Am vierten Tag der Formel-1-Testwoche in Barcelona rollte endlich auch der Aston Martin AMR26 aus der Garage.
Ganz in Schwarz statt in Grün feierte der neue Aston Martin am Donnerstag in Barcelona endlich seine heiß ersehnte Jungfernfahrt: Um Punkt 17 Uhr fuhr Lance Stroll den neuen AMR26 erstmals auf die Strecke.
Schon jetzt ist klar: Adrian Newey bleibt sich treu. Auch als Teamchef und Chefzeichner in Personalunion setzt er wieder auf ungewöhnliche Lösungen. Schon die Front zeigt, wie kompromisslos der Top-Designer denkt. Die Nase ist vergleichsweise breit und bauchig ausgefallen und dockt nicht am ersten, sondern erst am zweiten Element des Frontflügels an. Eine Lösung, die aktuell nur noch Mercedes in ähnlicher Form nutzt.
An der Vorderradaufhängung geht Newey ebenfalls eigene Wege. Zwar kommt wie bei den meisten Teams ein Pushrod-System zum Einsatz. Doch die Geometrie fällt extrem aus: Der obere Querlenker sitzt sehr hoch, so dass im Monocoque eine kleine Stufe entsteht. Gleichzeitig ist der hintere Lenker weit nach unten gezogen. Das Ergebnis ist eine ausgeprägte Anti-Dive-Wirkung – das Auto taucht beim Bremsen also deutlich weniger mit der Nase ein. Ziel: mehr Stabilität beim Anbremsen und eine ruhigere Plattform für die Aerodynamik.
Aston Martin: Seitenkästen mit Sonderweg
Auch an den Seitenkästen verlässt Newey den Mainstream. Statt langer, nach vorne gezogener Oberkanten setzt er auf Kühleinlässe mit Unterbiss. Diese Lösung kennt man noch von früheren Aston-Martin-Modellen, sie hat sich im Feld aber bislang nicht durchgesetzt.

Der Lufteinlass der Airbox ist relativ klein und dreieckig geformt, ähnlich wie bei Ferrari. Seitlich sitzen kleine Leitbleche, dazu kommen die markanten „Hörner“, die ebenfalls an die Scuderia erinnern. Richtig spektakulär wird es weiter unten: Hinter dem geschlitzten Bargeboard öffnet sich ein extremer Undercut, der ungewöhnlich viel freie Unterbodenfläche freilegt. Diese Lösung gilt bereits als eine der radikalsten des gesamten Feldes.
Weiter oben an der Motorhaube fällt ein großer Kühlauslass auf, der aus der ansonsten sehr eng anliegenden Verkleidung herausgeschnitten wurde. Womöglich nur ein Zugeständnis an die Testphase, um Überhitzung zu vermeiden. Dahinter zieht sich das Heck dann abfallend nach unten hin extrem schlank zusammen. Auffällig ist außerdem eine große Finne auf der unlackierten Carbon-Motorhaube.
Für das größte Staunen sorgt jedoch die Hinterradaufhängung. Normalerweise sind die Querlenker am Getriebegehäuse befestigt. Newey hat eines der Elemente dagegen hoch oben an den Heckflügel-Stützen angebracht. Eine Lösung, die so bislang kaum zu sehen war.
Aston Martin AMR26: Kurzes Debüt
Allein: Aston Martins Teststart war kurz. Nur fünf Runden drehte Stroll auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, ehe der AMR26 in der Boxeneinfahrt wieder ausrollte. Laut Team keine Panne, sondern ein geplanter Ausstieg zum Sessionende.
Die gefahrene Zeit: 1:46.404 Minuten – fast 30 Sekunden langsamer als die Tagesbestzeit von George Russell. Und damit ist klar: Was die Datenmenge und Streckenzeit angeht, liegt Aston Martin vor dem letzten Testtag am Freitag deutlich zurück. Denn während etwa Mercedes oder Ferrari mit über 100 Runden glänzten, bleibt dem Team aus Silverstone nur noch ein letzter Tag zur Aufholjagd.
Mercedes gibt weiter das Tempo vor
Während Aston Martin noch warm läuft, hat Mercedes die Shakedown-Woche dominiert. Am Donnerstag legte George Russell mit 1:16.641 Minuten noch einmal nach und sicherte sich die klare Wochenbestzeit – vor Teamkollege Kimi Antonelli. Beide Fahrer waren mit Longruns und verschiedenen Batterie-Modi unterwegs, um das Zusammenspiel mit dem neuen Antriebsreglement besser zu verstehen.
Antonelli bilanzierte: „Wir sind heute viele Runden gefahren und ich habe viel über das Auto gelernt.“ Auch der Motor stand im Fokus – besonders bei hohen Kurvengeschwindigkeiten, wie das Team bestätigte.
Ferrari solide, McLaren mit Problemen
Ferrari absolvierte einen weitgehend reibungslosen Tag. Lewis Hamilton drehte am Vormittag 85 Runden – inklusive eines harmlosen Drehers. Am Nachmittag übernahm Charles Leclerc das Steuer und fuhr mit 1:18.223 Minuten die drittschnellste Zeit des Tages.
Bei McLaren hingegen herrschte am Nachmittag Stillstand. Nach einem Problem mit dem Benzinsystem blieb Oscar Piastris Auto in der Garage. Technikchef Mark Temple erklärte: „Das Auto ist komplex. Wir wollten auf Nummer sicher gehen und das Problem vollständig verstehen.“
Formel-1-Testfahrten Barcelona – Tag 4: Zeiten & Runden
| Platz | Fahrer | Team | Motor | Zeit | Rückstand | Runden |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | George Russell | Mercedes | Mercedes | 1:16,445 | – | 77 |
| 2 | Kimi Antonelli | Mercedes | Mercedes | 1:17,081 | +0,636 | 90 |
| 3 | Charles Leclerc | Ferrari | Ferrari | 1:18,223 | +1,778 | 89 |
| 4 | Oscar Piastri | McLaren | McLaren | 1:18,419 | +1,974 | 48 |
| 5 | Arvid Lindblad | Racing Bulls | RBPT Ford | 1:18,451 | +2,006 | 47 |
| 6 | Lewis Hamilton | Ferrari | Ferrari | 1:18,654 | +2,209 | 85 |
| 7 | Liam Lawson | Racing Bulls | RBPT Ford | 1:18,840 | +2,395 | 64 |
| 8 | Sergio Perez | Cadillac | Ferrari | 1:21,024 | +4,579 | 66 |
| 9 | Lance Stroll | Aston Martin | Honda | 1:46,404 | +29,959 | 4 |
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