Muss Mercedes abrüsten? FIA plant neue Motor-Regeln. Toto Wolff reagiert überraschend gelassen.
Kommt bald die Lösung im Motorenstreit? Der Automobilweltverband FIA steuert derzeit auf einen Kompromiss im Streit ums Verdichtungsverhältnis zu. Der Vorschlag: Bis Sommer darf Mercedes die Grauzone weiter nutzen, ab 1. August wird dann nicht mehr bei Umgebungstemperatur, sondern bei 130 Grad gemessen. Heißt wohl: Die Silberpfeile müssten bis dahin abrüsten.
Teamchef Toto Wolff stellt sich öffentlich nicht gegen die Änderung. „Ich denke, so wie es jetzt gemacht werden soll, dass man den Regeln sowohl kalt als auch heiß entsprechen muss, zieht niemand einen Vorteil daraus“, sagt der Österreicher. Parallel dreht er die Diskussion um und unterstellt auch der Konkurrenz unlautere Absichten. „Ich denke, die anderen wollten es nur heiß messen, damit sie im kalten Zustand außerhalb des Reglements sein können. Jetzt ist es Fair Game für alle.“
Alle gegen Mercedes
Die übrigen Motorenhersteller gelten seit Wochen als geschlossen gegen Mercedes positioniert. Ein klassisches Formel-1-Szenario, das Wolff kritisiert. „Die Formel 1 ist eine Leistungsgesellschaft und wir wollen keine Balance of Performance“, räumt er ein. Ein legal entwickeltes Bauteil im Nachhinein infrage zu stellen, hinterlasse aber einen „bitteren Beigeschmack“.

Deutlich wird Wolff beim politischen Druck: „Wenn vier andere Power-Unit-Hersteller an einem Punkt immensen Druck auf die FIA ausüben, was für eine Wahl haben wir dann?“ Doch Wolff sieht die ganze Diskussion mittlerweile pragmatisch: „Philosophisch stimme ich dem nicht zu, aber so läuft das in den letzten 50 Jahren Formel 1.“
Mercedes bleibt gelassen
Sportlich sieht Mercedes offenbar keinen großen Effekt. Der Wiener betont, dass die diskutierten Vorteile vermutlich überschätzt werden. „Für uns ändert sich nichts, ob wir die Regeln ändern oder nicht“, sagt er. Der Motor sei nach den bestehenden Vorschriften entwickelt worden, notfalls hätte man einen Protest verkraftet. Trotzdem will Mercedes keinen offenen Konflikt: „Wir wollen gute Bürger des Sports sein.“
Der Fall zeigt einmal mehr: In der Formel 1 wird nicht nur auf der Strecke entschieden. Technik und Politik greifen in der Königsklasse des Motorsports auch in dieser Regelgeneration ineinander. Erstes Opfer ist Mercedes. Bleibt die Frage, wie sehr diese Entscheidung das Team ab Sommer wirklich schwächt.
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