Formel 1

Wird der Mercedes-Motor-Trick verboten? Jetzt spricht die FIA

Formel 1 Mercedes George Russell Barcelona 2026
George Russell. Credit: Steve Etherington/Mercedes
Alex Warneke
Alex Warneke

Der Motoren-Zoff geht weiter. Nun äußert sich der FIA-Technikchef Nikolas Tombazis zur Verdichtungstrick-Thematik rund um Mercedes.

Kurz vor den Wintertests in Bahrain spitzt sich der Motoren-Streit der Formel 1 weiter zu. Nun meldet sich erstmals die FIA selbst zu Wort. Technikchef Nikolas Tombazis macht klar: Die Zeit drängt, eine Entscheidung soll bis Melbourne fallen.

Worum geht es konkret? Das Verdichtungsverhältnis der neuen 2026er-Motoren wird von der FIA statisch bei Umgebungstemperatur gemessen und ist auf 16:1 begrenzt. Mercedes soll jedoch einen Weg gefunden haben, im Betrieb von der Wärmeausdehnung zu profitieren und so effektiv auf bis zu 18:1 zu kommen. Der mögliche Vorteil: 15 bis 20 PS, je nach Strecke 0,2 bis 0,3 Sekunden pro Runde oder bis zu 20 Sekunden über die Renndistanz.

Formel 1 George Russell Mercedes W17 2026
George Russell. Credit: Steve Etherington/Mercedes

Kein Wunder, dass die anderen Hersteller Alarm schlagen schlagen. Denn im Reglement ist verankert, dass sich das Auto zu jedem Zeitpunkt des Rennens im legalen Bereich bewegen muss. Das Problem: Gemessen wird bei Umgebungstemperatur, nicht bei heißen Rennbedingungen, bei denen der Motorentrick greift. Hinzu kommt: Die Marke mit dem Stern hat sich im Vorfeld der Saison laut eigener Aussage mit der FIA hinsichtlich dieser technischen Spielerei abgesprochen und mit dem Segen des Automobilweltverband weiterentwickelt.

FIA-Technikchef will ein „faires Niveau“ schaffen

Neu ist nun: Red Bull hat offenbar die Seiten gewechselt. Der österreichische Rennstall hat selbst an dem Trick gearbeitet, scheiterte dem Vernehmen nach aber. Damit heißt es: Alle Hersteller gegen Mercedes. Stimmen auch noch FIA und Formel 1 zu, kann das technische Reglement mit einer Supermehrheit angepasst werden.

Tombazis erklärt die Ausgangslage offen: „Wir wollten, dass neue Motorenhersteller auf einem fairen Niveau mitkämpfen können. Unter dem Budgetdeckel wäre es sonst extrem schwer gewesen, Rückstände aufzuholen.“ Vereinfachung und Kostenreduktion seien deshalb bewusst Teil der neuen Regeln gewesen.

Gleichzeitig räumt der FIA-Technikchef ein, dass Teams Lücken finden: „Einige Hersteller haben offenbar Möglichkeiten entdeckt, die Verdichtung zu steigern, wenn sich der Motor erhitzt. Wir haben intern viel diskutiert, wie wir das regeln wollen.“ Sein Ziel: „Wir wollen keinen Streit und keine Entscheidungen vor Gericht. Der Wettkampf soll auf der Strecke stattfinden. Unser Ziel ist das Problem vor dem Saisonstart zu lösen.“

Tombazis: „Wollen keine WM der cleversten Regel-Auslegung“

Dabei betont Tombazis auch die Grenzen der Regelmacher: „Wenn sich Regeln so stark ändern, gibt es immer Punkte, die man nicht vorhersehen kann. Die Teams beschäftigen tausende Ingenieure, manchmal finden sie Dinge, die bei uns nicht auf dem Radar waren.“

Besonders deutlich wird er mit Blick auf den sportlichen Geist: „Wir wollen keine Weltmeisterschaft der cleversten Regel-Auslegung.“ Gleichzeitig weiß die FIA, wie heikel ein Eingriff wäre. Mercedes hat enorm investiert und beliefert insgesamt vier Teams. Eine nachträgliche Einschränkung könnte massive Folgen haben, sportlich, finanziell, wie auch politisch.

Noch lässt Tombazis offen, wo genau die FIA ansetzen will. Klar ist nur: Untätig bleiben will der Weltverband nicht. Die kommenden Wochen entscheiden, ob der mutmaßliche Motoren-Vorteil bestehen bleibt, oder ob die FIA kurz vor Saisonstart eingreift.

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Autor

Alex Warneke
Alex Warneke

Alex ist unser Hybrid im Redaktionsteam. Als Rennspiel-Experte versorgt er die F1 Insider Leser mit Texten aus der SimRacing-Welt. Zudem ist Alex als Videocreator im F1-Insider-Team aktiv. Interviews und spannende Themen aus der Formel 1 bereitet er für unseren YouTube Kanal auf.


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