Formel 1

Audis Formel-1-Boss teilt gegen Ferrari aus

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Nico Hülkenberg. Credit: Audi
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Audi sammelt beim Formel-1-Einstieg direkt Punkte – und Teamchef Binotto nutzt den Moment für eine klare Ansage.

Seit zwei Rennen ist Audi offizieller Bestandteil der Formel 1. Und den Start kann man getrost als geglückt bezeichnen. Beim Saisonauftakt in Melbourne fährt Gabriel Bortoleto auf Rang neun direkt in die Punkte. Für das neue Werksteam ein Achtungserfolg und für Projektleiter Mattia Binotto die perfekte Gelegenheit für deutliche Worte.

Denn auf die Frage, ob Audi sich künftig an Ferrari orientieren wolle, reagiert Binotto im Interview mit der französischen Tageszeitung L’Equipe ungewöhnlich spitz: „Warum sollte ich das tun?“, stellt er die Gegenfrage und schiebt mit einem Lachen hinterher: „Sie haben seit 2008 nichts mehr gewonnen. Ich will, dass Audi gewinnt.“

Binotto vergleicht Sauber mit Ferrari

Brisant: Binotto kennt Ferrari wie kaum ein anderer. 28 Jahre arbeitete er in Maranello, zuletzt als Teamchef. Entsprechend ordnet er nun seine eigene Vergangenheit ein: „Bevor ich Ferrari verließ, habe ich einiges gesehen, was mir Vergleiche ermöglicht.“

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Mattia Binotto. Credit: Audi

Eben auch den mit dem Schweizer Sauber-Team. Die Aufgabe, aus der Mannschaft ein Siegerteam zu formen, sei gewaltig. Den Ausgangspunkt beschreibt Binotto schonungslos: Sauber sei „ein kleines, traditionsreiches Team mit vielleicht etwas veralteter Infrastruktur“ gewesen.

Und er wird noch konkreter: Demnach fehlte es an „Personal, Fähigkeiten, Prozessen, Methodik, Platz, Ressourcen, guten Tests, einem Simulator, einem modernisierten Windkanal und einer effizienteren sowie leistungsfähigeren Produktion.“

Doch mit Ferrari-Methoden baue man daraus kein Siegerteam, so der Tenor „Während meiner Zeit bei Ferrari herrschte ein völliger Mangel an strukturierten Prozessen“, vergleicht der Italiener die lateinamerikanisch und die deutsch geprägte Arbeitsweise. „Wir arbeiteten nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum, ohne jegliche Organisation.“

Eine heftige Ohrfeige fürs Traditionsteam aus Maranello! Binotto weiter: „Es gab keinen festgelegten Aktionsplan, um Erfolg zu erzielen, wohingegen hier bei Audi, wo eine eher deutsche und schweizerische Mentalität vorherrscht, die Planung an erster Stelle steht.“ 

Für den Italiener ist das der entscheidende Unterschied: „In dieser Struktur kann kein einziger Schritt ohne eine genehmigte Strategie unternommen werden.“

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Nico Hülkenberg. Credit: Audi

Damit ist schon mal klar: Das erfolgreichste Formel-1-Team der Historie ist kein Vorbild für das F1-Projekt mit den vier Ringen. Dabei will auch Audi in Zukunft die WM-Krone holen. „Das Ziel ist es, eines Tages Weltmeister zu werden“, betont Binotto. „Was müssen wir dafür tun? Wir machen eine Liste und arbeiten sie ab – so einfach ist das.“

Audi mit Fünfjahresplan

Der Plan dahinter ist langfristig angelegt. Binotto: „Wir haben einen sehr strengen Fünfjahresplan erstellt: Die ersten drei Jahre sind vollständig dem Bau und der Entwicklung gewidmet, während die nächsten zwei Jahre der Konsolidierung dienen.“

Dafür hat Audi laut dem ehemaligen Motoringenieur von Michael Schumacher „mindestens 57 separate Projekte eingerichtet, jedes mit verbindlichen Fristen und Meilensteinen, die mit höchster Präzision eingehalten werden müssen“.

Parallel bittet der Italiener um Geduld: „Was den Motor angeht, weiß ich, dass wir dieses Jahr nicht die Besten sein können; das braucht Zeit.“

Fest steht: Audi gelingt ein solider Einstieg in die Formel 1. Doch den klaren Worten von Projektleiter Binotto auch Tagen folgen zu lassen, wird die nächste große Herausforderung.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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