Letzter Platz, aber trotzdem ein Erfolg? Warum Mick Schumacher in der IndyCar-Serie mehr überzeugt, als es die nackten Ergebnisse vermuten lassen.
Wer nur auf die Tabelle schaut, sieht bei Mick Schumacher nach drei IndyCar-Wochenenden erst einmal wenig Grund zum Jubeln. In der Gesamtwertung steht der Deutsche ganz hinten, zuletzt fuhr er in Arlington sogar als Letzter ins Ziel.
Doch dieser Blick greift zu kurz. Denn Schumachers IndyCar-Einstand ist bislang deutlich besser, als es die nackten Ergebnisse vermuten lassen.
Schwaches Team, schwierige Ausgangslage
Der erste Punkt, den man bei der Bewertung nicht vergessen darf: Schumacher fährt nicht in einem Top-Team. Rahal Letterman Lanigan Racing war im vergangenen Jahr das schwächste der etablierten Teams im Feld. Zwar wird im Hintergrund umgebaut, personell nachgebessert und an der Struktur gearbeitet. Doch sportlich ist das Paket aktuell noch weit weg von Schwergewichten wie Penske, Ganassi oder Andretti.

Hinzu kommt: Andere kleinere Teams haben inzwischen technische Partnerschaften mit den größeren Rennställen aufgebaut und dadurch einen Schritt nach vorne gemacht. RLL steht damit im direkten Vergleich noch stärker unter Druck. Für einen Rookie wie Schumacher macht das die Aufgabe nicht leichter.
Auf Stadtkursen stimmt die Pace trotzdem
Gerade deshalb ist interessant, was die Daten sagen, und nicht nur das Ergebnisblatt. Auf den Stadtkursen hatte Schumacher bislang wenig Glück. Beim ersten Rennen in St. Petersburg wurde er unverschuldet direkt in Runde eins abgeräumt.
In Arlington lief das Rennen nach Strafe, Dreher und Zwischenfällen komplett aus dem Ruder. Am Ende stand nur Platz 22. Trotzdem gibt es einen klaren Hoffnungsschimmer: Die Pace stimmt.
Im Vergleich der besten 40 sauberen Rennrunden der drei RLL-Fahrer war Schumacher in Arlington der Schnellste. Gegen Louis Foster war er im Schnitt rund zwei Zehntel, gegen Graham Rahal sogar etwa drei Zehntel schneller. Heißt: Hier fehlte Mick nicht das Tempo, sondern schlicht das Rennglück.

Mega-Ausrufezeichen auf dem Oval
Noch beeindruckender war ohnehin das, was Schumacher in Phoenix gezeigt hat. Auf einem Oval, also in komplett unbekanntem Terrain, stellte er das Auto im Qualifying sensationell auf Startplatz vier. Und das unter den schlechtesten Bedingungen, weil er im Einzelzeitfahren als Erster rausmusste.
Gerade auf dem Oval ist das eine echte Ansage. Denn dort geht es nicht nur um Mut, sondern um ein extrem feines Gefühl für Grip, Lastwechsel und Geschwindigkeit.
Ex-Pilot Timo Glock ordnet genau das besonders hoch ein: „Das beste Kompliment, was man bekommen kann, ist von Josef Newgarden. Wenn einer wie er von einer ‚unfassbaren Leistung‘ spricht, sagt das alles aus.“

Und Glock erklärt auch, warum Ovalfahren so schwer ist: „Du darfst nicht driften. Man muss genau den Weg finden, dass das Auto nicht slidet, aber noch genügend Geschwindigkeit mitgenommen wird. Wir reden hier über Nuancen von ein oder zwei km/h, die man spüren muss.“ Genau dort hat Schumacher auf Anhieb geliefert.
Die Lernkurve stimmt
Das vielleicht wichtigste Signal: Bei Schumacher ist bereits jetzt eine Lernkurve zu erkennen. Er kommt in einer Serie an, die mit der Formel 1 nur auf den ersten Blick vergleichbar ist. Andere Strecken, anderes Racing, andere Autos, andere Boxenstopps, andere Restart-Mechanismen, andere Metriken. Dazu fährt er in einem Team, das nicht das beste Material hat.
Und trotzdem hat er jetzt schon mit einer guten Pace in Phoenix und Arlington vereinzelt auf sich aufmerksam gemacht. Das ist für einen Quereinsteiger kein schlechter Einstand, im Gegenteil.
Autoren: Michael Zeitler, Alexander Warneke
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