vor einem Jahr Interesse an Mick Schumacher.
Der Haken: Schumacher ist 2026 ganz bewusst in die IndyCar-Serie gewechselt. „Mein Vater hat schon immer gesagt: Die Schumachers sind vor allem in den Autos schnell, in denen man die Reifen sieht“, erklärte der Deutsche damals.
Andere IndyCar-Teams zeigen bislang allerdings wenig Interesse an Schumi junior. Weil 2028 neue Autos kommen, steigen die Kosten. Deshalb sind Bezahlfahrer für 2027 besonders gefragt, um die Entwicklung der neuen Fahrzeuge und das umfangreiche Testprogramm zu finanzieren.
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