Auch Mercedes-Star George Russell reiht sich ein in die Fahrer, die deutliche Kritik an den neuen Regeln üben. Doch der Brite nimmt sich zunächst Max Verstappen vor.
Die Diskussion um die neuen Formel-1-Autos bekommt eine neue Schärfe. Nachdem Max Verstappen die 2026er-Generation beim Test in Bahrain als „Formel E auf Steroiden“ kritisiert und sogar mit einem vorzeitigen Abschied aus der Königsklasse geliebäugelt hatte, meldet sich jetzt George Russell zu Wort. Und der Mercedes-Pilot spart nicht mit Spitzen.
Russell kann Verstappens harscher Kritik wenig abgewinnen. „Ich gebe Dingen immer gerne eine Chance. Das neue Reglement ist ein Schritt vorwärts und erst wenige Tage alt“, fordert der Brite Geduld. „Es wird noch für drei Jahre bleiben. Jeder wird in den ersten Monaten einen enormen Fortschritt machen. Wir müssen dem Ganzen etwas Zeit geben.“
Russell greift Verstappen-Kritik an

So weit, so nachvollziehbar. Doch der Brite belässt es nicht bei einer seriösen Antwort, sondern geht verbal in den Angriffsmodus über. Verstappen, der bereits viermal Weltmeister ist, befinde sich in einer komfortableren Lage als er selbst. „Ganz ehrlich, ich will einfach nur gewinnen“, erklärt Russell und stichelt: „Ich schätze, ein Fahrer, der in letzter Zeit bereits viel gewonnen hat, will die besten und lustigsten Autos fahren. Er ist herzlich dazu eingeladen, auf die Nordschleife zu gehen.“ Eine unnötig polemische Anspielung auf Verstappens Leidenschaft für GT- und Sim-Racing.
Was Russell aber zumindest klar macht: Für ihn geht es in der Formel 1 nicht nur um den Fahrspaß der Piloten. „Uns schauen zig Millionen Menschen zu. Die Autos, die uns am meisten Spaß machen, müssen nicht unbedingt das beste Rennen produzieren“, räumt er ein. Mehr Energie-Management, mehr Strategie – das könne auch mehr Chaos und damit mehr Entertainment bedeuten, gibt er zu bedenken.
Allein: Ganz ohne Kritik kommt aber auch Russell nicht aus. Seine Argumentationslinie: „Die Motoren sind sehr komplex und bereiten allen Ingenieuren größere Kopfschmerzen als den Fahrern.“ Besonders ungewohnt sei, dass in Kurven extrem niedrige Gänge gefahren werden müssen, um den Turbo auf Drehzahl zu halten. „Das ist ziemlich nervig und nicht intuitiv“, kritisiert er. In Bahrain etwa müsse Kurve eins nun im ersten statt im dritten Gang gefahren werden. Russell: „Das ist wie das Ziehen der Handbremse“.
Fazit
George Russell will von Max Verstappens verbalem Rundumschlag gegen die neue Formel 1 nichts wissen, teilt aber selbst kräftig aus. Sein verbaler Balanceakt zeigt: Die Königsklasse polarisiert wie lange nicht.
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